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richtung mehrerer oder höherer Abgaben als die chriftli: chen Bürger und Einwohner angehalten waren, ausser Kraft und Wirkung gefekt werden.

2) Que Familienvåter, Witwen und selbstståndige Personen (personae sui juris) welche gegenwärtig in der Ståtigkeit, und im Schuße stehen, erhalten das Bürgerrecht und den Genuß der vol lig gleichen bürgerlichen Rechte mit den chrift: lich en Bürgern zu Frankfurt. Die Ablegung des Bürgereids betreffend, so sollen die jeßt in das Bürger: buch eingeschrieben werdenden Juden den nämlichen Eid in die Hände des Maire ablegen, welchen die Bürger im Allgemeinen, den bestehenden Vorschriften nach, abs zulegen haben. Ein Gleiches hat auch bei den in Zu: kunft neu eintretenden jüdischen Bürgern statt. Die der: malige Einschreibung in das Bürgerbuch, und die Eidesabnahme geschehen unentgeldlich, da von den in das Bürgerrecht jegt einrückenden Juden ähnliche Einschreibgebühren bereits respective dem Staat, und an die Sudenschaft entrichtet worden sind.

3) Die Söhne der jeßt in das Bürgerrecht tretenden Juden, wenn sie einst ein eigenes Gewerbe anfan: gen wollen, und sui juris sind, geniessen die nåma lichen Vortheile, unterliegen aber auch den nåmlichen Verbindlichkeiten, welche bisher die Söhne der übrigen christlichen Bürger respective zu geniessen und zu leisten hatten.

Da indessen von den israelitischen Glaubensgenossen, welche aus Ursache der bisherigen, fie von allen andern Gewerben ausschliessenden Verfassung, feither bloß von dem Handel lebten, und das her dermalen noch diesen allein als bürgerliches Ges werbe anzugeben vermogen, noch nicht in Strenge

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gefordert werden kann, daß sie ausser dem Handel sich mit einem andern bürgerlichen Gewerbszweig aus: weisen sollen; so wird ein Zeitraum von zehn Jahren gnådigst vergönnt, binnen welchem für die jüdischen Bürgerssohne der bisherige Handel als anzu: gebender bürgerlicher Gewerbzweig genügen soll. Nach Verlauf dieser zehn Jahren aber, unterliegt der jüdische Bürgerssohn bei dem Antritt des wirklichen Bürgerrechts hinsichtlich der Ungabe eines bürgerlichen Nah: rungszweiges und Gewerbes, auch dessen ordents lichen Erlernung, sowohl in Hinsicht der Handlung als der übrigen Gewerbe, den hierunter bestehenden allgemeinen geseblichen Vorschriften.

4) Die Tochter und Witwen der in das Bürgerrecht wirklich eintretenden Juden, haben die nåma lichen Vorrechte, welche das Gesetz und Obfers vanz allen Bürgerstöchtern und Witwen überhaupt zuerfennt.

5) Fremde Suden, welche zu Frankfurt aufs genommen, und Bürger werden wollen, werden gleich allen übrigen um das Bürgerrecht Nachsuchenden behandelt ; insbesondere ist der in dem §. 15 des frankfurter Bürger Statuts geforderte Beweis , daß auch diesseitige Unterthanen in des Fremden Heimath zu Bürgern aufgenommen werden, dahin' zu verstehen, daß dieses großherzogliche Unterthanen, und namentlich frankfurter

frankfurter Einwohner überhaupt, ohne Beschränkung auf ein gewisses Religionsbekennts niß, berühre.

6) Die zu dem Bürgerrecht zu Frankfurt ges langenden Juden, haben die Freiheit, ohne Beschränkung auf eine Zahl jährlich zu stiftender Ehen, sich zu verheurathen; sie unterliegen aber

unter Beziehung auf die im §. 4. gemachten Verfü: gungen, den hierunter bestehenden allgemeinen Ber: ordnungen.

7) Die frankfurter jüdische Religionsgemeinde behålt das alleinige Eigenthum, die alleinige und vollkommene Verwaltung, Verwendung und Leitung aller ihrer

aller ihrer Kirchens, Sch us len- und milden Stiftungsfonds, ohne Theils nahme der Christen daran; dagegen hat sie aber auch keinen Anspruch auf Theilnahme an den dort bestes henden, für die christlichen Confessionen allein bes stimmten milden Stiftungen und Anstalten, wenn sie nicht mit ein, oder der

der andern dieser christlichen Stiftungen eine besondere Uebereinkunft trifft, und hiedurch da$ Recht zur Theilnahme daran erhalt. Sollten aber besondere und

