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Frinted in Gormany

JAN 30 1931
ID 41
ERO

Vorwort.

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Die Säkularisation in Württemberg fann als ein Gebiet erscheinen, das zur geschichtlichen Behandlung noch nicht reif ist. Wir vertreten eine andere Ansicht: Nicht nur sind in nächster Zeit 100 Jahre verflossen, daß die Beraubung der katholischen Kirche in ganz Deutschland vor sich ging, was schon an sich eine Behandlung dieses Zeitabschnittes rechtfertigen würde, sondern es ist auch unbestrittene Thatsache, daß manche Erscheinungen und Einrichtungen der Jeytzeit nur dann richtig beurteilt werden können, wenn man sie im Lichte der geschichtlichen Entwicklung betrachtet. Da ist es aber gerade die Säkularisation zu Anfang des vorigen Jahrhunderts gewesen, welche in so mannigfaltiger Beziehung völlig neue Verhältnisse schuf; so manches wird verständlich durch die große Ilmwälzung, die in dem ersten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts sich vollzog. Für den protestantischen Volksteil Württembergs zeigt eine objektive BeTeuchtung der Säkularisation, daß die katholischen Landesteile nicht rechtlos ihren Landen angeschlossen wurden, sondern daß diese Angliederung unter ganz bestimmten Sicherstellungen sich vollzog; der katholische Volksteil ficht aber in der Säkularisation nicht allein die Erpropriation seiner St'irche, sondern auch eine stäte Mahnung: „Valte, was du hast!" nach den verschiedensten Richtungen hin.

Auf die Säkularisation in Württemberg haben wir unsere Forschungen beschränkt; wohl war es geboten, gerade im allgemeinen Teil diese Grenzen hie und da zu überschreiten; wir thaten es aber mit aller Reserve und nur, soweit es uns nötig erschien; mag sein, daß der eine oder andere in diesem oder jenem Punkte mehr gewünscht hätte; der Titel des Werkes war ins Nichtsdinur, und hier haben wir hauptjächlich -- mit Ausnahme der Abhandlung über das Kirchengut - die Vorkommnisse der Jahre 1802 bis 1810 ins Auge gefaßt. Es konnte deshalb auch nicht die Gründung des Generalvikariats und Bistums Rottenburg eingehend besprochen werden; wir sahen um so mehr davon ab, als Herr Professor Dr. v. Funk-Tübingen in der neuen Oberamtsbeschreibung von Rottenburg ein abgerundetes Bild hierüber gegeben hat. Im übrigen aber glauben wvir, die Frage der Säkularisation nebst deren Folgen für den katholischen Teil des heutigen Königreichs Württemberg so ziemlich erschöpfend behandelt zu haben.

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Das Werf gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil ist die Säkularisation im allgemeinen -- im Gebiete des heutigen Königreichs Württemberg beschrieben; der zweite Teil behandelt die Aufhebung der einzelnen Klöster und das Schicksal der Injassen derjelben. Diese Scheidung ist jedoch nur eine äußerliche und der Uebersichtlichkeit halber erfolgt; der zweite Teil muß ja in vielfältiger Hinsicht die Einzelbelege für den ersten Teil abgeben. Auf diese Weise. suchten wir wiederholungen auszuweichen, wenn folche auch nicht gänzlich 311 umgehen waren. Bemerkt darf noch werden, daß das ganze Werf in vielen Teilen vollständig auf ungedruckten Quellen beruht, welche die Kgl. Landesbibliothek und das R. Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart, das Archiv des Innern und das Finanzarchiv in Ludwigsburg, das Bischöfliche Archiv in Rottenburg, die Archive von Standesherrschaften und manche Pfarrchronik uns boten. Für die freundliche Unterstüßung, die wir auf vielen Seiten fanden, sei auch hier der Danf ausgesprochen.

Stuttgart, Ostern 1902.

Der Verfaser.

Inbalts-Verzeichnis.

15

Erltes Buc.
Dic Säkularijation in ihren allgemeinen Grundzügen.
Erstes Kapitel.

Seite Die Einleitung zur Säkularisation

3 Säkularisationsprojekte im 18. Jahrhundert. König Friedrich II. von Preußen als Seele dieser Bestrebungen. Besißungen der katholischen Kirche in Deutschland. Preußen spielt den Verräter an Kaiser und Reich durch den Basler Frieden von 1795. Württemberg begeht denselben Schritt durch den Separatfrieden vom 7. August 1796 und sichert sich geistliche Besißtümer zu. Die Maßregelung Wöllwarths. Der Inhalt der geheimen Friedensartikel. Kritik derselben durch einen „patriotischen Württemberger“.

Gleichzeitige Unterhandlungen des Erbprinzen Friedrich mit Desterreich.

Regierungsantritt des Herzogs Friedrich II. Rastatter Kongreß 1797 bis 1799. Petition der schwäbischen Reichsstädte um Erhaltung ihrer Verfassung. Erklärung der französischen Minister über die Säkularisation. V Das Verhalten der Reichsstände. - Gleichzeitige Verhandlungen Württem= bergs in Paris und Wien.

3 weites Kapitel. Der Regensburger Reichs deputations chluß

Der Friede von Luneville 1801. Die Absichten Frankreichs bei der : Säkularisation. Die Abstimmung über den Luneviller Frieden im Reichstage. Die Wahl einer außerordentlichen Reichsdeputation. Uebereinfunft zwischen Frankreich und Nußland wegen der Regelung der „Entschädigungen“ in Deutschland. Vertrag Württembergs mit Frankreich am 20. Mai 1802. Zusammentritt der außerordentlichen Reichsdeputation. Der erste Entschädigungsplan vom 18. August 1802. Die in demselben vorgesehenen Entschädigungen für Württemberg und dessen Stellungnahme.

Reklamationen deutscher Reichsstände. Der zweite Entschädigungsplan vom 8. Oktober 1802. Die Württemberg zugedachten Länder des: selben. Die Entschädigung der Reichsgrafen. Neue Reklamationen der Reichsstände. Unterhalt der Klosterinsassen. Württemberg fordert ein x Toleranzedikt für ganz Deutschland. Die künftige Zusammenseßung des Fürstenkollegiums. – Das Patronatsrecht. - Anzeige von Abmachungen mit den seitherigen geistlichen Fürsten und Aebten. Die wichtigsten Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses. Materieller Verlust der katholischen Kirche durch denjelben.

Drittes Kapitel. Folgen der Säkularisation im allgemeinen

66 Aeußerungen der Zeitgenossen. – Klagen auf dem Wiener Kongreß 1815.

Politische Folgen. Veränderungen im Reichstage. Folgen für den Bürgerstand und für Kunst und Wissenschaft. Verdrängung der Katholiken aus ihrer seitherigen Stellung. - Folgen auf religiösem Gebiete.

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