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XLIV. Adresse an die allerhöchsten, auf dem Congreß versammelten Monarchen, im Namen der teutschen Nation, betreffend ihre Bitten

und Wünsche.

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Allerdurchlauchtigste,
Großmå chtigste Kaiser und Könige!

Deutsche Månner, von der Fúgung des Ewigen durchdrungen, durch das gemeinschaftliche Band der innigsten Dankbarkeit, Ehrfurcht und Vaterlandsliebe vers eint, wagen es, den erhabensten Häuptern, durch welche die Vorsicht die Majestät ihres Willens kund gethan hat, jene Huldigungen, Segnungen und Wünsche auszudrůden, von welchen alle Herzen der Nation, welcher fie angehdten, erfüllt sind.

So lange ein ganzer Welttheil der Entscheidung harrte, ob es noch Recht und Freiheit und Glaus ben geben sollte unter seinen Völkern, und ob teutsche Kraft und Treue, seit einem Jahrtausende sein Ruhepunct und die Siegelbewahrerin

die Siegelbewahrerin jener Seiligthümer, auch in dem geweihten Kampfe der Entscheis dung fich bewahren würde: so war es dem Berufe und Geiste des Deutschen geziemnend, sich keine andes re Sprache zu erlauben, als die des Schwertes, keiner besonderen Angelegenheit zu gedenken', bis die allgemeine gerettet seyn würde, und durch freudige Hingebung von Gut und Blut zu beweisen, daß Teutschs land des Rufes und Vertrauens der Führer Europa's würdig sey.

Das Werk des Krieges ist vollbracht. Der Bau des Unrechts und Truges liegt in Trümmern, seine Werkzeuge find verschwunden, und nun, da wür

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hielt,

big das Wort den bewährten Thaten folgen kann, ist es erlaubt, die Stimme teutscher Herzen, welche der Ernst des Kampfes und der Prüfung derschlossen

den Befreiern Europa's und Teutschlands zu öffnen.

Das Werk des Friedens beginnt. Ein neuer Bau erhebt sich, das Recht ist seine Grundfeste, die Freiheit wird von seinen Zinnen wehen, Ireue und Glaus ben sollen ihn bewohnen; mit diesem Werke werden sich die großen Verhältnisse Deutschlands bestimmen. Da wird es Pflicht des teutschen Volkes, daß das Schweigen der Ehrfurcht den Ergießungen des Vertrauens gegen die Friedensstifter Plaß mache.

Mit gerechtem Stolze freut sich die Nation der Deutschen, daß die Retter und Wiederbegründer des europäischen Staatenvereins aus den erlauch: testen und ältesten teutschen Geschlechtern entsprossen sind. Es ist ein Zeichen und Unterpfand, welches ihr der Himmel gegeben hat, daß sein våterliches . Auge noch auf dem teutschen Stamme weile, und daß die erhabenen Organe, welche er zu seinem Werke erkohs ren hat, in unserm Vaterlande das Land Ihrer Båter lieben werden.

Que Volker freuen fich schon des neuen Tages; Defterreich, Rußland, Preussen, England, feiern die Triumphe ihrer Fürsten, Italien sieht der Wiederherstellung seiner alten glücklichen Berhåltnisse durch sie entgegen, Spanien sieht sein angeerbtes Gebiet von den Fremdlingen gereinigt und bereitet fich, in einer kräftigen Verfassung erstehend, zu dem Empfange seines rechtmåsigen Königes vor, und selbft jene Nation, die überwundene, von wels cher seit Jahrhunderten die geheime Auflösung und seit zwanzig Jahren die gewaltsame Zertretung aller

rechtlichen Berhåltnisse ausgegangen ist, dankt es der Großmuth der Ueberwinder, daß fie durch freiwillige Huldigung für ihr angestammtes Königshaus ihr Schicks sal versöhnen, durch eine selbstgewählte Verfassung ihre Wohlfahrt, ihre Kraft und Unabhängigkeit von Neuem begründen, und, nachdem sie das Erbtheil aller andern Nationen verlegen wollte, sich der Vollständigkeit ihres -eigenen erfreuen kann.'

Sollte der helle Tag, welcher allen andern Nas tionen in freudiger Hoffnung strahlt, für die teuts fche noch in zweifelhafter Dámmerung liegen? Sollte, da große teutsche Brüdervólker mit neuem Glanze sich erheben, unfer gemeinsames Vaterland, welches in den zwanzig Kriegsjahren am meisten geblutet, welches in dem Kampfe der Entscheidung die Treue und den Geist der Våter bewährt hat, noch ungewiß seiner Vereinigung, seiner unverlegten Wiederherstellung entgegen harren?