und eigene Armen- oder Baisen4nstalten durch besondere Umlagen nach dem Steuer - oder Vermögensfuß der Einwohner statt haben, so haben die dazu contribuirenden jüdis schen Glaubensgenossen die nåmlichen Ansprüche dars auf, wie die Christen; auch können die júdischen Glaubensgenossen bei der bestehenden allgemeinen Ars men Direction, welche auf freiwillige Beitråge großs tentheils gegründet ist, Theil nehmen, wenn sie gleich den Christen dazu contribuiren wollen. Chriftliches Gesinde, welches bei Juden dient, hat in Erkrankungsfållen das Recht, in die sich das zu eignenden christlichen Stiftungen auf gleiche Art, als håtte solches bei christlichen Bürgern in Diens ften gestanden, aufgenommen zu werden, indem bei demselben nicht die ReligionsEigenschaft der Dienstherrschaft, sondern jenę des Dienstboten in Betrachtung kömmt.

8) Die so genannte sudengasse, in so weit fie bisher noch keinen Theil der übrigen Stadtquar:

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tiere ausgemacht hat, wird dem einen, oder den andern der zunächst liegenden Quartiere, gleich den übrigen christlichen Bewohnern, beizutragen haben. Demnach hören die jährlichen Quartiergelder, welche die Judengemeinde bisher an das Recheneis Umt bezahlte, darch Erhaltung des Bürgerrechts der jüdischen Glaubensgenossen für die. Zukunft auf, wo hingegen ins künftige jeder einzelne israelitische Búr: ger und Bewohner eben die Quartiergelder an den treffenden BürgerCapitain verhältnißmáßig zu bezahlen hat, welche die christlichen Bürger und Bewohner entrichten, so wie wenn dieser Quartiergelder halber, bei den Bürgern überhaupt dereinst irgend eine Abånderung statt finden sollte, der Bürger júdischer Religion nicht mehr und nicht weniger als der chriftliche Bürger zu zahlen hat, somit Erstere den Lettern durchaus gleich gehalten werden sollen. In Betreff der Ar matur der dermaligen in das Bürs gerrecht tretenden jüdischen Unterthanen, wird gnås digst vergönnt, daß für dermalen, und ausnahms: weise ein jedes Individuum die nöthigen ArmaturStücke sich selbsten stelle, ohne Etwas dafür an das stådtische Aerar zu zahlen, jedoch müssen diese Armas turStücke durchaus reglementsmásig, und von dem bürgerlichen MilitårCommando als annehmbar erklärt: werden. Nicht minder muß Jeder sich damit, inner: halb der zur Einschreibung in das Bürgerbuch bestimmten Zeit von vier Wochen, nach möglichster Thunlichkeit versehen.

9) Den Hausierhandel können diejenigen in das Bürgerrecht iegt eintretenden Juden forttreiben, welche sich damit bisher ernährt haben; jedoch stenen sie unter deßfalfiger besondern Polizeiaufsicht. Ein neuer Sausierhandel kann dagegen nicht anders

als auf besonders nachgesuchte und erhaltene polizeiliche Bewilligung angefangen werden.

10) Es wird ferner der frankfurter Judengemeinde die Versicherung andurch ertheilt, daß die jeweils zu dors tigen Bürgern von Uns angenommen werdenden frems den Juden, an den fåmmtlichen Gemeindelasten und Schulden der frankfurter Judengemeinde ihren verhåltnißmåfigen Antheil nach ihrem Vermögen zu übers nehmen, so wie auch, daß der Auswandernde oder durch Religionsveränderung aus ihrer Gemeinde tretende, an den alten Schulden und Lasten seinen Antheil, nach dem in der Gemeinde observanzmåfig zur Basis angenommen Fusse, beizutragen, oder fich respective darüber mit der Gemeinde zu vergleichen haben solle; die ders malen, durch Uebernahme der Ablösung der Suden: gemeinde erwachsende neue Schuld von viermal hundert und vierzig Tausend Gulden insbesondere betreffend, so hat jedes auf die eine oder die andere Art austretende Mitglied, nach Verhältniß der zur Zeit seines Austritts annoch bestehenden Restschuld, an besagter Summe den auf sein Vermögen fallenden Theil zu übernehmen, und ordnungsmåfig an die israelitische ReligionsGemeinde abs zuführen.

Zur wahren Urkund dessen, haben wir gegenwers tige Unsere gnådigste Erklärung eigenhändig unterschrieben, und mit Unserm grössern Kabinets Insiegel versehen lassen. Gegeben ufchaffenburg den 28. Dec. 1811.

Carl, Großherzog. (L. S.) Auf Befehl des Großherzogs,

der Minister, StaatsSecretár, Freiherr von Eberstein.

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