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Inhalt.

Seite Dritter Bericht an die Historische Commission des Börsenbereins der Deutschen Buchhändler. Bon Friedrich Sapp.

1 Buchdruď und Buchhandel in Brandenburg-Preußen, namentlich in Berlin, in den Jahren 1540—1740. Von Friedrich Rapp

7 Ambrosius Froben von Basel als Druder des Talmud. Von Heinrich Ballmann,

44 Primus Truber, Hans Freiherr von Ungnad und Genossen. Von F. Herm. Meyer .

62 Die Anfänge des Leipziger Meßtatalogs. Bon Albrecht Kirchhoff 100 Streitigkeiten über die Gewerbsbefugnisse in Leipzig im Jahre 1598 ff. Von Albrecht Kirchhoff ...

123 Zur älteren Geschichte der fursächsischen Privilegien gegen Nachdrud. Von Albrecht Kirchhoff...

146 Die Entwidelung des Buch - Gewerbes in Dorpat. Von Professor Wilhelm Stieda ..

163 Der deutsche Buchhandel gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Bon F. berm. Meyer.

199 Miscelen.

Zur Geschichte des Bücherwesens im 15. Jahrhundert. Mitgetheilt
von Prof. Dr. F. X. Kraus .

250
Zur Kenntniß der Associationsverhältnisse. Von Albrecht Kirchhoff 253
Notiz über den Reiseverkehr im 17. Jahrhundert. Mitgetheilt von
Ed. Krause ..

261 Die Censur des Meßkatalogs. Von Albrecht Kirchhoff

263 Notiz über Büchertaren. Von Þ. Buhl ...

264 Die taiserl. Bücher-Commission zu Frankfurt a. M. und die Leipziger Messe. Von Albrecht Kirchhoff...

264 Patriarchalisches Breßregiment. Von Albrecht Kirchhoff 266 Zur Geschichte der Censur in Preußen im Anfange des 18. Jahr: hunderts. Mitgetheilt von Ed. Krause . .

268

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Dritter Bericht an die Historische Commission des Börsenvereins

der Deutschen Buchhändler.

Seit meinem zweiten Bericht vom 10. März 1880 habe ich unausgeseßt an der Geschichte des Deutschen Buchhandels fortgearbeitet. Da ich während des ganzen Jahres nur am Mittwoch durch eigene Geschäfte in Anspruch genommen war, so benußte ich die mir so reichlich zugemessene freie Zeit ausschließlich zu Studien und Ausarbeitungen für mein Wert und bin deshalb auch in seiner Förderung ein gutes Stück weiter gekommen.

Als die Hauptfrucht meiner Thätigkeit will ich hier gleich im Eingang die Thatsache hervorheben, daß, um mir Bedenken und Zweifel aus dem Kopf zu schlagen und meine Kraft zu erproben, ich im lekten Sommer neben Erforschung der Quellen zugleich angefangen habe, an die Darstellung selbst zu gehen.

Während meines Aufenthalts auf dem Lande bearbeitete ich die neuere Geschichte, resp. Theile meiner Berliner Ausbeute; dagegen nahm ich nach meiner Rückfehr in die Stadt die Anfänge der Buchdruckerkunst und die allmälige Entwicklung der buchhändlerischen Verhältnisse in Angriff. Der Grund dieser Theilung war ein rein äußerlicher: für jenen Zweck reichte ich, auf dem Lande wohnend, mit verhältnißmäßig wenig Hülfsmitteln aus, zu diesem aber war ein reicher Quellenapparat nöthig, der jeden Augenblick zur Hand sein mußte und nur in der Stadt zu finden war. Eine Frucht der auf dem erstgenannten Felde sich bewegenden Arbeiten ist u. A. der Aufsaß über die preußische Preßgeseßgebung von 1815–1840, welcher im 6. Bande des „Archivs für Geschichte des Deutschen Buchhandels" abgedruckt ist; ein Kapitel aus der ältesten Geschichte bildete den wesentlichen Inhalt eines Vortrags über Gutenberg, welchen ich im Laufe des Winters vor dem hiesigen wissenschaftlichen Verein hielt. Viel ist das allerdings noch nicht;

Archiv f. Geich. 8. Deutschen Buchh. VII.

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allein ich bin manche Bedenken und Zweifel los und glaube die richtige Methode der Darstellung gefunden zu haben. Zur Zeit bearbeite ich die Frankfurter Buchhändlermesse des 16. Jahrhunderts und fahre dann mit der Geschichte der in den Frankfurter Acten klar erzählten Kaiserlichen Bücher-Commission fort, welche die Hauptursache des allmäligen Ruins von Frankfurt und der aus ihm hervorgehenden Hegemonie Leipzigs wurde. Leider ist die Zeit bis zur Veröffentlichung des ersten Meßkatalogs (1564) sehr arm an zusammenhängenden archivalischen Quellen. Zerstreute Anekdota, mühsame Mosaitarbeit, unkritische Gemeinpläße und selbst gläubig erzählte und nacherzählte Märchen sind der redende Beweis für das sich nur langsam lichtende Dunkel, welches sich noch über einem großen Theile dieser Periode der Entwicklung des Buchhandels ausbreitet.

