Page images
PDF
EPUB

Cantone Prebersheim und Worms verlangt, um so mehr, da Seffen, durch den Reichsdeputations . Hauptschluß von 1803 die Reste des Bisthums Worms auf der rechten Rheinseite als Entschädigung erhalten, und seitdem die Lasten des Bisthums zu tragen habe. Auch war man von heffischer Seite gesonnen, die wirts liche Abtretung des Herzogthums Westphalen erst nachy geendigtem Feldzug zu bewilligen.

Uuf dem Empfang der Stadt Kreuznach, und der dazu gehörigen und einen Theil der Commune ausmachenden Dörfchen Mú nster und Rüdes. beim, nebst den beiden Salinen, glaubte man von heffischer Seite, nach drei mit dem königlichs preussischen Herrn geheimen Staatsrath Hofmann ges Habten Conferenzen des Herrn Bevollmachtigten, auch noch am 30. Mai fest bestehen zn müssen. Die preussische Forderung, daß dagegen 'auf Bingen kein Anspruch gemacht werde, und eben so wenig auf Wells Tar, ward abgelehnt; jenes gehöre unstreitig zu dem Departement Donnersberg und dessen Bezirk Mainz, und die Bewilligung wegen Weßlar, hänge von Defts reich ab.

Auch die Abtretung der Oberhoheit über die ges fürstete Grafschaft Wittgenstein, hatte Preuss sen von Hessen verlangt; anfangs gegen Abtretung etlicher Bezirke auf der linken Rheinseite aus dem neuen preussischen Großherzogthum Niederrhein. Zus gleich trug Preussen darauf an, daß bei dieser Ges legenheit auch Rurheffen, in Ansehung der has nauischen Aemter, durch eine Uebereinkunft befriedigt werde, dessen Entschädigung es übernehmen werde, wenn man ihm etwas Annehmliches dafür anbieten werde.

Von beffischer Seite ward die Abtretung des wittgensteinischen Landes nicht abgelehnt, wenn, nach Maasgabe der geheimen Artifet des Accessions Iracs tats vom 23. Nov. 1813, dafür angemessene Ents schädigung gegeben werde, die in dem Theil des Fürstens thums Isenburg auf der linken Mainseite bestehen könne, welcher den wittgenfteinischen Befißungen an Volks.nenge gleich komme.

418 Preussen hierauf erwiederte, daß blosse SouverainetåtsLande, worin dem Souverain keine Domainen zustünden, für die hanauischen Aemter dem Kurfürften von effen zum Tausch nicht konnten angeboten werden, ward dagegen von her sischer Seite bemerklich gemacht, daß zwar in dem Umfang, jener Aemter die schöne Saline Nauheim fich befånde, dagegen aber Frankreich im I. 1810 alle übrigen Domainen sich vorbehalten, und größtentheils veräussert habe ; weßhalb unabsehbare Schwierigkeiten bei der Liquidation entstehen würs den, die den Werth dieser Domainen fast auf Nichts rebuciren konnten. Die wittgensteinischen Bes figungen, Tenen nicht nur im I. 1810 der großhers zoglich - hessischen Landeshoheit unterworfen worden, fondern auch schon seit 1493 heffiches Mannleben, und von Kaiser und Reich in dieser Eigenschaft ans erkannt.“ Es mußten also hier Lehnrecht und möglis cher Heimfal, die dem Hause Hessen Darmstadt seit 1648 privativ gehörten, mit in Betrachtung und Berechnung aufgenommen werden; ein Umstand, der oberwähnten Vortheil wohl compenfiren werde. Für Kurhessen sowohl, als für Preussen, leven dies selben sehr gelegen. Gegenstånde zu verhältnißmås figer Schadloshaltung, die sich Sessen in dem Access fionsractat vom 23. Nov 1813 ausdrücklich bes dungen habe, segen bei dem Abschluß des Friedens

[ocr errors][merged small]

weit mehr, als man zur Zeit jenes Tractats habe hoffen können, disponibel gewesen; um so 'mehr muss se und könne diese Stipulation erfüllt werden. Die isenburgischen Lande auf der linken Rheinseite welche dem Oberhoheitsherrn auch keine Domainen darboten, habe man dazu für am besten gelegen ers achtet.

Im äussersten Fall, glaubte der großherzoglichs heffische Herr Bevollmächtigte, wenn man die isens burgischen Lande für Hessen nicht bestimmen, und von der Forderung einer Abtretung der wittgensteinis fchen Lande abstehen würde, seinem Hofe den Vors fchlag machen zu dürfen, daß derselbe für die has nauischen Aemter, Kurhessen überlassen möge, theils die vereinigten Hemter 21sfeld und Grabenau an der Grenze von Niederhessen, mit einer Bevölkerung von ungefähr 8,800 Einwohnern, theils das Amt Itter zwischen Walbeck und Niederhessen, mit uns gefähr 5000 Einwohnern und schönen Kupferberge werken.

