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erhellet unseres allerheiligsten Vaters, in Deutsch land ftatt gehabt haben, deren viele auch durch die Sanction mehrerer Verträge, besonders der Reichs versammlung im Jahr 1803 *), bekräftigt worden find, zum Nachtheil der Kirchen (Deutschlands), der (geistlichen) Derter und Institute, und selbst auch des römischen Reichs; aus - welchen so viel verderblicher Schaden, auch über die geistlichen Verhältnisse der Kirche, und über das Seil der Seelen gekommen ift; durch welche auch den Rechten des heiligen Stuhls grosser Nachtheil zugefügt worden ist, die so viele Jahrhunderte hindurch, von den Staifern selbst, und von den übrigen Fürsten des Reichs aners kannt worden sind. Hierauf habe ich, im Namen Sr. Heiligkeit, den Untrag gemacht, daß man, gemäß der Gerechtigkeit und Weisheit der erlauchten Regenten, fols chem grossen Uebel abhelfen möge.“

Nåher noch entwickelt der Herr Cardinal, unmittelbar nachher, in derselben ProtestationsUrkunde, die Beschwerden des heiligen Stuhls. „Was die geistlichen Angelegenheiten betrifft,“ sagt er, „so laßt der öfters erklärte geneigte Wille der teuts fchen Fürsten hoffen, daß solche nächstens, nach Vorschrift der Kirchengeseke, werden beigelegt und geordnet werden können.“ – „Ein Sheil der Rechs te und Vorzüge der Kirchen Deutschlands,“ fügt der Cardinal in seiner Note vom

Note vom 14. Sun. 1815 noch hinzu, „gehört, nach seinem inneren Gehalt, zu der allgemeinen Verfassung der (römischkatholischen) Kirche: ein anderer Theil derselben, ist gegründet auf den rechtmårigen und canonischen Beribstand der teutschen Kirs

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феn.“

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„Unlangend hingegens heißt es weiter in der Protestations Urkunde, die weltlichen Besikuns gen der Kirchen Deutschlands, fo hat der Congreß Mehreres entweder festgelegt, oder beftehen lassen, welches das Gemüth Sr. Heiligkeit mit grossem Schmerz ergreifen wird. Denn 1) find die weltlichen Fürstenth û mer*), deren: man in Deutschland die Kirche beraubt hat, nicht wies der hergestellt worden, ja man hat solche fos gar weltlichen Fürsten, katholischen und nicht kas tholischen, zugetheilt. 2) Werben die Güter und Einkünfte der Geistlichkeit, sowohl der welts geistlichen als auch der regulären,

der regulären, beiderlei Ges schlechtes, welche Eigenthum der Kirche sind, theils ihren neuen Besigern, ohne irgend eine Bes willigung der

der rechtmåfigen Behörde, gelassen, theils wird gestattet, daß solche demjenigen Ges brauch, wozu sie verordnet waren, entzogen und entwendet bleiben. 3) Endlich ist auch das heilige römische Reich, welches für einen Mittelpunct der politischen Einheit mit Recht gehalten, und durch die Heiligkeit der Religion consecrirt ward, keineswegs wieder aufgerichtet worden.“ So lautet worts lich die dreifache Beschwerde des römischen Sofes, in Beziehung auf Teutschland.

Die legte Beschwerde wird, in der Note vom 14. Junius, noch mehr hervorgehoben, mit folgens den Worten: „Das heilige römische Reich, dieser Mittelpunct der politischen Einheit, dieses ehrwürdige Werk des Alterthums, confes crirt durch den erhabenen Character der Relis

*) 31 Teutschland gewöhnlich, obwohl nicht ganz schidlich

geistliche Fürstenthümer genannt, aud) geistliche Wahlstaaten.

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gion, und dessen Umsturz eine der beklagenswerthes sten Zerstörungen der Revolution war, ist aus seis nen Ruinen nicht wieder aufgerichtet worden.“ Was der påpftliche Hof unter dieser Şeiligkeit des römischen Reichs, und unter dem Mittelpunkt der politischen Einheit (aller christlichen Staaten) vers stehe, ist in des Herausgebers „Uebersicht der diplomatischen Verhandlungen des Wiener Congresses“ (Frankf. 1816, gr. 8, Abth. III, Num. X) erörtert worden.

In der Note vom 17. Nov. 1814, soll zugleich der CardinalLegat, nach Versicherung der „für die katholisde Kirche Deutschlands auf dem Congreß aufgetretenen Oratoren*), eine ihren Bemühungen bestimmende Aeusserung gethan haben.

