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blattes für den Nordd. Bund vom 26. Juli 1867; von Nr. 19 dei Jahrganges 1871 ab führt dieses Blatt den Titel „Reichsgeseßblatt"].

Der Anfangstermin für die verbindende Wirkung der bayer. Gesetze ist bestimmt in den auch jeßt noch maßgebenden Verordnungen vom 23. Mai 1816 und 12. Dezember 1817, die Erjeßung des Kreisamtsblattes durch das Gefeß- und Verordnungsblatt hat die materiellrechtliche Bestimmung, daß die bethätigte Zusendung an die Behörden entscheide, unberührt gelassen; für die Reichsgeseße vgl. Art. 2 Reichs Verf.

2. La loi ne dispose quel 2. Das Geseß verfügt nur pour l'avenir; elle n'a point für die Zukunft; es hat keine d'effet rétroactif.

zurückwirkende Straft. 3. Les lois de police et 3. Die Polizei- und Sicherde sûreté obligent tous ceux heitsgeseße verpflichten einen qui habitent le territoire. jeden, der auf dem Gebiete

Les immeubles, même wohnt. Die Rechte in Be-
ceux possédés par des étran- treff der Immobilien, auch
gers, sont régis par la loi jene nicht ausgenommen, wel-
française. Les lois con- che Ausländer besißen, richten
cernant l'état et la capa- sich nach dem französischen
cité des personnes régissent Geseße.
les Français, même résidant Die Geseke, welche den
en pays étranger.

(rechtlichen) Zustand und die
(Rechts-) Fähigkeit der Per-
fonen betreffen, erstrecken sich
auf die Franzosen, wenn sie
gleich in fremden Ländern sich

aufhalten.
Cretschmar zu Art. 3 stellt die Ansicht auf, Abj. 1 sei durch § 3
R.-St.-G.-B. aufgehoben; dagegen Scherer: das rhein. Recht Ste. 5.
Legtere Ansicht ist deßhalb vorzuziehen, weil das R.-St.-G.-B. nur
die strafrechtlichen, dagegen nicht die civilrechtlichen Wirkungen der
Strafrechtsnormen regeln wollte; wenn auch Mangels civilrechtlicher
Vorschrift die Auslegung des § 3. R.-St.-G.-B. zu dem gleichen Er-
gebnisse wie Abs. I des art. 3 code civ. führen müßte, so ist darum des
lekteren ausdrückliche Disposition nicht aufgehoben.

Nach Art. 3 c. c. kann der Ausländer im Jnlande Eigenthum jeder Art erwerben, also auch sog. literarisches Eigenthum (vgl. Laurent: I nr. 431); nach deutschem Urheberrechte (61 Reichs-Gej. vom 11. Juni 1870 und 21 Reichs-Ges. vom 3. Januar 1876) ist der Ausländer beschränkt urheberrechtsfähig.

Das Nationalitätsprinzip des Abs. 3 ist für die Wechselrechtsbezw. Prozeßfähigkeit durch $ 84 W.-O., bezw. $ 53 R.-C.-P.-O. durchbrochen; in beiden Materien gilt der Grundjas, daß das der Rechtsfähigkeit günstigere Gesetz entscheidet. Vgl. Scherer: Die durch die N.-C.-P.-O. beseitigten Art. 11. 1. w. Ste. 1 flg. Die einmal gewonnene Prozeßfähigkeit beherrscht, da die N.-C.-P.-O. eine theilweise Prozeßfähigfeit nicht kennt, den ganzen Rechtsstreit, bewirft also auch Fähigfeit zu solchen den Rechtsstreit beendigenden Handlungen, welche an sich

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betrachtet die die Prozeßfähigkeit bedingende concrete Vertragsfähig: feit übersteigen, 3. B. zu Vergleiden. Vgl. die hier entsprechend anwendbaren Bemerkungen zu Art. 467.

Tagegen ist die weitergehende Ansicht Scherer's: Die durch den code civ. beseitigten Artifel u. 1. w. Sté. 1 flg., die Fähigkeit zim contrat judiciaire bewirke Vertragsfähigkeit überhaupt, zu verwerfen. Schon der Umstand, daß anerfannt die R.-C.-P.-O. das materielle Recht, soweit es außerhalb der Berührung mit dem ordentlichen Prozesje liegt, unbeeinflußt lassen wollte, hätte die Folgerung aus dem contrat judiciaire auf die Verträge überhaupt hintanhalten sollen. Daneben ist die Auffassung des contrat judiciaire als „des vornehmsten aller Verträge" zwar geeignet, die conclusio a majori ad minus in Sinne Scherer's herzustellen, aber trop des jelbstgeschaffenen Rechtssprichworts: „Die Luft macht vertragsfähig“ und trop des volltönenta den Hinweises auf den „strepitus ac figura judicis" nichts mehr als jubjectiv.

