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das Schicksal den Einwohnern geäußert, und stets werden sich diese dankbar des erhabnen Menschenfreundes, Sir Jofeph Banks, erinnern, der bey dieser Gelegenheit ihr Förderer war. Dessenungeachtet fand kein Handels- Verkehr zwischen den Englåndern und Isländern Statt, und es trugfich unglücklicherweise zu, daß der erste Besuch, den sie von unsern Landsleuten erhalten sollten, wenig dazu geeignet war,) ihnen vortheilhafte Meinungen von uns einzuflößen. Denn fo wohlthätig auch die Absicht unsrer Regierung war, so ers folgte doch keine öffentliche Bekanntmachung derselben, und die Isländer waren daher dem Angriffe unsrer Kaper ausges feht. Einer von ihnen, befehligt von Capitain Gilpin, landete 1808 mit gewaffneter Macht, und nahm aus den öffentlichen Kassen ungefähr 30,000 Rthlr., welche zur Erhal tung der Schulen und des Armenwesens bestimmt waren. Sehr verschieden von dieser Unternehmung war die Absicht des Mr. Shelps, eines ausgezeichneten und geachteten Kaufmanns in London, der zufällig von (dem Helden dieser Begebenheiten) Jürgensen erfuhr, daß eine große Menge Isländischer Produkte in den Håfen dieser Insel zur Ausfuhr fertig liege, und den Entschluß fasste, eine direkte Kommu nikation zu eröffnen, welche für beyde Theile gleich ersprießlich war. Ohne Verzug rüstete er in Liverpool ein Schiff, Namens the Clarence; aus, und, um allen Hindernissen zu entges hen, fuchte er noch Jürgensens Rath, und erhielt von der Regierung die Erlaubniß, keine andre Artikel auszuführen, als solche, die zum Unterhalt der Einwohner nothwendig erz forderlich waren, wie Mehl, Kartoffeln, Salz und einen fehr kleinen Vorrath von Rum, Tabak, Zucker und Kaffe, der nicht über 10 Tonnen ausmachte, indem er sich besonders in Acht nahm, keine brittischen Manufakturwaaren mitzus, nehmen, und dadurch der Beschuldigung Raum zu geben, er wünsche die Insel zur Niederlage verbotner Waaren zu machen, um sie von dort allmählig in den Kontinent einzuschmuggeln.

Das Schiff war mit einem Kapérbriefe versehen, aber um die achtungwürdige Absicht des Kaufmanns zu beweisen, war es ausdrücklich von dem Eigenthümer ausbedungen worden, daß der Capitain, Mr. Jackson, weder in den Häfen von Island, noch im Gesichte seiner Küste ein Schiff aufbringen. folle; die Verlehung dieser Bedingung ward mit 8000 Pfund vervont. Mit diesem Schiffe segelte Jürgensen selbst, den seine Kenntniß der dänischen Sprache und seine Kunde in dergleichen Geschäften besonders brauchbar machte, nebst einem Engländer, Mr. Savigniac, ab, welchen man als Supercargo brauchte. *) Das Schiff segelte in den lezten

