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Sechster Nachtrag zur Aichordnung

vom 19. December 1872.

Zu §. 2.

Hölzerne Schnittwaarenmaße von 05 Meter Länge betreffend. Hölzerne Schnittwaarenmaße von 0.5 Meter Länge können an ihren mit Metallkappen versehenen Enden keilförmig zugeschärft hergestellt werden.

3u §§. 5 bis 8 und 11.

Die Zulassung von Flüffigkeitsmaßen von 2 Liter abwärts aus emaillirtem Eisenblech betreffend.

Flüssigkeitsmaße von 2 Liter abwärts können auch aus emaillirtem Eisenblech, in den für die correspondirenden aus Weißblech hergestellten Maße vorgeschriebenen Dimensionen hergestellt werden.

Die Maße müssen an der inneren und äußeren Oberfläche mit Einschluß des Henkels, und zwar an der inneren Oberfläche in weißer Farbe, emaillirt, und muß die Bezeichnung des Inhaltes, sowie die Fabriksmarke, leztere auf der äußeren Bodenfläche eingebrannt sein. Bezüglich der Form dieser Maße gelten die in §. 7 der Aichordnung enthaltenen Bestimmungen.

Der obere Rand ist durch Umbiegung des Bleches nach Außen gebildet, der untere Rand durch eine geringe Ausbiegung der Gefäßwand zu einem Fuße geformt; in diese Ausbiegung ist der Boden eingesetzt und dessen Verbindung mit der Gefäßwand durch die Emaillirung gesichert.

Die Marken, durch welche der Stand des Flüssigkeitsspiegels bei richtiger Füllung bezeichnet wird, bestehen aus zwei in der Richtung des Henkeldurchmessers diametral gegen= überliegenden horizontalen Strichen von 15 bis 20 Millimeter Länge, über welche, in deren Mitte, ein Halbkreis von 3 bis 5 Millimeter Durchmesser gesezt ist. Diese Marken müssen in dunkler Farbe eingebrannt sein.

Die Zinntropfen zur Aufnahme der Stämpel sind auf einem schmalen Blechstreifen aufgesezt, welcher unterhalb des oberen Randes an der äußeren Wand befestiget und gleichfalls mit Email überzogen ist.

3u §. 15.

Die Handhaben bei Hohlmaßen für trockene Gegenstände betreffend.

Daubenmaße von 20 Liter Inhalt können mit Handhaben in der für die Daubenmaße von 1/4 Hektoliter und 0.5 Hektoliter Inhalt vorgeschriebenen Weise versehen werden. Bei Spanmaßen kann eine der beiden Handhaben auch am oberen Rande des Maßes angebracht werden und ist durch Vernietung mit dem daselbst befindlichen eisernen Reifen und dem Spane zu befestigen.

3u §. 28.

Die Schnellwagen betreffend.

An die Stelle der in der Aichordnung vom 19. December 1872 befindlichen Fassung des §. 28 tritt die nachfolgende:

B. Schnellwagen.

Bei diesen Wagen wirkt die Last auf den kürzeren Arm eines ungleicharmigen mit seiner Drehungsare in einer Scheere ruhenden Wagebalkens und wird die Gleichgewichtslage durch Verschiebung eines unveränderlichen Laufgewichtes auf dem längeren mit einer oder zwei Skalen versehenen Hebelarme herbeigeführt. Die Schnellwagen müssen außer den allgemeinen Bedingungen des §. 25 noch folgenden Anforderungen entsprechen:

1. Sämmtliche Schneiden müssen untereinander parallel sein und zur Längenaxe des Wagebalkens senkrecht stehen. Die Schärfen der drei bei jeder Wägung in Anspruch genommenen Schneiden müssen in einer Ebene liegen.

2. Die an der Scheere und den Gehängen befindlichen Lager der Schneiden müssen bei frei spielender Wage in gleicher Höhe liegen.

3. Die Mittellinie der Zunge, deren Breite jener der Scheere gleich sein soll, muß auf einer durch die Schärfen der Schneiden gelegten geraden Linie senkrecht stehen. Die Länge der Zunge, von der Drehungsare des Wagebalkens gemessen, soll wenigstens das ein- und einhalbfache der Länge des kürzeren Hebelarmes betragen und zwar, wenn die Wage zwei Skalen trägt, des zu der Skala für die kleineren Lasten (der sogenannten leichten Seite) gehörigen Armes.

