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Deftreich war, unter Einverständniß der üb. rigen verbundeten Mächte, mit Baiern am 11. April 1815 übereingekommen *), daß Baiern für die an Deftreich zu machenden Abtretungen (Theile von Salzburg und von dem Hausrudviertel, das Inns piertel und Umt Vils unter Anderem aud von Sessen Darmstadt verschiedene ehemalige hanauische Bes fißungen erhalten sollte. Es war ferner um dieselbe Beit von den verbündeten Mächten festgelegt worden, daß Sessen Darmstadt nicht nur an Preussen das Herzog: thum Westphalen, sondern auch an Kurhessen versdies dene Bezirke abtreten, und dagegen auf der linken Rhein: seite einen Landeßbezirt mit 325,982 Einwohner erhalten follte.

Diesem Plan widerfuhren wenig Tage nachher verschiedene erhebliche Abänderungen, bei Unterhands lung einer neuen Uebereinkunft zwischen Destreich und Baiern vom 23. April 1815 **). Man hatte festgeset, daß eisen Darmstadt abzutreten habe ***)

Unmittelb. Uns Mittelb. Uns Total. terth.

terh. 1) an Preufien das

Herzogthum Weft-
phalen(höher nicht bes
rechnet als)
131,000

131,000 an Baiern

64,669
60,626

125,295 an Kurbellen 54,655

54,655 verschiedene inedias tisirte Bezirke, um dainit die Territorials Ausgleichungen mit Kurheffen zu ers leichtern

47,012 47,012 Zusammen 250,324. 107,638. 357,962

) Vergl. des Herausgebers Uebersicht der diplomatischen

Verhandlungen des wiener Congr. S. 81 f. **) Ebendaf. S. 82. ) Die näheren Angaben findet man in der Beilage 1.

net zu

218 Entschädigung für diese Abtretungen, hatte man für Şeffen auf der linken Rheinseite einen Landesbezirk mit 319,436 Einwohnern bestimmt. Diese Einwohnerzahl ist um 38,526 geringer, als die Zahl der festgelegten hessischen Abtretungen. Der Grund dieser Minderung lag in der Bestimmung, die man bei den TerritorialUusgleichungen als Grunds fate anzunehmen beliebt hatte, daß die so genannten mediatifirten Unterthanen, das heißt die zu ftans debherrlichen Bezirken gehörenden Unterthanen, über welche von dem Souverain bloß Oberhoheitos rechte auszuüben sind, nur zur Hålfte (als so ges nannte halbe Seelen) in Anschlag zu bringen senen. Da nun Sessen Darmstadt 107,638 Unterthanen dies ser Art abtreten sollte, so wurden diese nur gerecha

53,819 dazu die übrigen

250,324 tamen also überhaupt in Rechnung

304,143 Bestimmt waren für Darmstadt

318,436 also mehr.

15,293 Diese Mehrzahl mochte betrachtet worden seyn, theils als Vergütung für den Mehrbetrag der Domainen in dem Herzogthum Westphalen, theils als Ausgleis chung der RechnungsDifferenz in der Einwohnerzaht

ar des Herzogthums Westphalen; die' man

nur zu 131,000 angenommen hatte, während Hessen solche auf mehr als 140,000 angab.

Diese Festsegungen wurden, kurz vor dem abs schluß des östreichisch · baierischen Bertrags. vom 23. April 1815 *), dem großherzoglich - herrir cher Herrn Bevollmächtigen mitgetheilt, der es an uns gesäumtem Widerspruch, an Einwendungen

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.) Man 1. die angef. Uebersicht 26. 6. 82.

und Erinnerungen gegen den numerischen, finans ziellen, statistischen und politischen Gehalt der fefts gesepten Abtretungen und Entschådigungen, und an einstweilen von ihm, noch ohne erhaltene 'Weisung, gemachten" Gegen Projecten und Anerbietungen *) nicht fehlen ließ. In der Einwohnerzahl, meinte er, könnte man wohl, bei dem åussern und innern Mißs verhältniß der Gegenstande, 3 für 2 fordern, aufs Wenigste aber, daß die standesherrlichen Untertha. nen nicht halb, sondern für vol angerechnet wür: den, da dieselben zu der Conscription und den Staatss abgaben eben sowohl als die übrigen beigezogen, und zu Darmstadt gewiß nicht übler als irgendwo anders behandelt werden würden, auch man sich in Ansehung ihrer, denselben Verpflichtungen unterwers fen werde, welche Baiern, Wirtemberg und Baden übernehmen würden.