*) Jürgen Jürgensen ist der Sohn eines sehr geschickten und wohlhabenden Uhrmachers in Kopenhagen, und kam früh in den brittischen Dienst als Lehrling der nautischen Kunst; er diente auf verschiednen Schiffen, um sich in der Schifffahrts kunde zu vervollkommnen, trat darauf in unsre Marine, in der er, nach vielem hartem Dienste, auf manchen langen und schwierigen Reisen, vollkommene Kenntniß des Seewesens und der Seegeseße von Großbritannien erwarb, und, seinen eignen Ausdrücken zufolge, mit der Kenntniß der nautischen Angeles genheiten auch die Grundsäße und Vorurtheile der Engländer einsog. In einem Alter von 25 Jahren, nach 10 bis 12jáhrisTM ger Abwesenheit in brittischen Diensten, kehrte er 1806 nach Kopenhagen zurück. Hier gab er sich so wenig Mühe, seine politischen Meinungen in Rücksicht auf England zu verbergen, daß er sich eine große Menge von Feinden machte, indem er seine Parteylichkeit für ein Land, unter dessen Flagge er vor Kurzem und so lange gedient hatte, und sehr offen seinen Unwillen über die Tyranney und Usurpation der Franzosen erklärte, einer Nation, deren Meinungen und Gründsöße er von dem größten Theil seiner Landsleute gebilligt fand. Kurz nach der leßten Expedition von Großbritannien gegen Kopens hagen trat der Kronprinz in Off- und Defensiv-Allianz mit Frankreich, und da ein Aufruf an alle Personen von jedem Range und Stande von 18 bis 50 Jahren, um auf eine oder auf die andre Art dem Vaterlande zu dienen, erlassen

Lagen des Decembers ab, und traf in Island im Anfang des folgenden Monats Januar 1809 ein. Die Jahreszeit wurde für so gefährlich gehalten, daß Mr. Shelps Keinen finden konnte, der die ganze Ladung håtte affekuriren wollen. Da sie sich vorstellten, daß die Regierung der Insel weniger Schwierigkeiten bey der Ertheilung der Erlaubniß zum freyen und offnen Handel zwischen den Einwohnern und dem Supers cargo machen würde, wenn es den Anschein håtte, als ges hörten die Waaren Neutralen, fo hielt man es für das Befte, die amerikanische Flagge aufzuziehen, und Schiffspapiere dieser Nation vorfuzeigen. Aber dieser Versuch glückte nicht, denn die Erlaubniß, irgend einen Theil der Ladung zu ldschen, ward eben so peremptorisch verweigert, wiewol bes kannt war, daß das Land an verschiednen an Bord befindlt= chen Artikeln im höchsten Grad Mangel litt. Unter diesen Umständen wurde die brittische Flagge aufgefeßt, und die Lis cenz vorgelegt, aber mit eben so wenig Erfolg, und Mr. Savigniac, der zu keinem Aeußersten schreiten wollte, war im Begriff, nach England zurückzukehren, als die Eins gebornen so dringend ihren Wunsch ausdrückten, die Güter

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ward, so übernahm auch Jürgensen das Kommando des `Admirals Imel, eines Kapers von 28 Kanonen, mit dem er in die Gewalt zweyer brittischer Kriegsschiffe, Sappho und Clio, gerieth. Er griff sogleich das erstere an, musste aber nach einem Gefechte von 41 Minuten seine Flagge streis chen, und ward als Gefangener nach Yarmouth gebracht. Von dort kam er nach London, wo er sein Ehrenwort gab, und dem zufolge rubig blieb, bis die Umstände, welche hier folgen, eintraten, ihn zweymal veranlassten, das Königreich ohne Erlaubniß der Regierung zu verlassen, und folglich sein Wort zu brechen; wiewol er es nicht in der Absicht that, ges gen Großbritannien zu dienen, sondern, wie der Ausgang das Erstemal, und seine Isländische Proklamation das Zweytemal .1 zeigte, immer mit dem Entschluß, nach England zurückzw kehren.

