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1823 einem anderen Staate desertirt wäre, so wird dennoch,

selbst wenn mit dem letzteren ehenfalls Auslieferungsverträge beständen, die Auslieferung stets an denjenigen der contrahirenden Theile erfolgen, dessen Dienste er zuletzt verlassen hat. Wenn ferner ein Soldat von den Truppen eines der paciscirenden Staaten zu denen eines drillen, und von diesen wiederum in die Lande des anderen paciscirenden Staates, oder sonst zu dessen Truppen desertirt, so kommt es darauf an: ob letzterer Staat mit jenem dritten ein Cartel hat. Ist dieses der Fall, so wird der Deserteur dahin abgeliefert, woher er zuletzt entwichen; im entgegengesetzten Falle aber wird er dem paciscirenden Staate, dessen Dienste er zuerst verlassen hat, ausgeliefert.

S. 4. Nur folgende Fälle werden als Gründe, die Auslieferung eines Deserteurs zu verweigern anerkannt: a. Wenn der Deserteur aus den Staaten Sr. Majestät

des Königs von Dännemark, oder aus den Landen Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs von Mecklenburg - Strelitz gebürtig ist, und also vermittelst der

Desertion nur in seine Heimath zurückkehrt. b. Wenn ein Deserteur in dem Staate, in welchen er

entwichen ist, ein Verbrechen begangen hat, dessen Bestrafung vor seiner Auslieferung die Landesgesetze erfordern. Wenn nach überstandener Strafe der Deserteur ausgeliefert wird, sollen die denselben betreffenden Untersuchungsacten, entweder im Original, oder Auszugsweise und in beglaubten Abschriften übergeben werden, damit ermessen werden kann, ob ein dergleichen Deserteur noch zum

Militairdienste geeignet sei, oder nicht. c. Wenn der Deserteur sich vor dem 31sten Decem

ber 1820 in dem Staale, jui welchen er entwichen

ist, ansässig gemaclit hat. Schulden, oder andere von einem Deserteur eingegangene Verbindlichkeiten, geben dagegen dem Staate, in welchem er sich aufhält, kein Recht, dessen Auslieferung zu versagen.

S. 5. Die Verbindlichkeit zur Auslieferung erstreckt sich auch auf die Pferde, Sallel und Reitzeug,

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Armatur und Muntirungsstücke, welche von den 1823 Deserteurs etwa mitgenommen sind, und tritt auch dann ein, wenn der Deserteur selbst, nach den Bestimmungen des vorhergehenden Artikels nicht ausgeliefert wird.

S. 6. Auslieferung geschieht in der Regel freiwillig und ohne erst eine Requisition abzuwarten. Sobald daher eine Militair - oder Civilbehörde einen jenseitigen, Deserteur eutdeckt, wird sofort die Auslieferung desselben, so wie der etwa bei ihm vorgefundenen Effecten, Pferde, Waffen elc. veranlasst.

S. 7. Sollte aber ein Deserteur der Aufmerksamkeit der Behörden desjenigen Staates, in welchen er übergetreten ist, entgangen seyn, so wird dessen Auslieferung sogleich auf die erste desfallsige Requisition erfolgen, selbst dann, wenn er Gelegenheit gefunden hätte, in dem Militairdienste des gedachten Staates angestellt zu werden. Nur wenn über die Richtigkeit wesentlicher, in der Requisition angegebenen Thatsachen, welche die Auslieferung überhaupt bedingen, solche Zweifel obwallen, dass zuvor eine nähere Aufklärung derselben, zwischen der requirirenden und der requirirten Behörde nöthig wird, ist der Auslieferung Anstand zu geben.

S. 8. Ein Deserteur, dessen Auslieferung requirirt wird, soll an der Gränze des respectiven Dänischen und Grossherzoglich Mecklenburg - Strelitzischen Gebjets ausgeliefert werden, und die requirirende Behörde soll den Deserteur von da abholen lassen.

