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Я. 1490

Vorwort zur fünften Auflage.

Die Grundlagen, auf welche das vorliegende System des allgemeinen und deutschen Staatsrechts in der vorigen (vierten) Ausgabe gebracht worden ist, sind auch bei der dermaligen finften Ausgabe dieselben geblieben. Was hier dargestellt werden wollte, ist das geltende Staatsrecht der Gegenwart, kein Staatsrecht der Zukunft! Wohl aber habe ich mir die Verbesserung und insbesondere die Ergänzung und Fortführung des Buches mit Berlicksichtigung der neuesten Fortbildungen in der Gesetzgebung, Wissenschaft und Praxis angelegen sein lassen. Die zahlreichen Zusätze und Veränderungen in dem bisherigen Texte und den Noten werden es rechtfertigen, wenn auch diese neue Ausgabe als eine durchaus vermehrte und verbesserte bezeichnet wird.

Die in der vierten Auflage gewählte Eintheilung in zwanzig Abschnitte, so wie die Reihenfolge der Paragraphen ist im Wesentlichen beibehalten worden. Es geschah dies aus der Rücksicht, um nicht die Verweisungen und Bezugnahmen, welcher sich die vierte Auflage vielseitig bei anderen Schriftstellern zu erfreuen hatte, unbrauchbar zu machen oder doch deren Nachschlagung und die Auffindung der citirten Stellen, namentlich den Praktikern, zu erschweren; in den Notenzahlen waren 'aber Veränderungen durchgängig unvermeidlich. Eine Veränderung hat auch in der äusseren Oeconomie des Buches insofern stattfinden müssen, als es für zweckmässig erachtet wurde, die Bogenzahl, welche in der vierten Ausgabe sebr angleichmässig in zwei Bände vertheilt war, nunmehr möglichst gleichmässig in dieselben einzutheilen. Dies wurde dadurch erreicht, dass die Abschnitte XI–XIV, beziehungsweise die Paragraphen-Reihe von §. 201—280 in den ersten Band hertibergenommen wurden.

Endlich erschien es auch dem Inhalte angemessen, indem nunmehr der positive deutsch - rechtliche Stoff weitaus überwiegt, den Titel, welchen die vierte Auflage führte: Allgemeines und deutsches Staatsrecht“, in „gemeines deutsches Staatsrecht, mit besonderer Rücksicht auf das allgemeine Staatsrecht“ umzuändern. Ich glaube desshalb um so weniger Tadel zu verdienen, als es vielmehr einer Entschuldigung bedürfen möchte, dass dieser Titel nicht schon bei der vorigen Ausgabe gewählt worden ist.

Ein vollständiges Sachregister wird, wie bei den früheren Ausgaben, am Schlusse des zweiten Bandes geliefert werden.

Heidelberg, im November 1862.

H. Zoepfi.

Vorwort zur vierten Auflage.

Nach dem buchbändlerischen Bedürfniss hätte diese neue Ausgabe schon um Ostern des verflossenen Jahres erscheinen sollen. Die Vervollständigung des Inhaltes aber, welche sich in einem noch grösseren Umfange als zweckmässig darstellte, als sie in der vorigen (dritten) Auflage bewirkt worden war, hat eine Verzögerung veranlasst, welche, wie ich hoffe, dem Werke nur zum Vortheile gereichen konnte. An den allgemeinen Grundsätzen, welche die Grundlage der Darstellung bilden, habe ich keine wesentliche Veränderung vorzunehmen Ursache gehabt; wohl aber ist im Einzelnen vieles, theils genauer bestimmt, theils weiter ausgeführt worden. Es ist kein Paragraph ohne Umarbeitung geblieben: sehr viele Paragraphen sind ganz neu zugesetzt worden. Einer Aufzählung dieser Zusätze im Einzelnen wird es um so weniger bedürfen, als die um mehr als das Zweifache vermehrte Bogenzahl im Vergleiche zur vorigen Ausgabe und die hierdurch nothwendig gewordene Abtheilung des Buches in zwei Bände in dieser Beziehung für sich selbst spricht. Um das Verhältniss dieser neuen Ausgabe zu der vorigen zu bezeichnen, werden daher wenige Andeutungen genügen.

I. Soviel die allgemeinen Lehren des Staatsrechts anbelangt, so habe ich an der Ansicht festgehalten, dass sich im Laufe dieses Jabrhunderts, in dessen Mitte wir bereits stehen, in der Nation eine grosse Anzahl allgemeiner Anschauungen und Grundsätze festgestellt hat, welche in der

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Praxis Giltigkeit behaupten und ihre Grundlage bilden, obschon sie weder in die Form gemein verbindlicher Gesetze, noch in die Form eines juristisch erweislichen gemeinen Herkommens eingekleidet worden sind. Ich gehe also von der Annahme des Daseins eines nationalen Ideenkreises in staatsrechtlicher Beziehung aus, der neben dem äusserlich erkennbar gewordenen Rechte seine Giltigkeit behauptet, ja diesem selbst, und zwar nicht blos in Bezug auf einzelne wenige Grundbegriffe, zur Grundlage dient.

Wenn auch in dieser Beziehung noch manches, ja vieles, im Einzelnen schwankend und streitig erscheinen mag, so 'ist dies doch kein Grund, das Dasein eines solchen nationalen staatsrechtlichen Ideenkreises an sich zu läugnen, oder ihm nur geringe Bedeutung beizulegen. Selbst das Ringen nach der Geltendmachung entgegenstehender Ansichten ist ein nationales Ringen, also ein Theil unseres Nationallebens selbst, und so lange nicht eine legislative Autorität einen solchen Streit durch ihr imperatorisches Eingreifen abschneidet, wird jede wissenschaftliche Richtung das Recht für sich in Anspruch nehmen dürfen, die Erkenntniss, welche sie von ihrem Standpunkte aus zu Tage fördert, als die richtige nationale zu vertreten und zu behaupten. Zur besonderen Aufgabe habe ich es mir in dieser Beziehung gemacht, die principiellen staatsrechtlichen Fragen, welche in der neuesten Zeit die Nation, mehr als früher, in Bewegung gesetzt haben, in den Kreis der Untersuchung zu ziehen, und durch eine ruhige, rein objektiv gehaltene Prüfung den Weg zu einer richtigeren Einsicht und zur Verständigung anzubahnen.

II. Ganz neu aufgenommen ist die dogmatische Darstellung der ehemaligen Reichsverfassung und des öffentlichen Rechtes der Rheinbundszeit. Es geschah dies hauptsächlich in Folge der praktischen Erfahrung, die ich aus der grossen Anzahl der von mir während meiner mehr als fünf und zwanzigjährigen publicistischen Thätigkeit, theils im Namen der Juristenfakultät (des Spruchcollegiums), theils auf besondere Veranlassung, bearbeiteten staatsrechtlichen Rechtsfälle

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