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Bern und St. Gallen werden der Lage durch die Einsetzung eines Defizites von 5,54 und 1,86 Millionen gerecht, Zürich erwartet eine Steigerung seines Rechnungsrückschlages auf 2,38 Millionen. Insgesamt ergeben die kantonalen Voranschläge für das laufende Jahr ein Defizit von 20,73 Millionen. Davon entfallen auf die sechs durch den Krieg besonders mitgenommenen Orte allein 16,7 Millionen. Wenn auch anzunehmen ist, dass die Finanzminister grau in grau malten, um vor Ueberraschungen gesichert zu sein, dass die Abschlüsse wiederum günstiger ausfallen werden, als die Büdgets vermuten lassen, so wird doch neuerdings mit einem 10 Millionen übersteigenden Gesamtdefizit der Kantone zu rechnen sein.

Des Krieges wegen, fährt der Artikel fort, sind eigentlich nur die drei Grenzkantone Baselstadt, Genf und die Waadt, ferner Bern, St. Gallen und Zürich in ihrem Finanzhaushalte empfindlich getroffen worden; nur sie werden auf Mittel und Wege bedacht sein müssen, den Ausfall durch eine Steigerung ihrer Einnahmen wieder wett zu machen. Zu ernsten Besorgnissen gibt aber die finanzielle Lage keines dieser Kantone Anlass. Sie gehören, was eine Vergleichung ihrer Steuerkapitalien erweist, zu den wohlhabenderen und wohlhabendsten Kantonen unseres Landes, und ihre Staatsschulden erreichen keinen Betrag, der ihren ferneren Kredit zu gefährden vermöchte.

Durch die Defizite der Kriegsjahre werden aber alle Kantone gezwungen werden, in ihrem Haushalte Reorganisationen vorzunehmen, damit sie aus der Periode der Defizite, die nun bald 10 Jahre andauert, herausgelangen. Der Staatsverwaltungsdienst der meisten Kantone wird eine bessere Anpassung an das Zeitalter des modernen kaufmännischen Betriebes wohl vertragen; wird diese durchgeführt, so wird schon viel, wenn nicht alles gewonnen sein.

Ist auch die volle Einwirkung des Krieges auf die Finanzlage der Kantone erst den Rechnungsabschlüssen für das laufende Jahr zu entnehmen, so besagen

die zitierten Ausführungen über das Jahr 1914 doch so viel, dass kein ernsthafter Grund für die Kantone besteht, vom Standpunkt ihrer besonderen Interessen aus dem Bund bei seiner Finanzreform hindernd in den Weg zu treten. Gewiss ist, dass man den Jammer über die schweren Folgen des Krieges für den Finanzhaushalt der Kantone stark übertrieben hat.

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Die Gewinn- u. Verlustrechnung der Nationalbank weist einen Nettoertrag von Fr. 5,272,065. 43 auf, somit ein um Fr. 1,784,984. 93 günstigeres Resultat als 1913. Der Gewinn beträgt 21,09 % des einbezahlten Aktienkapitals. Nach Zuweisung von 10 Prozent an den Reservefonds, der damit auf Fr. 1,995,620.45 ansteigt, und Ausrichtung einer Dividende von 4 % 1,000,000, konnten Fr. 3,772,065. 43 der eidg. Staatskasse zur Verfügung gestellt werden. Der Durchschnitt des schweizerischen Diskontosatzes beträgt für 1914 4,34 % gegen 4,81 % im Jahre 1913 und 4,20% für 1912. Der Lombardzinsfuss stellt sich auf 5,13 % gegen 5,31 % für 1913 und 4,70 % für das Jahr 1912. Das Maximum des Diskontosatzes war für 1914 in Frankreich, Deutschland, Holland und Italien 6%, in Oesterreich 8 %, in England 10%, gegen 6% in der Schweiz. Als Minimum wiesen auf: England 3%, Frankreich und Holland 3 1⁄2 %, Deutschland und Oesterreich 4 %, Italien 5%, die Schweiz 3% %.

Der Notenumlauf der Nationalbank hat 1914 eine Zunahme um Fr. 142,067,605 auf Fr. 455,888,905 erfahren, inbegriffen sind Fr. 28,785,120 Bundeskassenscheine. Von den Noten der frühern Emissionsbanken waren Ende 1914 noch Fr. 3,845,050 (1913: Fr. 4,400,350) ausstehend. Der als Notendeckung dienende Metall

bestand belief sich im Jahresdurchschnitt auf Fr. 212,273,000 (1913: Fr. 193,612,000), er betrug im Maximum Fr. 263,262,728, im Minimum Fr. 185,618,317. Die Zahl der Girokunden ist von 984 auf 1504 gestiegen, während der Umsatz auf Girokonto wiederum eine Abnahme aufweist. Verdoppelt hat sich dagegen der Durchschnittsbestand der Giroguthaben und zwar von 15,7 Millionen auf 34,5.