Die reichste Ausbeute hat im vergangenen Jahre wieder Basel geliefert, auf welches Ihre Aufmerksamkeit zu richten ich mir schon in meinem vorjährigen Berichte erlaubt hatte.

Abgesehen von den werthvollen Monographien, wie dem Leben der Platter, dem Chronicon des Pellican, welche für meinen Zweck sehr schäßenswerthe Einzelheiten über die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts enthalten, entdeckte mein Mitarbeiter, Herr August Kapp, aus dem Ende jener Zeit eine höchst bedeutende Quelle, welche Herr Regierungsrath Dr. Bischoff daselbst ihm unaufgefordert mittheilte: ein altes Rechnungsbuch des Nicolaus Episcopius, eines Vorfahren des Herrn Dr. Bischoff*).

Herr Dr. Bischoff überließ dieses wichtige Manuscript Herrn August Kapp anfangs unter der Bedingung, daß es als Prachtwert kostenfrei gedruckt und in Basel verlegt würde. Wenn auch zwei von Ihren Mitgliedern, meine Herren von der Commission, sich mit nicht genug zu rühmender Liberalität sofort bereit erklärten, den Druck zu besorgen, und mit ihm zugleich den Verlag zu übernehmen, so entsprach diese lektere Bedingung doch nicht den Wünschen des Herrn Dr. Bischoff, weshalb er denn schließlich die Schweighauser'sche Buchhandlung in Basel mit der Herstellung

*) Anm. d. Red. Dieses für die Geschichte des Buchhandels wichtige und hochinteressante Document ist inzwischen im Verlage von B. Schwabe in Bajel públicirt worden. Die Auslassungen des Herrn Dr. Kapp über dessen Inhalt und Bedeutung sind deshalb hier weggelassen worden.

und Herausgabe des Manuscripts beauftragte, welche in der Person des städtischen Archivars, des Herrn Dr. R. Wadernagel, einen vortrefflichen Herausgeber gewonnen hat. Sicherlich ist noch manche werthvolle Handschrift unter den Schäßen der alten Baseler Geschlechter verborgen, deren Veröffentlichung im Interesse der Wissenichaft liegt. Hoffentlich giebt die Erkenntniß von der Bedeutung der Episcopius'schen Rechnungsbücher und seine günstige Aufnahme in den betheiligten Kreisen Veranlassung zu einer erneuerten Erforschung und Herausgabe derartiger wichtiger Quellen.

Von Archiven habe ich im Mai des vergangenen Jahres zu nächst Frankfurt a. M. wieder besucht, dessen reiche Materialien, soweit sie meinen Zwecken dienen, ich jeßt alle in getreuen Abschriften oder Auszügen besiße. Den Rest der Copien hat Herr þeinrich Pallmann mit gewohnter Pünktlichkeit und diplomatischer Genauigkeit für mich besorgt. Der städtische Archivar, Herr Dr. Grotefend, fam mir auch bei meinem dritten Besuche mit der schon so vielfach erprobten Gefälligkeit überall fördernd und helfend entgegen.

Die erste Hälfte des Juni brachte ich im sächsischen Geh. Staatsarchive in Dresden zu. Auch hier hatte ich mich der freundlichsten Aufnahme und zuvorkommendsten Unterstüßung Seitens des Herrn Archivrath Dr. Poffe zu erfreuen. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts fand ich leider viel weniger Material als ich vorausgeseßt hatte. Einige interessante Fälle von Verfolgungen von Drudern, Censurerlasse und Intercessionen der furfürstlichen Regierung zu Gunsten ihrer Buchhändler bildeten für jene Periode die einzige Ausbeute. Sehr wichtig dagegen schienen mir die regelmäßigen halbjährlichen Meßrelationen, welche ich, soweit sie für den Buchhandel vorhanden waren, bis zum Jahre 1830 wörtlich abgeschrieben habe. Sie sind reich an Einzelheiten über die geschäftliche Entwicklung des Buchhandels und fassen namentlich auch seine Beziehungen zum Ausland ins Auge. Ich hoffe immer noch, bei einem späteren Besuche in Dresden mehr über die Leipziger Verhältnisse zu entdecken.

Was mir zunächst obliegt, ist eine Reise nach Wien, wo id) in dem Reichhofraths-Archiv meine Frankfurter Studien zu ergänzen gedenke. Dort finden sich vielfach die vom Rathe dieser freien Stadt ergangenen Antworten auf Kaiserliche Zumuthungen

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