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im Großen Rath nach sich ziehen, schließen ebenfalls von der Wahlfähigkeit zum Kleinen Rathe aus.

Art. VI.

Die verledigten Stellen im Kleinen Rath werden auf folgende Weise befekt:

Am Tage der Belegung werden durch das Bal: loten : Loos rechs Wahlherren aus dem gesamten Kleinen Rath mit Inbegriff des Präsidii bezeichnet, indem nach abwechselnder Ordnung von einer Seite zur andern, ein Rathsglied nach dem andern zum Loos trittet und eine Ballote zieht, deren so viel sind als anwesende Rathsglieder, nåmlich rechs gol: dene und die übrigen weiß.

Jeder dieser Wahlherren, so wie ihm eine gol: dene Ballote zu Theil wird, geht hinter den Vor: hang und schneidet aus dem daselbst für jeden Wahl: herrn befindlichen gedruckten Verzeichniß aller Wahl: fåhigen, welches vorher durch die vier åltesten Raths: glieder abgefaßt wird, einen Namen aus, der zu: sammen gerollt in das Gefäß gethan wird. Jedes Rathsglied nimmt zugleich das Eremplar des Ver: zeichnisses weg, aus dem es seinen Vorschlag ge: zogen hat.

Wenn die rechs Wahlherren vom Rath die Vor: schlags : Dperation beendigt haben, ro werden ab: wechselnd, den Quartieren nach, auf gleiche Weise

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vierzehn Wahlherren aus den Mitgliedern des Großen Raths gewählt, welche ihren Vorschlag auf gleiche Art wie oben machen.

In diesem Wahl: Collegio rollen nicht Vater und Sohn oder Brüder noch Halb: Brüder senn, und so wie daher ein Standesglied des Kleinen oder Großen Raths durch das loos zum Wahl: herrn bestimmt wird, so sollen alsobald eben ro viele weisse Balloten durch den Großweibel aus dem Sack gezåhlt werden, als dasselbe erst nach ihm zum Loos tretende anwesende Verwandte dieser Grade hat, als welche nicht mehr loosen sollen.

Wenn nun alle zwanzig Wahlherren auf die vorgeschriebene Weise ihren Vorschlag gemacht haben, ro roll das Gefäß mit den Vorschlags:Zedeln vor das pråfidirende Ehrenhaupt gebracht, von demselben die Zedel eröffnet und von dem Großweibel, welcher die Summe der zwanzig Zedel zuerst nachzählen soll, die in der Wahl Befindlichen, mit lauter Stimme abgelesen werden. Der Staatsschreiber verzeichnet jeden Namen, und wenn alle zwanzig Zedel abgelesen

ro liest er das Verzeichniß der Vorgeschlagenen in der Ordnung, wie sie aufgeschrieben worden, ab. Alle Namen kommen dieser Ordnung nach auf die Trucke, und nach dem gesekmäßigen Austritt der Vorgeschlagenen und ihrer Verwandten treten zuerst der Kleine Rath, dann die råmtlichen übrigen Stan: desglieder, den Quartieren nach, zum Balotiren,

sind,

Die Vorgeschlagenen werden mit einfärbigen Balloten durch ein erstes Stimmen : Mehr auf die vier höchsten in den Stimmen reduzirt ; hernach aber einer nach dem andern mit den mindesten Stimmen herausgewählet, wo dann der Ausge: wählte und dessen Verwandtschaft wieder zum stim: menden Tribunal eintrittet, Sollten zwey oder meh: rere gleich wenige Stimmen haben, so werden bende Namen in einen Sack gethan, und verbieibt ders jenige oder diejenigen in der Wahl, die von dem Ehrenhaupt zuerst herausgezogen werden. Unter den benden in der lekten Wahl Verbliebenen wählt nun das Tribunal ebenfalls mit gleich fårbigen Bal: loten, und wer die meisten Stimmen hat, ist erwählt, bey gleichen Stimmen entscheidet das Loos, daher auch der Herr Amtsschultheiß oder sein Statthalter am Präsidium gleich faus balotirt.

Die Wahlherren rollen ben Eiden weder rich selbst, noch einen der ihnen im Grad des Abtritts verwandt ist, in Vorschlag bringen. Jeder Wahl: herr und überhaupt jedes Standesglied roll durch die ganze Besetzung dem nämlichen seine Stimme geben, dem er sie anfänglich gegeben hat, so lange derselbe in der Wahl verbleibt. Niemand darf sich die Heimlicher-Wahl verbitten; wer aber gewählt würde, der diese Wahl aus persönlichen Gründen nicht ans nehmen könnte, kann innert vier und zwanzig Stun: den nachdem ihm die Erwählung bekannt worden, die Heimlicher: Stelle resigniren, da er dann wieder in seinen vorigen Stand trittet, und solches ihm für die Zukunft nicht hinderlich seyn soll, zu gleichen Ehren gelangen zu können.

Ben diesen Wahlen sollen als Verwandte der Vorgeschlagenen abtreten: Die Bluts: Verwand: ten in auf: und absteigender Linie, als Vater, Großvater , Sohn, Sohns · Sohn und Tochter: Sohn, so wie diejenigen, welche im ersten Grade der Seiten : Verwandtschaft verwandt find, als: Bruder und Halbbruder, dann von der Schwa: gerschaft die Schwieger : Våter, die Tochtermån: ner, die Groß : Schwieger : Våter, Groß: Toch: termånner und die Schwäger. In den hier ge: nannten Graden der Schwägerschaft trittet man den: noch ab, wenn schon eine Ehescheidung vorgegan: gen ist.

Diese Wahlform ist aber blos auf eine Probe: zeit von zehn Jahren festgesekt, nach welcher die: selbe revidirt und MnGhrn. und Obern zur gutfin: denden Correktion oder fernerer Bestätigung vorgelegt werden rou.

Art. VII.

. . Alle Mitglieder des Kleinen Kaths sind gesek: mäßig nur auf ein Jahr erwählt. Alljährlich wah: rend der ordentlichen Winter: Sisung, am Donners: tag vor dem Communions: Sonntag vor Weihnacht

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Nachmittags machen die vier ältesten Rathsglieder den Vorschlag zu Wieder: Erwählung des Kleinen Raths, welche Tags darauf von MnGhrn. und Obern durch offenes Handmehr vorgenommen wird.

Für alle andern Erledigungen durch Tod, Re: signation oder sonst geht die ordentliche Wahl vor sich in der ersten darauf folgenden Monats:Sikung, wenn dieselbe nicht früher als acht Tage nach dem Leichenbegångniß oder der Resignation eintrifft, sonst aber in der zweyten darauf folgenden Sigung. Der Befeßungs: Tag soll jeweilen den außer der Stadt wohnenden Mitgliedern sogleich angezeigt werden.

Wenn aber ein solcher Erledigungs : Fall zur Zeit einer halbjährigen Versammlung des Großen Raths eintritt, so roll am Tage nach der Beerdi: gung oder am Tage nach angenommener Resignation zur Wahl geschritten werden, oder falls dieses auf einen Sonntag oder Fenertag fallen sollte, Tags darauf.

Ar t. VIII. Der Kleine Rath stellt, wenn er nicht mit dem Großen Rath vereinigt ist, die ordentliche und ge: wöhnliche Regierung des Standes Bern vor, und hat in dieser Eigenschaft nach vorhandenen Geseken und Ordnungen oder in Ermanglung derselben nach Eid und Gewissen, zum Nußen des Standes alle tåglichen laufenden Regierungs. Geschäfte von sich aus zu besorgen; die wichtigern aber, welche der

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