Dagegen aber müsse an Hessen der anfangs für das Herzogthum Westphalen mit verlangte, aber bis jekt verweigerte, Landesbezirk auf der linken Rheins seite bis an den Canal von Frankenthal, mit Einschluß dieser Stadt, das heißt, die beiden Cantone Frankens thal und Grunstadt von dem speyerischen Bezirt überlassen werden, welches Preussen mit Destreich zu unterhandeln habe.

Auf diese Erklärungen des großherzoglich - hellischen Herrn Bevollmächtigten, glaubte man von preussischer Seite, die Unterhandlungen mit demselben sofort abbrechen zu müssen. Es ward dies les in einer Note vom 1. Jun. 1835, von Seite Sr. Durchlaucht des Fürsten Staatskanzlers von

Acten d. Congr. VI. Bd. 4. Seft 37

Hardenberg erklärt, mit dem Anhang, daß man fich genothigt sehe, den Mächten des Congresses, besonders aber dem k. k. óstreichischen Hofe, zu überlassen, wie sie Preussen zu dem Besit des demselben tractatensmå rig zugesicherten Herzogthums Westphalen verhelfen wollten, nachdem dasselbe von seiner Seite alle Verbinds lichkeiten erfüllt habe *).

Da durch diese Eröffnung die Sache hauptsáchlich bei Destreich zur Sprache kommen mußte, so trug der großherzoglich - heffische Herr Bevollmächs tigte nunmehr diesem Hofe seine Bemerkungen vor, in einer Note vom 2. und in Erläuterungen vom 6. Sun. 1815. Darin áusserte er: von der Hauptfrage, der Entschådigung für das Herzogthum Westphalen, lasse sich die damit vermengte Neben: frage, wegen Wittgenstein und

und der hanauis fchen Aemter, leicht trennen und ad separatum verweisen. Wegen Kreuznach, scheine man ftils schweigend einverstanden zu seyn, und sey fich schlechts hin auf den amtlich angegebenen Bevölkerungs3ustand zu beziehen, der einen Ueberschuß von 9000 Einwohnern auf preussischer Seite ausweise, wofür Kreuznach, nebst den Dörfchen Münster und Rüdesheim und den beiden Salinen, als conditio sine qua non begehrt, und dagegen auf die Succession in die beiden Lausigen und in Querfurt ver: zichtet werde; an eine Abtretung von Bingen sey nicht zu denken.

Wenn von preusischer Seite die Forderung einer stårkeren Bevölkerung für Westphalen, für überspannt erklärt werden wollte, so sen dages gen zu bemerken: 1) daß Westphalen über 70 DM. enthalte, vielleicht mehr als das Dreifache des von heffischer Seite dafür begehrten Flächeninhaltes, und daß solches einer aljáhrlichen beträchtlichen Erhos hung, so wohl an Bevölkerung als an Einkünften, fånig rey; 2) daß dermal schon über eine Million Gulden Staatseinkünfte hingegeben werde, daß die Steuern, ohne die ausserordentlichen der legten Kriegsjahre, auf 600,000 Gulden sich beliefen, und der Capitalwerth der Domainen, worunter 30,000 Morgen Waldungen, auf fünf Millionen Gulden geschäßt sey, nnd daß mehrere Rubriken der Regalien, nach den preussischen Geseßen und Verwale tungsNormen, das Sechsfache und noch mehr ertragen würden, besonders Consumtions Steuer, Salzregal, Stempelpapier, Postregal 26., lauter Gegenstände, die man auf der linken Rheinseite, ungeachtet des bessern Himmelsstrichs, nicht wieder finde, und die, abgerechnet den Sausch bewährter treuer Unterthanen gegen solche die französische Gewohnheiten angenommen hatten, doch in aller Hinsicht eine Ungleichheit in der verlangten Eins wohnerzahl rechtfertigen mußten, bei einem Dausch, der nicht durch Eroberungsrecht erzwungen worden sey.

*) Beilage 3.

Destreich 8 Convenienz könne man sich als Basis der Uebereinkunft in so fern gefallen lassen, daß Mainz in desselben Civil Besik bis nach dem Fries den bleibe, und dafür einstweilen ein anderes Surs rogat von dem Bezirk Speyer oder Kaiserslautern an Hessen überwiesen werde.

Der Punct wegen Sefren Homburg, kónne zu Wien und in diesem Augenblic nicht abgemacht werden. Er, der Herr Bevollmächtigte, befinde sich deßhalb ohne Instruction, und habe auch seine darauf sich beziehenden Papiere schon nach Hause gesendet. Im übrigen ser in dem geheimen Artikel des Tractats vom 23. Nov. 1813,

« PreviousContinue »