4. Le juge qui refusera 1. Der Richter, der unter de juger, sous prétexte du dem Vorwande, daß das Gesilence, de l'obscurité ou leß den vorgetragenen Fall de l'insuffisance de la loi, unberührt lasie, daß es dunkel pourra être poursuivi com- oder unzulänglich sei, ein Nirme coupable de déni de theil zu sprechen sich weigert, justice.

fann, als der Justiß-Versagung schuldig, gerichtlich ver

folgt werden. Die Annahme Gretschmar's 311 art. 4, derselbe jei ichon durch Art. 2 E. G. 3. R.-St.-G.-B. aufgehoben worden, ist zwar hinfällig, da Art. 2 cit. ebenso wie der oben erwähnte § 3 N. St.-G.-B. augerhalb des Gebietes des Strafrechts keine Bestimmung treffen ivollte, indessen ist mit Wegfall der dem Art. 4 erst Leben gebenden Art. 13.3 code pénal (durch art. 1 bayer. Ausf. G. 3. R.-St.-P.-O.) und Art. 505 fig. code de procéd. (Art. 235 Ziff. 7 Ausf.=(X. 3. N.-C.-P.-O.) Art. 4 bedeutungslos geworden. Vergl. die erseßende Vorschrift des bayer. Disciplinarges. für richterliche Beamte vom 26. März 1881 art. 1 Ziff. 1 und $ 336 R.-St.-G.-B.

5. Il est défendu aux 5. Es ist den Richtern juges de prononcer, par verboten, mittelst einer allvoie de disposition géné-gemeinen Verfügung, die zur rale et réglementaire, sur Vorschrift dienen soll, die les causes qui leur sont ihnen vorgelegten Rechtshänsoumises.

del zit entscheiden. Die Annahme Löw's zu art. 5, dieser sei als prozessuale Vorschrift durch § 14 Abj. 1 E. G. 3. R.-C.-P.-L. aufgehoben worden, erscheint unzutreffend; vgl. auch Scherer: Das rhein. Recht Ste. 5 und Gretschmar. Aufgabe des Prozeßrechts ist die Schaffung von Rechtsverfolgungsnormen, mit der Erledigung des Einzelfalles ist das verfolgte Recht und damit der Prozeß consumirt. Art. 5 dagegen reicht in seiner Tragweite über den Prozeß hinaus. Daher ist das an den Richter gerichtete Verbot, durch Aufstellung einer generellen Entscheidungsnorm in das Gebiet der Legalinterpretation und damit in dasjenige des Geseßgebers hinüberzugreifen, feine Prozeßvorschrift.

Pro

6. On ne peut déroger, 6. Durch Privatverträge par des conventions parti- kann man den Gefeßen, welculières, aux lois qui inté- che die Handhabung der öfressent l'ordre public et fentlichen Ordnung und die les bonnes meurs.

Erhaltung der guten Sitten zum Zweck haben, nicht dero

giren (sie nicht abändern). LIVRE PREMIER. Srst es Buch. DES PERSONES.

Von den Personen. TITRE PREMIER.

Erster Titel. De la Jouissance et de la

Von dem Genusse und Privation des Droits civils.

dem Verluste der Civil

rechte. (Décrété le 8 mars 1803.

(Dekretirt den 8. März 1803. Promulgué le 18 du même mois.)

mulgirt den 18. näml. Monats.) CHAPITRE I.

Erstes Kapitel. De la Jouissance des Droits Von dem Genusse der Civilcivils.

rechte. 7. L'exercice des droits 7. Die Ausübung der civils est indépendant de Civilrechte ist von der Eigenla qualité de citoyen, la- ichaft eines Staatsbürgers unquelle ne s'acquiert et ne abhängig. Leßtere erwirbt se conserve que conforme- und behält man nur nach der ment à la loi constitutio- | Vorschrift des Geseßes, welnelle.

ches die Staatsverfassung be

stimmt. Die Ansicht Scherer's: Das rhein. R. Ste. 5, Art. 7 sei durch das Bundes- bezw. jeßt Reichs-Gesep: betr. den Erwerb und den Verlust der Bundes- und Staatsangehörigkeit vom 1. Juni 1870 aufgehoben worden, ist irrig. Das genannte Reichsgeseß regelt nur die staatsrechtliche Seite des Verhältnisses, art. 7 dagegen bestimmt die Treninung des Genusses der Civilrechte von dem normalen Vollbesige der politischen Rechte, wie sie dem citoyen im Sinne des zur Zeit der Emanation des Gesetzbuchs geltenden französischen Verfassungsrechts zufamen. Zutreffend ist daher der Vergleich der Eigenschaft eines ,,citoyen“ mit dem potenzirten bayer. Staatsbürgerrechte gemäß § 7 flg. Beil. 1 zu Tit. IV § 1 der bayr. Verf.-U.; vgl. Löw und Cretschmar für Aufrechterhaltung.

8. Tout Français jouira 8. Jeder Franzoje foll der des droits civils.

Civilrechte genießen. Der Begriff des Jnländers gemäß Art. 3 R.-V. deutschen Reichsangehörigen bestimmt sich nach dem cit. Reichsges. voin 1. Juni 1870; vgl. auch Reichsges. vom 20. Dez. 1875 betr. die Naturalisation von Ausländern, welche im Reichsdienste angestellt sind.

