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Fürsten begründet, daß die Rechte derselben gemißbraucht werben tönnen, daß dadurch ein Zerfallen Teutschlands in wenige grofle Theile vorbereitet wird, daß die Kreis. Eintheilung bei den Kreisbirectoren selbst grosse Schwie. rigkeit finden wird, und daß sie aus allen diesen Gründen diejenigen Fürsten, welche nur beigeordnete Kreisstande, nicht selbft Vorsieher seyn tounen, von der ganzen vorges schlagenen Verfassung abwendig macht.

Diese Gründe haben unlåugbar ein grosses Gewicht.

Niemand kann fo fehr gegen eine Theiluog Teutsch lands in ro oder so viele Theile seyn, als die Unterzeich. neten; Niemand fühlt so sehr, daß gerade die Vorzüge, welche die Deutschen auszeichnen, in der Vielfachheit; der Regierungen und der Verschiedenheit der Verfassungen ihren Grund haben, wenn auch Seutschland manchmal sehr schwer dafür durch die Bedrohung und den Verlust seiner unabhängigkeit büffen mußte. Niemand ist daher so rebr jeder Idee entgegen, die auf Beherrschung, un, terdrückung, oder Verschlingung des kleineren Staats durch den Mächtigeren geht.

Eben so ist Gleichheit der Fürsten jedem wahren Teutschen theuer und heilig; er wil die Rechte der Na. tion vorzüglich in den Rechten ihrer Fürsten ehren. Nur möchte man freilich gern unter den Fürsten alle ehemali. gen Reichsstånde, auch diejenigen, welche nicht durch teutsche Ucht, nicht weil sie dem Vaterlande in seiner Noth nicht beigesprungen waren, sondern durch fremde Gewalt aus ihrem Kreise gestossen waren, darunter mit. begriffen wissen. Allein

1) die Gleichheit der teutschen Fürften leidet nicht dadurch, daß es Streise giebt, und daß einige von ihnen ausschließlich Vorsteher derselben find. Dieses Gefühl war in der ehemaligen teutschen Verfassung gar nicht so bei den Fürsten, und die Gleichheit in einer Bundesver. fassung wird dadurch nicht aufgehoben, daß die Ausübung

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einzelner Rechte auch ausschließlich gewissen Mitgliedern als ein Umt übertragen wird. Es muß dieß nothwendig bei allen Gegenständen der Fall reyn, die ihrer Natur nach nur Wenigen angehören können, und es wird un. moglich werden, darum auf alle solche Einrichtungen Ver. sicht zu leisten.

2) Die Gefahr, daß Deutschland in einige grosse Theile zerfalle, rúlyrt nicht von der Eintheilung in Kreise her, und dieß ist ein so überaus wichtiger Punkt, daß er, wie auch die Angelegenheit der Kreise entschieden werden mag, immer eine eigene Beleuchtung verdient. Diese Gefahr entsteht aus der überwiegenden Macht ei. niger Staaten, der grossen durch die Sccularisationen und Mediatisationen entstandenen Verringerung der Zahl der übrigen, und der natürlich durch die Zers störung des teutschen Reichs herbeigeführten Entwd ho nung von aller, auch noch ro billigen gemeinschaft liden Verfassung. Gegen alle diese Ursachen, und mit hin auch gegen ihr Resultat, ist aber das fråftigste und ficherste Gegenmittel gerade die Wiederherstellung einer Berfassung, und die KreisEintheilung vermehrt so wenig bie oben erwähnte Gefahr, daß man vielmehr zweifelhaft bleiben fann, ob sie dieselbe nicht gerade im Gegentheile vermindert.

Da einmal mehr oder minder mächtige Staaten in Deutschland neben einander vorhanden sind, so kann es nicht fehlen, wenn es feine Kreisverbindung giebt, daß dieselben nicht auf dem Wege diplomatischer Verhandlun. gen übereinkommend mit einander über Gegenstånde gegen feitiger Convenienz Verträge schliessen fouten.

Nun frage man fich, ob, wenn man bei den greffe. ren Staaten die Absicht vorausseßt, die kleineren in Nachtheil zu bringen, ein Abgeordneter eines kleinen Fürsten mit einem måchtigeren Hofe unter dem Geheimniß eines Cabinets vortheilhafter unterhandeln wird, als in

einer offenen Kreisversammlung, wo der mächtigere fein Begehren vor allen Kreisstånden rechtfertigen muß, und diese den Schwächeren von selbst unterstüßen. Man frage fich weiter, ob, da es viele Arten einen Nachbar zu belästigen giebt, die nicht leicht eine Erfolg verspre. chende Beschwerde erlauben, ein Mindermächtiger fich ei, nes Unrechts, das ein grofferer Staat einem kleinen zu. fügt, eben ro annehmen wird, wenn er nicht in diesena Unrecht eine Wilführ eines Kreisdirectors findet, die schon an sich rein eigenes Verhältniß beleidigt?