4. Das Laufgewicht ist in Gestalt einer Kugel oder birnförmig aus Gußeisen herzustellen, muß eine glatte, reine, ohne Poren verlaufende Oberfläche haben und, wenn dasselbe vom Wagebalken abnehmbar ist, eine mittelst Aichpfropf geschlossene Justirhöhlung besigen. 5. Die Verbindung des Laufgewichtes mit der Wage muß vermittelst einer auf dem längeren Arme verschiebbaren Hülse hergestellt sein, an welcher sich eine deutlich erkennbare Marke befindet, welche eine sichere Einstellung an der Theilung der Skala gestattet.

Mit der Hülse muß eine Schneide fest verbunden sein, auf welcher ein gabelförmiges Gehänge ruht, dessen unteres Verbindungsstück mit einer Oese versehen ist, in welche das mit einem eingegossenen Haken versehene Laufgewicht eingehängt wird.

Die Hülse darf vom Wagebalken nicht abschiebbar sein, und das Gehänge muß mit der Hülse in untrennbarer Verbindung stehen.

Das Gesammtgewicht des Laufgewichtes und des mit demselben verbundenen Hakens muß eine ganze Zahl von Kilogramm betragen und diese Zahl mit Beisezung des Buchstabens K und Vorsehung des Buchstabens L in der Form L. . K, sowohl auf dem Hacken des Laufgewichtes, als auch auf der Hülse aufgeprägt oder eingravirt sein.

Bei kleineren Schnellwagen ist es gestattet, dem Laufgewichte auch eine Schwere von weniger als 1 Kilogramm zu geben; es muß jedoch in diesem Falle das Laufgewicht mit dem Gehänge untrennbar verbunden sein und die Skala mit 0 beginnen. Das Laufgewicht kann auch in diesem Falle mit einem Aichpfropf versehen sein.

Laufgewichte mit an der hohlen Seite zugeschärften Haken, mittelst dessen dieselben in, am längeren Arme des Wagebalkens angebrachte Kerben eingeseht werden, sind unzulässig. 6. Der zum Aufhängen des zu wägenden Gegenstandes dienende Haken, oder eine zur Aufnahme der Last vorhandene Wagschale, muß mit dem auf der am kurzen Wagbalkenarme befindlichen Schneide ruhenden Gehänge untrennbar verbunden sein.

Dieses Gehänge kann vom Wagebalken abnehmbar sein oder nicht.

Im ersteren Falle muß das Gesammtgewicht des Gehänges und des Hakens eine ganze Zahl von Kilogramm betragen, und diese Zahl mit Beifügung des Buchstabens K und Vorsehung des Buchstabens H, in der Form H . . K, sowohl auf dem Gehänge, als auch auf dem kurzen Arme des Wagebalkens aufgeprägt oder eingravirt sein.

Ist das abnehmbare Gehänge mit einer Wagschale verbunden, so muß entweder die Skala mit 0 beginnen, oder das Gesammtgewicht der Wagschele mit Einschluß der Ketten,

Oefen und des Gehänges eine ganze Zahl von Kilogramm betragen und diese Zahl mit Beisezung des Buchstabens K und Vorsehung des Buchstabens S, in der Form S. . K, sowohl auf der Wagschale, als auch auf dem kurzen Wagbalkenarme eingeprägt oder eingravirt sein.

Ist die Wagschale sammt Gehänge nicht abnehmbar, so muß die Skala mit 0 beginnen.

7. Ist die Wage zur Abwägung kleinerer und größerer Lasten mit zwei Skalen versehen, so sind folgende zwei Constructionsarten zulässig :

a) Die Wage hat zwei Aufhängepunkte und, dem entsprechend, zwei nach entgegengesetzten Seiten gerichtete Zungen und Scheeren, dagegen nur einen Lastpunkt. Bezüglich des auf der Lastschneide ruhenden Gehänges und dessen Verbindung mit einem Haken oder einer Wagschale gelten die in Punkt 6 enthaltenen Bestim

mungen.

b) Die Wage hat nur einen Aufhängepunkt, aber zwei Lastpunkte.

Bei dieser Einrichtung kann die Wage entweder mit zwei nicht abnehmbaren Lastgehängen versehen sein, oder nur mit einem für beide Schneiden dienenden abnehmbaren Gehänge, und gelten für beide Fälle die in Punkt 6 enthaltenen Bestimmungen.

8. Die Skalen der Schnellwagen müssen nach Kilogramm und decimalen Untertheilungen des Kilogramm eingetheilt sein.

Die Untertheilung nach Viertel- und Achtel-Kilogramm ist nicht gestattet.