9. Tout individu né en 9. Wer in Frankreich von France d'un étranger pour- einem Fremden geboren ist, ra, dans l'année qui suivra | ist berechtigt, in dem Fahre, l'époque de sa majorité, welches auf den Zeitpunkt réclamer la qualité de seiner Volljährigkeit folgt, die Français; pourvu que, dans rechtliche Eigenschaft eines le cas où il résiderait en Franzosen in Anspruch zu France, il déclare que son nehmen; nur muß er alsintention est d'y fixer son dann, wenn er in Frankreich domicile, et que, dans le sich aufhält, erklären, daß er cas où il résiderait en pays daselbst seinen Wohnsiß aufétranger, il fasse sa sou- zuschlagen gedenke, und wenn mission de fixer en France er in einem fremden Lande son domicile, et qu'il l'y sich aufhält, das Versprechen établisse dans l'année, à von sich geben, daß er seinen compter de l'acte de sou- Wohnsitz in Frankreich aufmission,

schlagen wil, und in einem Jahre, nach gemachtem Versprechen, sich wirklich dort

niederlassen. Afghb. und ers. durch die $8 2 und 26 cit. N.-G. vom 1. Juni 1870. 10. Tout enfant né d'un 10. Jedes Kind, das in Français en pays étranger cinem fremden Lande von est Français. Tout en- einem Franzosen geboren wird, fant, né en pays étranger, ist ein Franzose. Jedes d'un Français qui aurait Kind, das in einem fremden perdu la qualité de Fran- Lande von einem Franzosen çais, pourra toujours re- geboren ist, der die rechtliche couvrer cette qualité, en Eigenschaft eines Franzosen remplissant les formalités, verloren hat, kann allezeit durch prescrites par l'article 9. Erfüllung der im 9. Art. vorge

schriebenen Bedingungen diese

Eigenschaft wieder erlangen. Afghb. und ers.: Abs. 1 durch $ 3, Abs. 2 durch $ 21 Abs. 4 u. 5 in Vbd. mit § 26 cit. R.-G. vom 1. Juni 1870.

11. L'étranger jouira en 11. Der Fremde genießt France des mêmes droits in Frankreich eben der Civilcivils que ceux qui sont rechte, welche die Nation, zu

seront accordés aux welcher er gehört, den FranFrançais par les traités de 30sen durch Verträge eingela nation à laquelle cet räumt hat, oder einräumen étranger appartiendra. wird.

„Etranger" ist nunmehr gemäß Art. 3 R.-V. nur der Nichtdeutiche.

ou

12. L'étrangère qui aura

12. Die Fremde, die sich épousé un Français, suivra mit einem Franzosen verheila condition de son mari. rathet hat, folgt dem recht

lichen Zustande ihres Mannes. Afghb. und ers. durch § 5 cit. Á.-G. vom 1. Juni 1870. 13. L'étranger qui aura 13. Der Fremde, dem der été admis par l'autorisation Kaiser erlaubt hat, seinen de l’Empereur à établir son Wohnsiß in Frankreich aufdomicile en France, y jouira zuschlagen, genießt, so lange de tous les droits civils, tant er daselbst wohnen bleibt, qu'il continuera d'y résider. I aller Civilrechte.

Vgl. Art. 3 N.-V.; die autorisation de l'Empereur bewirkt Befreiung von der prozessualen ”flicht der Sicherheitsleistung. Petersen: Comm. 3. N.-C.-P.-D. ad § 103 Ste. 284.

14. L'étranger, même non 11. Der Fremde, wenn résidant en France. pourra er auch in Frankreich nicht être cité devant les tribu- residirt sich nicht aufhält), naux français, pour l'exé- kann vor die französischen cution des obligations par Gerichte gefordert werden, lui contractées en France um Verbindlichkeiten zu eravec un Français ; il pourra füllen, die er in Frankreich être traduit devant les tri- gegen einen Franzosen überbunaux de France, pour nommen hat. Man kann ihn les obligations par lui con- ebenfalls bei den französischen tractées en pays étranger Gerichten wegen solcher Verenvers des Français. bindlichkeiten belangen, die

er in einem fremden Lande gegen einen Franzosen ein

gegangen hat. Afghb. durch § 14 Abs. 1 E. - G. 3. R.-C.-P.-O., theilweise erjest ohne jede Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit - durch § 24 R.-C.-P.-O.

15. Un Français pourra 15. Ginen Franzosen fann être traduit devant un tri- man vor einem Gerichte in bunal de France, pour l'exé- Frankreich wegen Verbindcution des obligations par lichkeiten belangen, welche er lui contractées pays in einem fremden Lande, étranger, même avec un selbst mit einem Fremden, étranger.

eingegangen hat. Afghb. durch § 14 Abs. 1 E.-G. 2. N.-C.-P.-D., theilweise erseßt durch den ohne jede Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit den Gerichtsstand regelnden § 12 N.-C.-P.-O., vgl. das Reichsbeamtengesek vom 31. März 1873 § 21.

en

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