Insbesondere wurden: Einwendungen hins zugefügt, gegen den Ansatz der Volksmenge in dem Herzogthum Westphalen, und gegen die an Kurs helfen, ausserden hanauischen demtern, zu mas chenden Abtretungen. Auch warb volle Entschådigung begehrt für die Abtretung an Herren Homburg, nach der großherzoglich - hessischen Angabe von 8,386 Einwohnern. Es warb wiederholt erinnert, daß eine Trennung der standes herrlichen Bezirke in der Wetterau von dem Großherzogthum Hessen, eine abermalige solirung verschiedener heltischen Besigungen zur Folge haben werde, welche geradezu in Widerspruch stehe mit dem Grundfat der Confos deration und der Handhabung der Starte und Unabs hängigkeit ihrer Mitglieder. Menn man auch zu Abtretung der Grafsschaft Erbach fich verstehen wols

*) Mau l. Beilage 2.

le, so müsse doch das Amt Schönberg davon ausges nommen seyn, das neben der Sommer Residenz Auerbach gelegen sen, und über welches Hessen feit undenklicher Zeit landeshoheitliche Rechte ausúbe, so wie über so abigo beim, das mitten in seinem Lande gelegen fer, und auf welches es ebenmásig Rechte habe, die durch die Zeit ges heiligt senen. Weniger nøch könne man sich entschliessen, zu Abtretung der von hessischem Gebiet umschlossenen ehemaligen reich sritterschaftlichen Beligungen (Frånkisch Grumbach, Birkenau und Albersbach) an Baiern.

Wenn man an Kurhessen Bezirke : von Obers beffen zu, überlassen sich entschliessen folle, so müsse man dabei zur Bedingung machen, daß 1) die großherzoglich - hessische Provinz Starkenburg unans getastet bleibe, statt daß man einen Bezirk mit 125,809 Einwohnern davon abreissen wolle ; nur einen zweifachen Tausch mit Baiern (der in der Beilage 1 unter lit. B. angegeben ist) könnne man fich gefallen lassen. Denn was die pfälzischen und mainzer Hemter betreffe, welche : Hessen durch den Reichsdeputations Hauptschluß von 1803, §. 7., gegen sehr reich ausgestattete Kemter, als FamilienEigenthum, die es an Baden und Nassau habe abe treten müssen, und deren Abtretung an Baiern, dies ses bis etliche Meilen der großherzoglichen Resideng nahe bringen würde, so werde man davon in teis nem Fall auch nur ein Dorf abtreten, so wie vor den Aemtern Babenhausen und Schafheim, den einzigen Resten von dem hanaulichtenbergischen Erbtheil. Gern wolle man Baiern" das ganze rechte Mainufer einräumen, aber es werde schwer fallen, ein Bedürfniß einer militärischen Rinie in bem Mittelpunct der 'Conföderation zu beweisen.' 2) Nåchittem müfle Hellen eine Communication,

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zwischen seinen zwei Provinzen, verschafft werden. Sie ser wesentlich nothwendig, und man lege dazu einen Plan vor (Lit. C. in der Beilage 3).

Unterdessen fand der großherzoglich - herfische Hof sich bewogen, durch eine Note vom 6. Mai 1815, den Herren Bevollmächtigten von Deftreich, Rußland und Preussen, amtlich erklären zu lassen: ,, daß bei den groffen Anstrengungen und Aufopfes rungen, welche er auch jeßt wieder für die gemeins schaftliche Sache , in Stellung seines TruppenCorps und dessen Unterhaltung mache, Er unabweidilich auf dem Status quo des Besiges seiner fåmmtlichen Lande bis zu dem Frieden bestehen müsse, und da das mitgetheilte Projet d'arrangement eine ganze Zerstúdelung“ feiner beiden alten Provinzen Hefsen und Startenburg nach sich ziehen würde, so fónne er, auf keinen Fall, je und niemals in dasselbe eins wiligen. Se. "Königliche Hoheit seven dieses Sich felbst, - Ihrer Familie, Ihrer Nachkommenschaft und Shten Unterthanen schuldig, von denen Sie immer so grosse Beweise von Anhänglichkeit und Treue ers halten hätten. Um jedoch Shre Bereitwilligkeit zu jedem gerechten, billigen und nur thunlichen Wors fchlag ju' beweisen, so wollten Höchstdieselben, nach zugestandenem und feierlich ausgesprochenem Status quo, einem weniger zerstúdelnden Project mit Vers gnügen und aller möglichen Berücksichtigung entgegen sehen.“

21$ man unmittelbar hierauf, für das Serzoge thum M eft p halen, bloß den Bezirk von Mainz und einen andern der vier Bezirke des Departements Donnersberg geboten hatte, wurden von berlis scher Seite, unter dem 10. Mai, dazu noch, nebst der Stadt, um den Salinen von Kreuzna da, die

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