gelandet zu sehen, daß er es für passend hielt, um der Rez gierung ein Gefühl von Pflicht und Interesse einzuflößen, den Capitain Jackson von der Clausel im Kontrakte, welz che ihm verbot, Prisen in Island zu machen, zu entbinden. Dieser begann darauf die Feindseligkeit, indem er eine dånis sche Brigg aufbrachte, die gerade von Norwegen mit Pros viant einlief. Die Regierung-Beamten, welche jezt ihre Lage überdachten, und mehrere åhnliche Aufbringungen bes sorgten, sahen sich nun gensthigt, einen Vertrag zu schließen, welcher die Eröffnung eines Handels-Verkehrs zwischen den Einwohnern von Reikavik, und, Hrn. Savigniac verstats tete; eine Maßregel, die jedoch von wenigem Erfolge war, da die Eingebornen, schüchtern durch die Drohung der Rea gierung-Beamten, sich in keinen Handel mit den Engländern einzulassen wagten. Alles ging, wie zuvor, durch die Hånde der dänischen Mäkler, die gerade so viel kauften, als sie für eigenen unmittelbaren Gebrauch bedurften. Wie hart dies war, wird man leicht ersehen, wenn man weiß, daß von allen verschiednen Artikeln am Bord der Clarence nur zwey, nämlich Salz und Korn, auf irgend eine Art den Isländern verschafft werden konnten, und daß das leßtere ganz einem Monopol der Regierung überlassen, und zu keinem gerins gern Preise als 22 Rthlr. per barrel zu erkaufen war, einem Preise, der in der That einem Verbote gleich kam, und es ganz außer dem Bereich selbst Vieler aus den höhern Klassen der Einwohner sehte. Mr. Savigniac bot dagegen das feinige tief unter der Hälfte dieses Preises aus, aber er fand keinen Käufer, und konnte sich eben so wenig einige Isländische Produkte zum Austausch verschaffen. So ganz in seinen Erwartungen getåuscht, sah er sich zu dem Entsœluß genöthigt, selbst in dem Lande zu bleiben, seines Geschäfts wahrzunehmen, und bessere Zeiten zu erwarten, während Mr. Jürgensen mit der Clarence mit Ballast nach England zurückkehrte, nachdem jedoch die dänische Brigg zuvorderst

ihren Eigenthümern wiedergegeben war. Der Gouverneur, Graf Trampe, der unterdessen in Kopenhagen gewesen, erfuhr diese Unterhandlung bey seiner Rückkehr nach Island am 6. Junius 1809, und er erklärte darauf: so sehr er über eine solche Konvention betroffen sey, so wolle er doch die Heis ligkeit des Vertrags anerkennen, und gedenke nicht, den brits tischen Unterthanen die dadurch erlangte Befugniß zu schmås lern, wiewol Mr. Savigniac selbst der Konvention ents gegengehandelt, und ihm långst hinreichende Ursache zur Aufhebung desselben gegeben håtte. Im Anfange des nåmlichën Monats traf Capitain Nott mit S. M. Kriegs-Sloop, the Rover, in dieser Gegend ein, und am 16. schloß er einen Vertrag mit dem Grafen Trampe, wodurch bestimmt ward, brittische Unterthanen sollten während des Kriegs Erlaubniß zum freyen Handel auf der Insel haben, aber zugleich den danischen Gefeßen unterworfen seyn. Der Gouverneur veri fichert uns in seinem Berichte, er habe sogleich Ordre geges ben, eine Menge Abschriften dieser Konvention zu drucken, und in allen Theilen der Insel zu verbreiten, da aber das Land nur eine Presse besiße, die viele Meilen von Reikavik entfernt sey, so habe er sie beyden Amtmånnern, Mr. Thoransen und Mr. Stephensen, bekannt gemacht, und eben so dem Landvogt Mr. Frydersberg und dem Sysfelmann Koefoed Befehl ertheilt, sie in der Nachbarschaft zu publiziren. *)

*) Der Verfasser bemerkt hier, daß er, ohne die Aufrichtigkeit und guten Absichten des Grafen in Zweifel ziehen zu wollen, doch nicht unterlassen könne, zu bemerken, daß eine sehr große Nachlässigkeit stattgefunden haben müsste, denn die Konvenz tion sey noch nach fünf Tagen nicht gedruckt gewesen, wiewol A die Hälfte dieser Zeit hingereicht haben würde, ja es sey sos

gar eine Proklamation auf dem Lande verbreitet, und in der `Stadt angeschlagen gefunden, welche den Eingebornen bey Todesstrafe den Handel mit Engländern verboten hätte. Die Europ. Annalen. 1ßtes Stück. 1816.

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