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Fait à Berlin le vingt-un Mai de l'an de
grâce mil - huit-cent-seize.
(L. S.)

FREDERIC GUILLAUME.
Le Prince de Hardenberg.

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XXVIII.

Uebersicht der Eingaben, Forderungen und Erklärungen des påpftlichen Hofes bei dem wiener

Congreß.

Von dem Herausgeber. Es war zu erwarten, daß die römische Curie ihr Interesse, in geistlicher und weltlicher Hinsicht, bei dem Congreß nicht vernachlässigen werde. Der heilige Vater hatte zu dem Ende einen eigenen Legaten an den Congreß gesendet, den Herrn Ercole Confalvi, der heiligen römischen Kirche Cardinal, Diacon von Sans ta Ugatha ala Suburra, Staats Secretår Sr. påpftlichen Heiligkeit; einen durch Erfahrung, Einsicht und Eifer långst bewährten Diener der römisch-katholischen Kirche. Die Angelegenheiten des påpstlichen Sofes, was ren von zweierlei Art: weltliche und geistliche.

Beide hatte der Papst Sr. Majeftåt dem Kais ser von Deftreich dringend empfohlen, in einem eigenen Breve*), welches der CardinalLegat gleich nach seiner Ankunft überreichen mußte, und worin zugleich die Glüdwünsche des heiligen Vaters, zu *) Vergl. oben, Bd. IV, S. 314. - Diesel Breve bat

der Herausgeber , zur Einrückung in gegenwärtige Samm-
lung, sich noch nicht verschaffen können.

der für Deftreich so günstigen Wendung der politischen Angelegenheiten, vorgetragen waren.

1.

Die weltlichen Angelegenheiten, brachte der Herr Cardinal erst in Anregung durch eine ausführliche Note vom 23. October 1814 *).

Darin begehrte er, was schon vorhin, fowohl in Paris als auch in London, von ihm bei den verbündeten Mách: ten, und auch bei Frankreich, schriftlich geschehen war, alle und jede. Provinzen und Dominien zurůd, welche dem heiligen Stuhl seit dem Jahr 1789 (seit dem Anfang der französischen Revolution) nach und nach waren entrissen worden; namentlich nicht nur die Marken, Uncona, Macerata und Fermo, die Herzogthümer Cammerino, Benevento und Ponte Corvo, und die Legationen Romagna, Bologna und Ferrara, die legte mit Inbegriff des auf der linken Seite des Po gelegenen Theils derselben, sondern auch den so genannten Staat von Uvignon und das Comtat Venaissin.

Avignon und Venaifrin, hatten die vers bündeten Mächte schon in dem pariser Frieden vom 30. Mai 1814 (Art. 3) Frankreich zugesichert **). Auf dem Congreß ward diese Stipulation nicht widerrufen. Die Besikungen des heiligen Stuhls in Italien, wurden demselben wieder eingeråumt;

*) Vergl. oßen, Bb. IV, S. 319 und 326. Auch diese

Note hat der Herausgeber sich noch nicht verschaffen fönnen. Aber das Wesentliche ihres Inhaltes ist aus der weiter unten angeführten Note. und, aus der Protesta

tionsUrkunde, beide vom 14. Jun. 1815, zu ersehen. **) Oben, Bd. I, Heft 1, S. 14.

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aber mit Ausnahme des auf der linken Seite des Po liegenden Theils von Ferrara, welcher , nebst dem Beratungsrecht in den festen Plåken - Ferrara und Commacchio, dem Hause Deftreich überlassen ward *). Für alles biefes ward dem påpftlichen Stuhl Entschädigung nicht gegeben.

Wider alle diese Verfügungen, so weit sie dem heiligen Stuhl nachtheilig sind, und überhaupt gegen alle der römisch-katholischen Kirche nachtheiligen Verfügungen des Congresses, protestirte der Cardinallegat feierlich, in einem eigenen Protestas tions Instrument, in forma patente, datirt vom 14. Jun. 1815 **). In einer ausführlichen Note, von

) demselben Tage batirt ***), sekte er zugleich die Gründe ber Forderungen seines Sofes, und der von ihm einges legten Rechtsverwahrung, auseinander. Er fügte auss drücklich hinzu, daß er durch seine Protestation demjenigen Beispiel genau nachkomme, welches andere , an frůs here Congresse abgeordnete, påpstliche Legaten gegeben håtten, insbesondere der an den westphälischen Fries densCongreß abgesendet gewesene Fabio Chigi, Bischof von Nardo.

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2.