Die Theilstriche der Skala müssen von einander gleichweit, und zwar nicht weniger als 3 Millimeter abstehen, mit einer von 5 zu 5 oder 10 zu 10 Kilogramm fortlaufenden deutlich ausgeprägten und gut lesbaren Bezifferung versehen, und der ersten und lezten Zahl an jeder Skala der Buchstabe K beigesezt sein. Der Anfangs- und Endstrich jeder Skala muß einer ganzen Zahl von Kilogramm entsprechen.

Trägt die Wage zwei Skalen, so muß der erste Theilstrich der den größeren Lasten entsprechenden Skala mit jener Zahl von Kilogramm beginnen, mit welcher die zu den kleineren Lasten gehörige Skala schließt.

9. Einer besonderen Angabe der größten Tragfähigkeit auf dem Wagebalken bedarf es bei den Schnellwagen nicht, weil die kleinste und größte damit abwägbare Last ohnehin aus den Angaben der Skala ersichtlich ist.

Dagegen ist auf dem Haken des Laufgewichtes, ferner auf dem mit dem Lastgehänge verbundenen Haken, beziehungsweise auf der Wagschale, das Gehänge mag abnehmbar sein oder nicht, die kleinste und größte Tragfähigkeit der Wage, zu welcher der Bestandtheil gehört, durch Angabe des Gewichtswerthes des ersten und legten Theilstriches der Skalen mit Vorsehung des Buchstabens T und Buchstabens K in der Form T. K in ver tiefter Schrift ersichtlich zu machen.

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10. Das Gewicht eines abnehmbaren Bestandtheiles darf von der darauf angegebenen Sollschwere, welche stets eine ganze Zahl von Kilogramm betragen muß, bei einer Schwere von 1 Kilogramm und 2 Kilogramm um nicht mehr als die beim Handelsgewichte zugelassenen Fehlergränzen, bei größerer Schwere um nicht mehr als 180 Milligramm für jedes Kilogramm im Mehr oder Weniger abweichen.

Uebergangsbestimmungen.

Neue Schnellwagen, welche noch nach Maßgabe der Vorschriften des §. 28 der Aichordnung vom 19. December 1872 hergestellt sind, dürfen noch bis 1. October der Aichung und Stämpelung unterzogen werden. Es muß jedoch die in Punkt 9 der neuen Vorschrift

vorgeschriebene Bezeichnung der Tragfähigkeit auf den dort erwähnten Bestandtheilen, so wie die in den Punkten 5 und 6 dieser Vorschriften vorgeschriebene Bezeichnung des Gewichtes der abnehmbaren Bestandtheile in vertiefter Schrift angebracht sein.

Bereits geaichte, nach den Bestimmungen des §. 28 der Aichordnung vom 19. December 1872 hergestellte Schnellwagen werden auch fernerhin, wenn sie sonst als richtig befunden werden, zur Nachaichung zugelassen, sobald auf denselben der Stämpel der früheren Aichung noch vorhanden ist, und die in den Punkten 5, 6 und 9 dieser Vorschriften vorgeschriebenen Bezeichnungen angebracht sind.

3u §. 29.

Die Centefimal-Brückenwagen betreffend.

Bei Centesimal-Brückenwagen muß die am Ende des Uebertragungshebels befindliche Schneide, mittelst welcher derselbe auf dem an der Zugstange befindlichen Gehänge ruht, entweder untrennbar mit dem Uebertragungshebel verbunden, oder die Verbindung in der Art hergestellt sein, daß die Unverrückbarkeit der Schneide durch Stämpelung gesichert werden kann.

3u §. 32.

Die Stämpelung der Schnellwagen und der Centesimal-Brückenwagen betreffend.

Bei Schnellwagen sind zu stämpeln: der Wagebalken am ersten und lezten Theilstrich jeder Scala; die Hülse und der Haken des abnehmbaren Laufgewichtes, sowie der Aichpfropf am Laufgewichte; ferner das abnehmbare Lastgehänge, oder, wenn dasselbe nicht abnehmbar ist, der Lasthaken, beziehungsweise die Wagschale.

Bei Centesimal-Brückenwagen ist die Unveränderlichkeit der Verbindung des Uebertragungshebels mit der zum Wagebalken führenden Zugstange durch Stämpelung zu sichern, im Falle die am Ende des genannten Hebels befindliche Schneide nicht untrennbar mit demselben verbunden ist.

3u §§. 41-45.

Die Zulassung von Gasmessern betreffend.