Die Requisition zur Auslieferung der dänischen Deserteurs, die zum Mecklenburg Strelitzischen Kriegsdienste angenommen seyn möchten, geschieht bei der Landesregierung zu Neustrelitz, in allen übrigen Fällen aber, wenn der Reclamirte im Fürstenthum Ratzeburg sich aufhält, bei der Landvogtei zu Schönberg, und wenn er im Herzogthum MecklenburgStrelitz sich aufhält, bei der Landesregierung in Neu-, strelitz.

Die Requisitionen wegen Auslieferung der etwa in Königl. dänischen Diensten befindlichen Mecklenburg - Strelitzischen Deserteurs, werden bei dem Generalcommando der Provinz, wo der Deserteur sich befindet, angebracht, in allen übrigen Fällen aber, an

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1823 die betreffenden Königl. dänischen höchsten Civil

Obrigkeiten gerichtet. Diese sind der Polizeidirector in Kopenhagen, und im Königreich Dännemark, ausserhalb Kopenhagen, die Amtmänner, im Herzogthum Schleswig, das Schleswigsche Obergericht zu Schleswig, im Herzogthum Holstein das Holsteinisch - Laus enburgische Obergericht zu Glückstadt, für die Stadt Allona jedoch der dortige Oberpräsident, und für das Herzogthum Lauenburg die Lauenburgische Regierung zu Ratzeburg.

S. 9. An Unterhaltungskosten wird für jeden auszuliefernden Deserteur von dem Tage der Verhaftung bis zum Tage seiner Auslieferung einschliesslich, dänischer Seits für den Tag 16 Rbis. Silbermünze, oder 5 Lss., für ein Cuirassierpferd i Scheffel Hafer, '9 Pfi. Heu und 6 Pfu. Stroh, für ein Lanzenier Dragoner- und Husarenpferd aber täglich 7 Scheffel Hafer, 7 Pfd. Heu und 6 Pid. Stroh, dänisch Maafs und Gewicht gut gethan, und Mecklenburg-Strelitzischen Seits für den Deserteur täglich 54 (s. neue

Stücke zu voll angenommen, für ein Cuirassierpferd aber täglich Scheffel Hafer, 9 Pfd. 9 Loth Heu und 6 Plu. 6 Loth Stroh, für ein Lanzenier-, Dragonerund Husarenpferd aber täglich Scheffel Hafer, 7 Pfa. 7 Luth Heu und 6 Pld. 6 Loth Stroh, Lübecksches Maass und Gewicht, gut gethan.

Die Berechnung der Futterkosten geschiehet nach den Marktpreisen des Orts, oder der nächsten Stadt, wo die Arretirung vorgenommen ist, und die Bezahlung erfolgt ohne die geringste Schwierigkeit, gleich bei der Auslieferung.

Wenn auf die auszuliefernden Deserteur's nach ihrer zum Zweck der Auslieferung erfolgten Verhaftung, wegen Krankheit, höhere Verpflegungskosten haben verwandt werden müssen, so werden diese ebenfalls sofort bei der Auslieferung, jedoch auf den Grund einer mitzutheilenden besonderen Berechnung er'stattet.

S. 10. Ausser diesen Kosten und der im nachstehenden S. 11. bemerkten Belohnung kann ein mehreres unter irgend einem Vorwaude, wenn auch gleich der auszuliefernde Manu unter den Truppen des Staates, der ihn auszuliefern hat, angeworben seyn sollte, etwa wegen des Handgeldes, genossener Löhnung,

Bewachung und Fortschaffung, oder wie es sonst Na- 1823 men haben möchte, nicht gefordert werden.

S. 11. Dem Unterthan, welcher einen Deserteur einliefert, soll eine Gratification von 6 Rbthlr. 4 Mk. in Silbermünze oder, in so weit es das Herzogthum Lauenburg betrifft, von 4 Rthlr. 8 Lls. Hamburger Courant (Mecklenburg - Strelitzischer Seite von 4 Rthlr. 18 (s. N.ß zu voll angenommen) für einen Mann ohne Pferd, und von 13 Rbth. 2 Mk. in Silbermünze oder, in soweit es das Herzogthum Lauenburg betrifft, von 8 Rthlr. 16 [s. Hamburger Courant (Mecklenburg - Strelitzischer Seits von 8 Rthlr. 36 (s. N. Í zu voll angenommen) für einen Mann mit den Pferde verabreicht, von dem ausliefernden Theile vorgeschossen, und sofort bei der Ablieferung wieder erstattet werden.