Man frage ich endlich, ob, wenn ein grofferer Staat wirklich einen fleineren beeinträchtigt, der noch grossere dieren eben ro bereitwillig schůzen würde, wenn er nicht eine Verbindlichkeit baju in seiner Eigenschaft als Kreisdirector fånde?

man sagte wohl, daß man der schon beträchtlichen phyfirchen Macht noch durch die Verfassung ein Gewicht zulegen muß, allein dieß ist aufs Mindese unrichtig aus. gedrückt. Gerade dadurch, daß man bei Staaten, deren physische Macht richtig geleitet, eine Wohlthat für den Schmacheren wird, derselben auch ihren Plaß in der Verfassung einräumt, und sie zu einer verfassungsmåfi. gen macht, verwandelt man sie in eine moralische, bildet Gefeßmåfigkeit und Verantwortlichkeit, und mindert auf diese Weise den Nachtheil des bloß pbyfilmen Uebergewichts.

3) Dem immer möglichen Mißbrauche muß aller, dings vorgebeugt werden. Allein die Unterzeichneten glauben, daß dieß in dem anliegenden Entwurfe mit grosser Sorgfalt geschehen ist, und ware in dieser Alte noch etwas versäumt, so würde es feinen Anstand finden es nachzuholen.

Endlich darf man einer Gesichtspunkt nicht vergeso fent. Militår Bezirte, und Oberbå upter dersel. ben, werden fortdauernd fenn müssen, wenn nicht der

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erste Zweck des Bundes verloren gehen rol. Es wird dem teutschen Kriegswesen immer an Straft gebrecen, wenn es unmittelbar, und nicht mittelbar durch diejenigen Fürsten, welche selbst geübte Heere besigen, unter dem Bunde stehen fol.

Giebt es aber einmal Militår Bezirke, so wird die Gefahr des Mißbrauchs gerade durch die Eigenthümlich. feit der Kreisverfassung vermindert, wenigstens gewiß nicht vermehrt.

Die gemeinschaftliche Sorge für andere, und feinba liche Gegenstante, ténnte vielmehr sogar den leicht eins feitig werdenden, bloß militårischen Gesichtspunft fanfter und milder machen.

Nach Erwägung dieser Gründe und Gegengründe, find die Unterzeichneten der Meinung, daß der Ent. wurf mit einer Kreisverbindung bem andern vorzuziehen ist.

Eine Einwendung, welche man hiergegen noch ere hebt, ist, daß die Zahl der eigentlichen Bundes Mit. glieder (der- noch unabhängig bestehenden Staaten) so zusammengeschmolzen ren, daß fie selbst für eine geringe Anzahl von Kreisen zu flein, und diese noch ro ungleich in Deutschland vertheilt rey, daß in den wenigsten Kreisen werde an eine Versammlung gedacht werden tonnen.

Dieser Einwurf fáut nun zwar hinweg, wenn man die mediatifirten *) Reichsstånde jeßt wieder zu Kreis. ftånden erhebt, was die Gerechtigkeit laut fordert, und was auch an sich der neuen Verfassung wohlthårig

*) Ein Ausbruck, der, fo, gewöhnlich er auch jest if, doo

seit Auflösung der teutschen Reichsverfassung ohne wahren publicistischen Sinn ift- Diese ehemaligen Reichsstånde find nicht mediatiirt, fondern ebemaligen Reichsftans den und Landesberren als Untertbanen untergeordnet worden.

anmert. D. Herau dg.

reyn würde. Allein es ist ungewiß, ob dieß geschehen wird; und alsdann bleiben freilich, auch jeden Zweig der Gesammthäuser und jede freie Stadt besonders gezahlt, nur breisiig Staaten unter die Streife zu vertheilen übrig, von denen etwa zwanzig auf die nordliche Hälfte Deutschlands fallen. Allein auch im ehemaligen teutschen Reiche hatte der burgundische Freis gar keine, und der sftreichische nur sehr wenige und unbedeutende Kreis. ftånde; und sicher ist es, da boch einmal, wenigstens in einem Theil Deutschlands, mehrere mindermächtige Fürs ften neben einander vorhanden sind, daß die Vortheile einer Kreisverbindung wenigstens dort eintreten würden.

Indeß macht dieser Umstand die Entscheidung der Frage weniger erheblich, er vermindert nur das Gewicht der für die Beibehaltung der Kreisverfassung streitenden Grunde.

Indem die Unterzeichneten bei Ausarbeitung der an. liegenden Entwürfe die ganze Verfassung in doppelter Núcficht durchzugeben gensthigt waren, haben sie zugleich über die eigentlichen Grundlagen derselben reiflichere Betrachtungen angestellt, und sie würden Unrecht zu thun glauben, wenn sie, fich zu streng an die Resultate der schon wirklich angestellten Betrachtungen haltend, diese Gelegenheit verabsåumten, ihre Gedanken auch hierüber dem Fürsten von Metternich zu eröffnen.

Was ihnen hierin vorzüglich Stoff zu neuen Vor. schlägen gegeben hat, ist die Zusammenfügung des Gangen, und die eigentliche Central Gewalt des Bundes.

Diese liegt, nach den bisherigen Entwürfen, in dem ersten Rath der Bundesverfammlung, welcher allein beftandig zusammenbleibt, und die ganze vollziehende Geo walt in sich vereinigt. Gerade aber, weil dieß so ift, und weil der erste Nath nur aus wenigen und den nách. tigsten Fürften befteht; so ist es unuingånglich nothwendig,

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