Die geistlichen Ungelegenheiten des heiligen Waters, betrafen die Rechte und : Ansprüche der kas tholischen Kirchen

Kirchen Deutschlands +). In

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*) Acte final du congrès de Vienne, art. 94, 95 et 103. **) Es steht abgedruct, oben Bd. IV, S. 325 ff. ***) Sie steht oben, Bd. IV, S. 319 ff. +) So, in der Mehrzahl (Kirchen), drückte fich die rös

mische Curie allenthalben aus: ohne Zweifel, um dem Grundsaß der Einbeit der römisd fatholischen Kirche dieser Beziehung überreichte der Herr Cardinal Gonfalvi dem Herrn Fürsten von Metternich eine Note, datirt vom 17. Nov. 1814. Noch hat diese Note in gegenwärtiger Sammlung nicht können geliefert werden, und es gewinnt fast das Ansehen, daß fie absichtlich geheim gehalten werde. Inzwis schen erfährt man das Wesentliche ihres Inhalts, aus einer spåtern Note desselben Herrn Cardinals vom 14. Sun. 1815, noch mehr aber aus der von demselben mit dieser Note zugleich übergebenen ProtestationsUrkunde von demselben Datum, welche beide unten, unmittelbar nach gegenwärtiger Uebersicht, gedruct erscheinen.

In der ProtestationsUrkunde, brůdt fich der Legát über den Inhalt seiner Note bom 17. Nov. 1814 folgendermasen aus. „Darin habe ich mich beschwert über alle Veränderungen, welche in den verflossenen Sahren, unter Mißbilligung wie aus öffentlichen Urkunden (publicis documentis)

nichts zu vergeben, mit welchem ihr, katholische stira chen Teutschlands vereinbarer scheinen, als eine fathos lische Kirche Teutschlands, wie eine Gesammtheit be. trachtet. Dagegen trugen die, welche als Oratoren für diese legte auf dem Congreß auftraten, überall fein Bedenfen, fich des Ausbrud 8 ,,Patholische Kirche Teutschlands“ zu bedienen. Vergl. oben, Bd. I, Heft 2, S. 28. ff., Bd. II, S. 255 ff., Bd. IV, S. 290 ff. 295 ff. Auch der Herr General Vicar des Bisthum Constanz, Frhr. von Weifenberg, sprach, in feinen Eingaben auf dem Congreß, von der „teutschen Kircher und von Der „katholischen Kirche in Teutschland.“ Oben, Bd. IV, S. 300, 301 u. 308. Ju den leßten Entwürfen der teutschen BundesActe, bediente man sich zuerst des Auss bruds „die Patholische Kirche in Deutschland,“ nadher der Worte: „die fatholische Kirche in den teutschen Bundesstaaten. Dbeu, Bd. II, S. 821, 476 4. 490.

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erhelet unseres allerheiligsten Vaters, in Deutschland ftatt gehabt haben, deren viele auch durch die Sanction mehrerer Verträge, besonders der Reichsversammlung im Jahr 1803 *), bekräftigt worden sind, zum Nachtheil der Kirchen (Deutschlands), der (geistlichen) Derter und Institute, und selbst auch des rómischen Reichs; aus - welchen so viel verderblicher Schaden, auch über die geistlichen Verhältnisse der Kirche, und über das Heil der Seelen gekommen ift; durch welche auch den Rechten des heiligen Stuhls groffer Nachtheil zugefügt worden ist, die

, so viele Jahrhunderte hindurch, von den Kaisern selbst, und von den übrigen Fürsten des Reichs aners kannt worden sind. Hierauf habe ich, im Namen Sr. Heiligkeit, den Antrag gemacht, daß man, gemäß der Gerechtigkeit und Weisheit der erlauchten Regenten, fols chem grossen Uebel abhelfen möge.“

Náher noch entwickelt der Herr Cardinal, uns mittelbar nachher, in derselben ProtestationsUrkunde, die Beschwerden des heiligen Stuhls. „Was die geistlichen Ungelegenheiten betrifft,“ sagt er, „so laßt der öfters erklärte geneigte Wille der teuts fchen Fürften hoffen, daß solche nåchstens, nach Vorschrift der Kirchengeseke, werden beigelegt und geordnet werden können.“ „Ein Sheil der Rechs te und Vorzüge der Kirchen Deutschlands,“ fügt der Cardinal in seiner Note vom 14. Jun. 1815 noch hinzu, „gehört, nach seinem inneren Gehalt, zu der allgemeinen Verfassung der (römischkatholischen) Kirche: ein anderer

anderer Theil dersels ben, ist gegründet auf den rechtmårigen und canonischen Berigstand der teutschen Kirs chen.“

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