In Rücksicht anderer ausgetretener Militairpflichtigen, die nicht nach S. 2. in die Classe der eigentlichen Deserteurs gehören, fällt dieses Cartelgeld weg.

S. 12. Ueber den Empfang der $. 9 und 11 gedachten Kosten und Gratifications - Erstaltung, hat die ausliefernde Behörde zu quitiren. Des etwa nicht sofort auszumittelnden Betrages der zu erstattenden Unkosten halber, ist aber die Auslieferung des Deserteurs, wenn derselben sonst kein Bedenken entgegensteht, aufzuhalten.

S. 13.' Allen Behörden, besonders den Gränzbehörden, wird es zur unverbrüchlichen Pflicht gemacht, auf die jenseitigen Deserteurs ein wachsames Auge zu haben, und daher einen jeden, aus dessen Aussagen, Kleidung, Waffen, oder anderen Anzeigen sich ergiebt, dals er ein solcher Deserteur sei, sogleich, ohne erst eine Requisition deshalb abzuwarten, unter Aufsicht zu stellen, oder nach Umständen zu verhaften,

S. 14. Alle, die nach der Verfassung der beiderseitigen Staaten, Reserven oder Landwehr- und üherhaupt Militairpflichtig, und welche sich von Zeit der Publication dieser Convention an, in die Lande Sr. Majestät des Königs von Dännemark, und Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs von MecklenburgStrelitz, oder zu den Truppen eines der paciscirenden Slaaten begeben, sind, auf vorgängige Reclamation, der Auslieferung ebenfalls unterworfen, und es soll

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1823 mit dieser Auslieferung im übrigen , sowohl in Hin

sichl der dabei zu beobachtenden Form, als auch wegen der zu erstattenden Verpflegungskosten, eben so gehalten werden, wie es wegen Auslieferung miliiairischer Deserteurs in dieser Convention bestimmt ist,

Bei allen solchen Auslieferungen aber, welche von der Obrigkeit auf jenseitige Requisition bewirkt werden, wird ein Cartelgeld nicht entrichtet.

S. 15. Den beiderseitigen Behörden, und Unterthanen ist es strenge untersagt, Deserteure, oder solche Militair pflichtige, die ihre desfallsige Befreiung nicht hinlänglich nachweisen können, zu Kriegsdiensten anzunehmen, deren Aufenthalt zu verheimlichen, oder dieselben, um sie etwanigen Reclamationen zu entziehen, in entferntere Gegenden zu befördern. Auch wird es nicht gestattet werden, dass von irgend einer fremden Macht dergleichen Individuen, innerhalb der Staaten der contrahirenden Theile, angeworben werden.

Auch soll die Niederlassung Königl. dänischer Unterthanen im Grossherzogl. Mecklenburg-Strelitzischen Gebiele, und Grossherzogl. Mecklenburg-Strelitzischer Unterthanen in den Königl. dänischen Staaten nur daun gestattet werden, wenn selbige nachgewiesen haben, dass sie entweder überall nicht militairpflichtig sind, oder dass sie ihrer Militairpflicht in ihrem Vaterlande genügt haben.

S. 16. Wer sich der wissentlichen Verhehlung eines Deserteurs, oder Militairpflichtigen, und der - Beförderung der Flucht desselben, schuldig macht, wird mit einer nachdrücklichen Geld- oder Gefängnilsstrafe belegt.

S. 17. Gleichmässig ist es den Unterthanen beider contrahirenden Staaten untersagt, von einem jenseitigen Deserteur Pferde, Sattel und Reitzeug, Armatur- und Muntirungsstücke zu kaufen, oder sonst an sich zu bringen. Der Uebertreter dieses Verbots wird nicht allein zur Herausgabe dergleichen an sich gebrachten Gegenstände, oder zur Erstallung des Werths, olue den mindesten Ersatz angehalten, sondern überdiess, wenn er wissentlich von einem Deserteur etwas gekauft oder an sich gebracht hat, mit Geld- oder Gefängnissstrafe bclegt.

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