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Staaten, verschiedene Noten, besonders von Seite der , jenen Staaten durch den Rheinbund untermors fenen ehemaligen reich Sunmittelbaren Für: ften, Grafen und Ritter eingereicht worden, deren Gesuch hauptsächlich dahin zielt, durch den Congreß zu verlangen, daß die Einführung eis ner

definitiven Verfassung verschoben werben máge, bis der Congreß über die in Deutschland alla gemein anzunehmenden Grundsätze ståndischer Vers fassungen, und über das Schicksal der erwähnten Classe des Reichsadels besonders, entschieden haben möchte.

Die unterzeichnete CongreßGesandschaft hat nes ben dem allgemeinen Interesse aller

aller teutschen Hófe, daß durch Erfüllung der billigen, auf auss drückliche Zusagen der im legten Krieg alürten Mächte gegründeten Hoffnungen der teutschen Nation Bufriedenheit und Ruhe erhalten werden möge, noch ein specielles Interesse bei obiger Frage, weil bekanntlich Hannover mit Preussen und Dánes mark die alte würtembergische Verfassung garantirt hatte *).

Unterzeichnete wollen indessen vor der Hand die Frage nicht berühren, in wie fern diese Verfassung der altwürtembergischen Staaten durch spåtere Bes

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*) Die Urkunden, welche die preussische, haunöveri

sche und dänische Garantie der wirtembergis schen Staatsverfassung betreffen, von 1764 – 1771, findet man, nebst Hru. Klüpfels „Historisch - rechtlicher Entwicklung der, der wirtembergischen Verfassung zur Seite stehenden Garantie der drei hohen Mächte“, in den Verhandlungen in der Versammlung deb Königreiche Wirtemberg im 3. 1815, Abth. IX. S. 161 – 200.

gebenheiten als aufgehoben angesehen werden könne, und enthalten sich ebenmásig jeder Untersuchung darüber, ob die gegen die neue beabsichtigte würtembergische Vers fassung angebrachten dringenden Beschwerden gegründet feyen, oder nicht.

Nur glauben sie über die gestern, von Seite der ehemals unmittelbaren Fürsten und Grafen im Würtembergischen, den Mitgliedern des teutschen Comis tés, bei dem Congreß eingereichte Note unverzüglich ihre Gefühle ausdrücken zu müssen.

Es find jener Note zwei Schreiben des königlich : würtembergischen Ministeriums des Innern, an Ihro Durchlauchten, die Herren Fürsten von Hohenlohe - Jagstberg uno Hohenlohes Langenburg beigelegt, deren Inhalt, sobald ihre Hechtheit ausser Zweifel gestellt wird, von der Art ist, daß die teutschen CongreßGesandschaften solche öffentlich bekannt werdende deusserungen wohl schwers lich mit Stillschweigen werden übergehen dürfen, ohne die Grundfåge aufzugeben, welche die teuts sche Nation zum rühmlichen und glücklichen Kampfe, für eine vernünftige und verfassungsmåfige Freiheit, ans gefeuert haben.

Es heißt in jenem Schreiben unter andern:
„Es liegt ein grosser Irrthum vor, wenn der
„Fürst von Hohenlohe glaube, daß die wiener
„Verhandlungen den mindesten Einfluß
„auf die Bestimmung der Verfassung
„im Innern u. 1. w. haben werden; alle dar-
„auf zielenden Schritte seven , als dem Zwed
„und dem Gegenstand der Geschäfte des Eus
„mité's entgegen, der Hand gewiesen
„worden. Der pariser Tractat rey die einzige
„Richtschnur für das Comité.' Zudem würden

von

gauch Se. Majeståt eine solche unbefugte Eins „mischung in keinem Falle dulden u. s. w.s

Nichts kann für den Congreß, und namentlich für das zur Bearbeitung einer teutschen BundesActe bestellte Comité desselben, das sich Monate lang mit Fragen beschäftigt hat, die durch jene Zeusserungen ihrer Competenz gånzlich entzogen werden sollen, auffallens der seyn, als die Aufstellung obiger Såpe, und nichts würde den Unterzeichneten erwünschter feyn, als wenn dieselbigen königlich - würtembergischer Seits für unácht erklärt werden sollten. Das Recht des Cons greffes, fich, bis zu einem gewissen, der Souverainetåt der teutschen Staaten unnachtheiligen Punct, in die innere Verfassung derselben zu mischen, beruht

