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1815 errichtete Convention aufhebt, ist die absolute Unmög.

lichkeit in Erwägung gekommen, in welcher sich die Schuldner befinden, ihren Gläubigern, denen sie auf Johannis d. J. grossentheils neunjährige Zinsen rückständig sind, sofort und vollständig gerecht zu werden; dass ein rücksichtloses Verfahren gegen dieselben die auf ihren Gütern eingetragenen Capitalien selbst in Gefahr bringen, und dass um den hieraus entstehenden unglücklichen Folgen vorzubeugen, dem Russischen Gouvernement des Herzogthums Warschau nichts übrig bleiben würde, als gewisse mit dem Interesse der Gläubiger und Schuldner gleich einverstandene Zahlungs - Modificationen vorzuschreiben, Die hohen contrahirenden Theile haben es nöthig gefunden, sich über solche ZahlungsModalitäten zu verständigen, und sind über folgende Puncte übereingekommen.

Art. 1. Es wird sämmtlichen Schuldnern, sowohl denen, deren Capitalien in der Bayonner Convention befangen gewesen sind, als auch den übrigen im Herzogthum Warschau befindlichen Schuldnern Preussischer Unterthanen, in Rücksicht des Capitals, ein, von Weihnachten dieses Jabres ab, zu rechnendes sechsjähriges Moratorium ertheilt. Während dieser Zeit findet die Aufkündigung keines Capitals statt; nach Ablauf dersel

zu den Bayonner Summen gerechnet, und mit Beschlag belegt worden sind, müssen sich zwar, so wie diese Instituie selbst diejenigen Summen, welche ihr Schuldner an den Schatz des Herzogthums Warschau, es sey auf Capital eoder Zinsen, durch authentische Quittungen gezahlt zu baben nachweiset, auf Capital und Zinsen in Abzug bringen lassen; sie zeigen aber diesen Abzug der 2ten Section des Ministerii der auswärtigen Angelegenheiten zu Berlin an, welcbes den Ersatz dieser in Abzug gebrachten Summen von der Regierung des Herzogthums Warschau erhalten und den Eigenthümern zustellen las sen wird.

5. Die Gläubiger der Unterthanen des Herzogthums Warschau müssen sich übrigens denjenigen, durch Zeit und Umstände nöthig gewordenen Maassregeln unterwerfen, welche die Rettung ihrer Capitalien und die Erbaltung der Gutsbesitzer im Herzogibum Warschau erfordern, und von den hoben contrabirenden Mächten zur Abschliessung alles künftigen Missverstandes in den nachfolgenden additionellen Artikeln verabredet worden sind. Wien den 17ten April 1815.

Der Staatscanzler
C. FÜRST VON HARDENBERG.

n kann jährlich nur der vierte Theil des Capitals von 1815 en herab gekündiget werden.

Art. II. Der Zinsfuss wird für die Dauer des Morariums auf vier vom Hundert gesetzt, ohne Rücksicht, elcher Zinsfuss in der Obligation verschrieben ist.

Art, III. Was die Zipsen seit dem Jahre 1806 be-, ifft, so soll die eine Hälfte derselben in gleiche Theile ertheilt, binnen sechs Jahren, von Weihnachten dieses abres ab gerechnet, mit den laufenden Zinsen zngleich bgeführt werden. Die zweyte Hälfte sind die Credipren erst dann zu fordern berechtigt, wenn die Regieung den Schuldnern die Kriegslieferungen, Vorschüsse ind sonstige Leistungen vergüten wird. Diese Vergüigung bestimmt zu gleicher Zeit die Art und Weise, in welcher diese zweyte Hälfte bezahlt werden muss; dergestalt, dass die Creditoren immer auf den ganzen Berag dieser Vergütung, 80 weit sie zur Deckung dieser weyten Hälfte nöthig ist, Ansprüche behalten.