Zur Aichung und Stämpelung werden auch die von Friedrich Klingmüller in Prag construirten Gasmesser zugelassen, bei welchen die Messung des Gases durch zwei bewegliche, unten offene Blechkästen (Glocken), welche in einem in zwei Kammern (Meßkammern) getheilten gasdichten Gehäuse eingeschlossen sind, erfolgt.

Innerhalb jeder Glocke befindet sich eine mit dem Boden des Gehäuses verbundene, oben offene Kammer, deren Wände mit jenen der oberwähnten Meßkammern einen engen mit Flüssigkeit gefüllten Zwischenraum bilden, in welchem sich die Seitenwände der durch Gegengewichte entlasteten Glocken auf und ab bewegen. Die Flüssigkeit bewirkt den gasdichten Abschluß zwischen dem inneren Raume der Glocken und dem außerhalb derselben liegenden Raume der Meßkammern, wobei die Höhe des Flüssigkeitsstandes keinen Einfluß auf die Größe der messenden Räume hat. Ueber den Meßkammern befindet sich ein abge= sonderter Raum, in welchem die Uebertragung der durch den Druck des einströmenden Gases eingeleiteten auf- und abgehenden Bewegung der Glocken auf Vertheilungsschieber und das Zählwerk, in ähnlicher Weise wie bei den trockenen Gasmessern stattfindet.

Bezeichnung und sonstige Beschaffenheit.

Behufs Zulassung dieser Gasmesser zur Aichung und Stämpelung wird erfordert, daß: a) die Registrirung der durchgehenden Gasmenge nach Kubikmeter stattfindet, und dies auf dem Zählwerke bemerkt sei;

b) auf jedem Gasmesser der Name und Wohnort des Verfertigers, sowie die Fabriksnummer angegeben, ferner

e) die Ein- und Austrittsstelle des Gases als solche bezeichnet sei;

d) daß die Summe der messenden Räume bei einem Gasdrucke von 40mm Höhe der Wassersäule in der Form: J Liter, sowie das größte Gasvolumen, welches derselbe pro Stunde durchzulassen bestimmt ist, in der Form V=

=

Kubikmeter

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auf dem Gasmesser angegeben sei;

daß der von dem gasdichten Gehäuse eingeschlossene Raum, sowie das Zählwerk nicht ohne Verletzung der später anzubringenden Stämpel zugänglich sei, und die einzelnen Zifferblätter des Zählwerkes nur Zahlen enthalten, welche die zu messende Gasmenge in Kubikmeter angeben; überdies muß noch eine Einrichtung vorhanden sein, um kleine Raumtheile des durchgegangenen Gases bis zu derjenigen Größe herab, welche zur genauen Bestimmung des etwa vorhandenen Fehlers erforderlich ist, bestimmen zu können;

f) daß eine Vorrichtung vorhanden sei, durch welche, sobald das Niveau der Sperrflüssigkeit durch Ablassen derselben bis zu einer gewissen Gränze sinkt, der Durchgang des Gases verhindert wird.

Stämpelung und Fehlergränze.

Die Stämpelung darf nur dann erfolgen, wenn die Abweichung der von dem Zählwerke registrirten Gasmenge von der wirklich durchgegangenen Gasmenge nicht mehr als höchstens zwei Percent im Mehr oder Weniger beträgt.

Die Stämpelung hat durch mehrfaches Aufschlagen des Stämpels auf Zinntropfen in der Art zu geschehen, daß weder das Zählwerk noch der innere Raum des gasdichten Gehäuses ohne Verlegung der Stämpel zugänglich sind, und eine Abtrennung des die vorgeschriebenen Bezeichnungen tragenden Schildes unmöglich ist.

3u §§. 50 bis 52.

Die Mehrahmen für verkleinertes Brennholz betreffend.

Meßrahmen für verkleinertes Brennholz werden auch in der Größe von 0.05 Quadratmeter zur Aichung und Stämpelung zugelassen. Sie sind mit den Dimensionen: Höhe 200 Millimeter, Länge = 250 Millimeter herzustellen mit der aufgebrannten Bezeichnung: 0.05 M. zu versehen und darf die Abweichung von den vorgeschriebenen Dimensionen 3 Millimeter nicht überschreiten.

=

Bei allen Meßrahmen für verkleinertes Brennholz von 0.05 bis 4 Quadratmeter Größe muß die Breite der Rahmenstücke mindestens 150 Millimeter, die Dicke derselben mindestens 25 Millimeter betragen.

Die Meßrahmen von 0.05 bis 0.5 Quadrat-Meter Größe können auf der einen Seite mit einem Boden versehen werden, welcher das Tragen derselben mittelst Traggurten gestattet.

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