Nein, wie auch die Zukunft fich noch verhüllen mag, des Deutschen Bauen und Irauen auf seine großen Führer kann nicht wanken, und ehrfurchtsvou überlaßt er sich der festen Zuversicht, daß Sie, die Gerechten, die Deutschgebohrnen , des Landes ihrer Våter mit großherziger Liebe gedenken, daß Sie sein theures Vaterland, in der unverlegten Vollståndigkeit seines Umfanges, zu einem neuen, kraft: vollen und würdigen Dareyn vereinigen werden.

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Die teutsche Nation fieht die Fessel zers brochen von den Völkern ihres Stammes über dem Rhein, welche die Gewaltthat der lekten Zeiten unter fremde Herrschaft gebeugt hat, von Völkern ihres Stammes, welche die fremde Serrschsucht seit einem Jahrhunderte dem mütterlichen Lande entrissen

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hat. Sie hört die Geschichte von zwei Jahrtausens den, und erkennt jene Lånder für ihr Erbtheil; fie hört den Sprachlaut jener Volker von dem Ausfluss se der Schelde bis zum Eingange der Alpen, und erkennt sie für ihre Brüder; sie hört in dem Jubel der Befreiten und in den Segnungen, welche fie den Håuptern Europa's bringen, daß es ihre ichs ten Brüder sind, und sen es, daß die Hårte oder die Dauer des fremden Soches einige Verführs te der Sinnesart ihres Stammes entäussert hat, fie erkennt sie für verirrte Brüder, deren Söhne und Enkel in dem mütterlichen Schooße ihres Bols kes, unter dem väterlichen Schube ihrer Fürsten fich von dem aufgedrungenen Gepräge. Des Fremden reis nigen werden.

Die teutsche Nation erinnert sich, daß die frühere Losreissung von Elsaß und Lothrins gen die Gewaltthaten der legten Zeiten, die innere Zerrüttung und die áuffere Erschütterung ihres Reis dhes vorbereitet habe ; fie sieht in den Ländern des Rheinstromes die Vormauer und Grundfeste ihres Waterlandes, die Wurzel ihres Reiches. Die teuts sche Nation endlich hat in dem Entscheidungskriege für diesen Welttheil, den Beruf und das Hochges fühl ihrer Ahnen bewährt; aber in dem Ringen des Rampfes hörte sie das Rufen ihres Schußgeistes, daß mit der Rettung Europa's auch die Freiheit ihrer Söhne und Brüder gerettet würde.

Darum bittet das Volt der Deutschen die Führer der gerechten Sache, daß, was im Dunkel des Kampfes verheißend ihm vorgeschwebt, an der Sonne des Friedens zur Reife gedeihe ; es bittet Sie, daß das teutsche land seine Grundfeste, der teutsche Bund sein angestammtes Erbtheit und die Gesammtheit seiner Brüder wieder erhalte. ES

bittet Sie bei dem Uncenken Ihrer und unsrer Urs våter, deren Thaten jene Länder von Römern und Rómlingen befreit, haben, es bittet Sie bei dem Blute seiner Söhne, welches für die Rettung Eu. ropa's, für Recht und Freiheit aller Bölfer geflosfen ist; es bittet Sie bei der Selbstständigkeit des teuts schen Landes, in welches Europa den Ruhepunkt seis nes Gleichgewichtes gelegt hat; endlich bittet es Sie bei der Ehré des großen Urvolkes, aus welchem auch Ihre erhabenen Geschlechter entsprossen find, damit dem Siege teutschen Heldengeistes nicht sein Kampfs preis entwendet werde, und unsre Brüder, noch wund 'von alten Fesseln , deren Trümmer an den Ruhm uns serer Thaten erinnern sollen, nicht, an neuen Ketten dem Franzosen fröhnend, den Namen unseres Stammes des müthigen.

Die teutsche Nation fieht sich in viele lands schaften und Regierungen getheilt. Mit Freus de gewahrt sie, wie reich und eigenthümlich sich die Quelle ihres Geistes in die Verschiedenartigkeit ihs rer Glieder ergießt, und mit stolzer Selbsterkennung empfindet sie, wie vielfach sich die teutsche Treue der mannigfaltigen Lånder gegen ihre Fürsten, und der teutsche Fürstensinn in jenen Ländern spiegelt. Aber sie fühlt sich vereinigt in allen diesen Gliedern zu · Einem Körper, durch den rein erhaltenen Adel ihrer Abstammung, durch die Gemeinschaft ihrer Spras che und Sinnesart, durch die grauen und ruhmvols len Denkmåler ihrer Geschichte, durch die Bande ih rer erlauchten Fürsten, und die Bewohner der ents ferntesten ihrer Staaten erkennen sich als Brüder. Sie fühlt die Nothwendigkeit eines innigen Vereines aller ihrer Staatenglieder, damit durch ihn auch die Freiheit und Würde der einzelnen gesichert fer.

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