Art. IV. Damit ein Debitor, welcher mit Rechtichkeit bemüht gewesen ist, seinen Verpflichtungen nach Kräften zu genügen, nicht härter wie ein säumiger Zahler bebandelt wird; so ist man übereingekommen, dass Alles, was bereits auf die seit Johannis 1806 erwachsenen Zinsen bezahlt worden ist, auf die zu zahlende erste Hälfte der Zinsen gerechnet werden kann, jedoch so, dass der Rest dieser Hälfte nach der Bestimmung des Artikel III. mit Weihnachten dieses Jahres anzufangen, berichtiget werden muss.

Eine Reclamation dessen, was der Debitor einmahl an Ziusep über die erste Hälfte gezahlt hat, findet aber unter einen Umständen statt.

Art. V. Die Debitoren, welche der in dem Art. I. bis lll. enthaltenen Begünstigungen theilhaftig werden wollen, müssen bey der Publication dieser Convention sofort den in derselben enthaltenen Bestimmungen gepügen, und binnen fünf Monaten, vom Tage der Publication an gerechnet, ihren Creditoren eine authentiscbe gerichtliche Erklärung aushändigen, in welcher sie sich ohne Process der Execution für den Fall voterwerfen, dass sie ihre Verbindlichkeiten nicht auf das strengste erfüllen; dergestalt, dass eine Zahlungs-Verzögerung von vier Wochen dem Creditor das Recht giebt, sogleich mit der Execution zu verfahren.

Art. VI. Seine Majestät der Kaiser aller Reussen

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1815 erkennen die in den vorstehenden Artikeln enthaltenen

Zahlungs-Erleichterungen zur Erhaltung wohlgesinnter Schuldner für hinreichend, und es ist Ihr Wille, nie einem Schuldner eines Preussischen Unterthans grössere Zahlungs-Beneficien zu bewilligen oder zu gestatten, dass solche bewilliget werden. Seine Kaiserliche Majestät wollen im Gegentheil, dass den Tribunalen ausdrücklich befohlen werde, nach dem Inhalte dieser Convention gute und schnelle gerichtliche Hülfe zu leisten.

Art. VII. Die in diesen additionellen Artikela epthaltenen Stipulationen sollen dieselbe Kraft haben, als wenn sie von Wort zu Wort in dem Hauptvertrag von diesem Tage, welcher die Convention von Bayonne vernichtet, aufgenomen wären.

Zu dessen Beglaubigung haben die resp. Bevollmächtigten dieses gezeichnet und mit ihren Siegeln versehen.

Geschehen zu Wien , den 30sten März 1815.
C. FÜRST V. HARDENBERG.

JOHANN V. ANSTETT.

24. 5 Avril. Convention entre S. M. l'Empereur

d' Autriche et S. M. le Roi de Wurtemberg sur le passage des troupes Autrichiennes par les Etats de Wurtemberg, signée à Vienne le 5 Avril

1815. (KLÜBER Acten d. W. Congresses. H. 16. S. 497.)

Da Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich und Se. Majestät der König von Würteinberg über den Darchmarsch von Oestreichischen Truppen durch das Königlich-Würtembergische Gebiet übereingekommen sind, und für derselben Subsistenz, Transports dann sonstige Hülfe die billige Entschädigung auf eine besondere Convention zu gründen allergnädigst beschlossen haben; so haben sich die zum Abschluss dieser Convention beiderseits Bevollmächtigten, und zwar von Seiten Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich der K. K. Feldmarschal-Lieutenant und Hofkriegsrath Freyherr von Prohaska, der Hofrath und Referent der geheimen Hof- und StaatsCaozley Ritter von Floret; von Seite Sr. Majestät des

Königs von Würtemberg der General - Major und Gened 1815 ral - Adjudant Freyherr von Vahrenbühler und der Legationsrath von Feuerbach, in ihrer Behandlung über folgende Puncte salva ratificatione beider allerhöchsten Höfe vereinigt.

Art. I. Die durch Würtemberg marschirenden K. K. Routes Oesterreichischen Truppen werden nur auf den durch d'étape. gegenwärtige Convention bestimmten Etappen - Routen marschiren.