Das ausserordentliche Gewinnergebnis der Bank ist in der Hauptsache auf die Zunahme des Portefeuilleertrages zurückzuführen. Wenn das Portefeuille einen so bedeutenden Mehrertrag erreichte, obschon der durchschnittliche Diskontosatz 1914 hinter dem des Vorjahres zurückbleibt und der Diskonto verkehr die Höhe des Jahres 1913 nicht gewann, so hängt dies damit zusammen, dass die durchschnittliche Laufzeit des diskontierten Schweizerwechsels vierzig Tage betrug, gegen einundzwanzig im Jahre 1913.

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Wenn je das Schweizervolk Gelegenheit hatte, zu erfahren, was es an seiner Nationalbank besitzt, so war es in dieser Kriegszeit der Fall. Wir dürfen ohne Ueberhebung sagen so führte der Präsident des Bankrates, Herr Nationalrat Hirter, bei der Eröffnung der diesjährigen Generalversammlung u. a. aus dass das Land es wesentlich der Nationalbank zu danken hat, wenn die Krise bei Ausbruch des Krieges in verhältnismässig kurzer Zeit überwunden wurde. Es ist nicht auszudenken, in welche finanziellen Schwierigkeiten wir gestürzt worden wären, wenn noch die 34 alten Emissionsbanken das schweizerische Notenwesen in den Händen gehabt hätten, wenn noch das Banknotengesetz von 1881 in Kraft gestanden wäre. Es genügt, daran zu erinnern, dass die Emis

sionsbanken im letzten Jahre ihrer unumschränkten Herrschaft, 1906, einen Metallvorrat von nur 121 Millionen besassen und dass die Elastizität ihres Umlaufes, die Spannung zwischen dem niedrigsten Umlauf und der gesetzlich gestatteten Obergrenze damals ganze 171⁄2 Millionen betragen hat, um sich klar zu werden, dass die Emissionsbanken unter dem Gesetz von 1881 der Krise gegenüber völlig ohnmächtig gewesen wären.

Die schweizerische Nationalbank hat, trotz der Angriffe, denen sie von gewisser Seite wegen angeblich ungenügender Rentabilität ausgesetzt war, an ihrer vorsichtigen Deckungspolitik festgehalten und es für wichtiger erachtet, dass sie das feste Fundament des schweizerischen Geldwesens bilde, als dass sie unter Ausserachtlassung dieser ihrer Hauptaufgabe ihre Anstrengungen in erster Linie darauf richte, dem Bunde seine finanziellen Verpflichtungen aus dem Bankgesetz gegenüber den Kantonen ganz abzunehmen.

Diese Politik der Bank hat sich in der vergangenen Krise bewährt. Mit einem Metallschatz von 200 Millionen ausgerüstet, der ihr eine Emissionsmöglichkeit von 500 Millionen verlieh, trat die Nationalbank die denkwürdige letzte Woche Juli an. Es ist noch in aller Erinnerung, wie sich damals die Ereignisse überstürzten, wie in weiten Kreisen des Volkes die Besonnenheit verloren ging, wie die Lebensmittelgeschäfte und die Banken bestürmt wurden. In der ganzen Welt wurden die Börsen geschlossen, kein ausländisches Wertpapier konnte mehr zu Geld gemacht werden. Die fremden Wechsel und Guthaben, die man als sicherste und flüssigste Anlagen geschätzt hatte, erwiesen sich infolge der allenthalben erlassenen Mo

ratorien plötzlich als unverwertbar. Die Theorie von der unbedingten Liquidität einer Anlage in erstklassigen ausländischen Staatswerten hat in der Krise vollständig versagt. Die Nationalbank war mit einem Schlage die letzte und einzige Geldquelle des Landes geworden. Schon in den ersten Tagen der Krise wurde in ausserordentlichem Masse von dieser Geldquelle Gebrauch gemacht. Die Nationalbank stellte bis Ende Juli schon 17%1⁄2 Millionen Gold und Silber und 141 Millionen an Banknoten dem Verkehr zur Verfügung, der gesetzliche Kurs der Noten wurde ausgesprochen und die Bank von der Einlösungspflicht bis auf weiteres enthoben. Die Ausgabe der vorbereiteten 20 Fr. und 5 Fr.-Noten wurde an die Hand genommen und die Bundeskassenscheine der Nationalbank wurden zur Ausgabe als Banknoten mit denselben Deckungsvorschriften übergeben.

Es ist nicht die Zeit, die Dienste, welche die Bank dem Bunde beim finanziellen Teil der Mobilmachung und der Grenzbesetzung geleistet hat, im einzelnen darzulegen... Die Nationalbank hat auch der Volkswirtschaft des des Landes gegenüber ihre Aufgabe erfüllt. Wenn das Zahlungswesen des Landes nach der heftigen Erschütterung der ersten Augusttage verhältnismässig rasch wieder in normale Bahnen einlenkte, so ist dies nicht zum wenigsten der Nationalbank zu verdanken, welche durch die Erhöhung der Diskontokredite der Banken um vierzig Prozent, durch die Annahme von Lombardpapier, durch die Herabsetzung des Diskontosatzes und die Gründung der Darlehenskasse der schweizerischen Eidgenossenschaft in wirksamer Weise dem schweizerischen Geldmarkt zu Hilfe kam..... Wenn man unsere schwei

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