Nicht bloß in der genannten Note, auch månd. lich empfahl und betrieb. der påpstliche Herr Bes voUmächtigte das Interesse feines Hofes, mit nie ers můdendem Eifer. „Ich habe," so drückt er sich hiers über in der ProtestationsUrkunde aus, „nicht aufs gehört, die Gesandten der teutschen Regenten zu beschwören, daß sie, bei der neuen Einrichtung der teuts fchen Staatsangelegenheiten, womit fie sich zu bes schäftigen hatten, auf die katholische Religion, das Heil der Seelen, und die Rechte der teutschen Kirchen und des apostolischen Stuhls vorzügliche Rúdsicht nehmen möchten."

Was hierauf, in dieser Beziehung, von den Herren Gesandten, in den Sißungen, welche im Mai und Juniuswegen Errichtung und Einrichtung des teutschen Bundes gehalten wurden, verhandelt und beschlossen worden, kommt zerstreut vor, in den

*) Dben, BD. II, S. 255.

über jene Sigungen gehaltenen Protocollen, und ist, im Zusammenhang, anderswo *) von dem Herausgeber bes richtet worden.

Die Wünsche des heiligen Vaters wurden nicht er: füllt, seine Forderungen nicht bewilliget, die eifrigen Bes mühungen seines Legaten blieben ohne Erfolg. Die teutsche Bundes Ucte, und eben so die Schlußucte des Congresses, übergeht diesen Gegenftand mit überlegtem Stilschweigen. Demnach trat der påpftliche Bevollmächtigte, auch in dieser Hinsicht, mit einer feierlichen Proteftation auf

In der Begleitung Note (vom 14. Juni 1815) beruft er sich deßhalb auf die Pflichten, welche mit der Eigenschaft eines sichtbaren Oberhauptes der Kirche verbunden seyen, und auf die feierlichen Eids schwüre welche der heilige Vater bei seiner Erhes bung zu dem souverainen Apostelamt gethan habe. Uuch habe der heilige Vater, fügt er hinzu, „vor Qugen, das Beispiel so vieler seiner erlauchten Vorfahren, welche, felbft in Fällen von mindes rer Wichtigkeit, die größte Sorgfalt angewandt håts ten, die Rechte der Religion und des heiligen Stuhls zu wahren. So habe, um nicht eine Reihe älterer Thatsachen anzuführen, Innocenz X. im Jahr 1649 nach dem weftphalifchen Congreß und Friedenss schluß, Clemens XI. im Jahr 1707 nach dem altranstådter Frieden, und im Jahr 1714 nach dem badener Frieden, und Benedict XIV. im Jahr 1744 **), so wie die Stellvertreter dieser Påp) In seiner Uebersicht der diplomatischen Verhandlungen

des Wiener Congresses, Abth. III. Num. VIII. **) Im Jahr 1742, unter dem 22. Jänner, protestirte zu

Frankfurt auf dem Wahl- und Krönungstage, der päpste liche Nuntius wider die faiserliche Wahlcapitulation.

fte auf den oben genannten Congressen, pro:eftirt, wider alle in diesen Tractaten enthaltenen Neuerungen, welche der Kirche und den Rechten des heiligen Stuhls nachtheilig" seyen.

In der offenen Protestationskunde, welche der Herr CardinalLegat, unter demselben Datum vom 14. Jun. 1815 einreichte, erklärt er Folgendes:

„Vermöge der dem heiligen Vater obliegenden Sorge für die eerde Gottes und alle Kirchen, und Rraft des bei seiner Erhebung zu der påpftlichen Würde geleisteten Eides, darf derselbe dergleichen, den weltlichen Verhältnissen der deutschen Kirchen zus gefügte Beschädigung, durch welche überdieß dem katholischen Wesen sowohl bedeutende Nachtheile zus gefügt, als auch viele und große Hülfquellen ents zogen werden, nicht nur nicht mit Stillschweigen úbergehen, damit es nicht das Unsehen gewinne, als billige er dieselben durch Nachsicht, sondern er ist auch verpflichtet, nach dem Beispiel seiner Vorfahren, welche gegen weit geringere Beeinträchtigungen der Kirche ihre' apoftolische Stimme zu erheben nicht unterlassen haben, das Interesse und die Rechte der Kirche, fo viel an ihm liegt, aufrecht und unbeschädigt zu erhalten.“

„Ich, dem die Vertretung des heiligen Vaters auf diesem

diesem Congreß übertragen ist, protestire Morer 8 teutsches Staatsrecht, Th. VIII, S. 405. Oben wird das Jahr 1744 als ein solches genannt, wo Papst Benedict XIV. selbst protestirt habe. Vermuthlich ist damit eine eigene Protestation6 Bulle gemeint, welche dieser Papst, wie sein Vorfahr Innocenz X, im 3. 1649, der Protestatiou seines Nuntiuß noch besonders

nachfolgen ließ. Ucten d. Congr. VI. Bd. 3. Heft

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