Diese Etappenstrassen führen: a) von der Königlich-Baierischen Austritts-Station Mem

mingen über Wurzach, Altshausen ins Ausland nach

Pfullendorf;
b) von Memmingen über Biberach , Saulgau, Möskirch

Badisch), Tuttlingen, Rotweil ins Ausland nach
Hornberg;

von der Baierischen Austritts-Station Günzburg über Ulm, Urspring, Göppingen, Canstadt, Vaihingen, ins

Ausland nach Pforzheim oder Bretta; d) von der Baierischen Austritts - Station Dillingen über

Hildesheim, Ellwangen, Hall, Weinfeld, Fürfeld
ins Ausland nach Wisloch Neckareiz, oder im Falle
dass militärische Operationen es erforderten, über
Hildesheim, Aalen, Gmünd, Schorndorf, Waiblin-
gen, Bietigheim, Heilbronn ins Ausland nach Sins-
heim. Wenn die Königlich-Würtembergische Regie-
rung bey diesen Etappen eine Veränderung der Etap-
pen-Orte auf der Marschlinie nach der Localität noch
zu treffen für nöthig finden sollte, so wird hiebey
dem Armee - Commando schleunige Nachricht ertheilt,
um darnach die Instradirung abzuändern. Im Allge-
meinen gelten die Bestimmungen, dass die Entfernung
des einen Etappen-Ortes von dem andern nicht unter
drey, und nicht bedeutend über vier Meilen betragen
darf, und dass nur nach vier Etappen - Märschen ein
Rasttag folgen dürfe. Es wird hiebey noch besonders
festgesetzt, dass für immer die Residenz - Städte Stutt-
gart, Ludwigsburg und Tübingen sowohl von Durch-
marsch als Einquartierung und folgende Städte als
Königlich-Würtembergische Waffenplätze, nämlich
Heilbror Instadt, Rothenburg, Echingen, Ra-

im Crailsheim, Wennenden, Kirch-
ierungen befreyt bleiben, jedoch
wenn einer oder der andere die-

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1815 erkennen die in den vorstehenden Artikeln enthaltenen

Zahlungs-Erleichterungen zur Erhaltung wohlgesinnter Schuldner für hinreichend, und es ist Ihr Wille, nie einem Schuldner eines Preussischen Unterthans grössere Zahlungs-Beneficien zu bewilligen 'oder zu gestatten, dass solche bewilliget werden. Seine Kaiserliche Majestät wollen in Gegentheil, dass den Tribunalen ausdrücklich befohlen werde, nach dem Inhalte dieser Convention gute und schnelle gerichtliche Hülfe zu leisten.

Art. VII. Die in diesen additionellen Artikeln enthaltenen Stipulationen sollen dieselbe Kraft haben, als wenn sie von Wort zu Wort in dem Hauptvertrag von diesem Tage, welcher die Convention von Bayonne vernichtet, aufgenommen wären.

Zu dessen Beglaubigung haben die resp. Bevollmächtigten dieses gezeichnet und mit ihren Siegeln versehen.

Geschehen zu Wien , den 30sten März 1815.
C. FÜRST V. HARDENBERG.

JOHANN V. ANSTETT..

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24. 5 Avril. Convention entre S. M. l'Empereur

d'Autriche et S. M. le Roi de Wurtemberg sur le passage des troupes Autrichiennes par les Etats de Wurtemberg, signée à Vienne le 5 Avril

1815. (KLÜBER Acten d. W. Congresses. H. 16. S. 497.)

Da Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich und Se. Majestät der König von Würtemberg über den Durchmarsch von Oestreichischen Truppen durch das Königlich-Würtembergische Gebiet übereingekommen sind, und für derselben Subsistenz, Transports dann sonstige Hülfe die billige Entschädigung auf eine besondere Convention zu gründen allergnädigst beschlossen haben; so haben sich die zum Abschluss dieser Convention beiderseits Bevollmächtigten, und zwar von Seiten Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich der K. K. Feldmarschal-Lieutenant und Hofkriegsrath Freyherr von Prohaska, der Hofrath und Referent der geheimen Hof- und StaatsCanzley Ritter von Floret; von Seite Sr. Majestät des

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