1) auf allgemeinen Grundfågen, indem jeder Macht daran liegt, daß die Rechte der Unters thanen geschúgt, und Ruhe, die dauernd nur durch ihre Zufriedenheit erreichbar ist, erhals ten werde. Auf diesen allgemeinen Grundsat gestugt, haben bei dem gegenwärtigen Congreß die größten Macha te Europens die innere Verfassung Polens zum Ges genstand ihrer gemeinschaftlichen Sorgen gemacht, und ist von den Mächten, welche Provinzen Polens beherrs schen, niemals behauptet worden, daß dadurch ihrer Souverainetåt Eintrag geschehe.

2) Beruht das Recht des Congresses, in Bezies hung auf Deutschland, . aber namentlich auf den bei Schliessung der Quianz von 1813 öffentlich proclamirten Grundfågen, welche alle derselben beitres tenden Staaten, also auch Würtemberg durch ihren Beitritt angenommen haben *).

*) Man vergl. den geheimen Artikel des mit Würtemberg

zu Fulda am 2. Nov. 1815 geschlossenen Bertrags, in

Deftreich, Rußland und Preuffen has ben, in ihren frühesten Proclamationen, die Aufhes bung des Rheinbundes , und die Wiederherstels Iung teutscher Freiheit als Zwedł des Kriegs ans gekündigt. Würtemberg hat durch seinen Beitritt zur Allianz, die Garantie seiner Lånder erlangt, deren Besitz vorhin auf Vertragen beruhte, die der Krieg vers nichtet hatte.

Neben dem Vortheil, welchen die Wianz gesichert hat, muß Würtemberg also auch die Verbindlichkeit als geltend anerkennen, die in Beziehung auf die W i es derherstellung ft åndischer Verfassung aus ders selben fließt.

Diese Grundfäße sind in einer früherhin eingereiche ten Note der Unterzeichneten, dem teutschen Comité vors gelegt worden, und die größten Höfe find denselben ausdrücklich beigetreten, so wie auch namentlich Se. Majestát der Saiser von Rußland, in einer den kaiserlich - Östreichischen und königlich - preussischen Höfen übergebenen Note, Ihren Beifall über diese Grundsåße bezeugt haben.

Se großbritannisch - hann dverifche Majestát baben auch bei der ersten allgemeinen Versammlung ihrer teutschen Stånde fich ausdrücklich vorbehalten, die Befchlüsse des Congresses vor Bestims mung einer definitiven Verfassung abwarten zu wollen. Unter solchen Umständen, halten sich Unters zeichnete verpflichtet, auf eine Zusammenkunft der teutschen Stande gehorsamst anzutragen, um in Hinsicht der ebenerwähnten Heusserungen des königlich würtembergischen Sofs einen Schluß zu fassen. Wien den 7. März 1815. Unterzeichnet: Graf von Münster.

des. Herausgebers Staatsarchiv des teutschen Buns des, Heft 2. (Erl. 1816. 8.), S. 303. A um. d. H.

Graf von Hardenberg.

XLVII.

Note der königlich - großbritannisch - hannoverischen Congreßs Gesandschaft, wodurch vorstehende Note den Bevollmach: tigten verschiedener vormaliger, nun untergeordneter reichs ståndischer Fürsten und Grafen, auch reichsunmittelbarer

Edelleute, und Andern mitgetheilt wird;

datirt Wien den 8. März 1815. Unterzeichneter giebt sich die Ehre, auf eine am 5. dieses ihm zugestellte Note, die Anlage mitzutheilen, welche von Seite der königlich großbritannisch - hanoveris fchen CongreßGesandschaft an den kaiserlich - streichis fchen, königlich - Preussischen und königlich - baieris rohen Sof, in Beziehung auf jene Note, erlassen wor: den ist. Er freut sich durch ein gleichzeitig, von Seite des königlich - preussischen Hofes erlassenenes Schreis ben, die völlige Uebereinstimmung mit den Grundfågen abermal zu bemerken, die sein allerhöchster Sof, in Rúksicht auf die teutschen Angelegenheiten, stets bes wahrt hat.

Unterzeichneter ergreift diese Gelegenheit, feine Hochachtung zu bezeugen 2c. Wien, den 8. März 1815.

E. Graf Münster.

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