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V o r e de.

Das Vorwort entbehrt der Lefer gern bei: Weiten der Literatur, welche ein angebornes literarisches Bürgerrecht mit sich bringen, und deren Existenz sich: alå dem geistigen Bedürfniß der Zeitgenossen entsprechend und innerlich gereift geltend macht. Diese Kategorie paßt auf die Geschichte der europäischen Staaten, welcher gegenwärtige Leistung angehört, als Ganzes genommen: die Offentliche Stimme hat darüber entschieden. Eine solche Ägide aber deckt nicht den Verfaffer, welcher einen einzelnen Bestandtheil desselben zu vertreten hat; am wenigsten, wenn dieser, wie hier geschieht, sich auch als selbständiges Werk ankündigt. Indem nun der Unterzeichnete darauf verzichtet, für sein Buch von der ihm günstigen Stellung desselben zu dem mit Beifall der Nation aufgenommenen Ganzen Vortheil ziehen zu wollen, spricht er vielmehr den Wunsch aus, daß es nach den innern Gründen, durch die es eine selbständige Eriftenz in Anspruch nimmt, beurtheilt werden möge. Er nennt deren zwei, ganz einfache, nämlich, daß er bes

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müht gewesen ist, jegliche Shatsache durch Zeugnisse aus fichern Quellen zu beglaubigen, und die Ergebnisse der Quellenforschung mit voller Wahrhaftigkeit und Parteilosigkeit darzustellen. Das ist freilich nicht mehr und nicht weniger, als was jedes gediegene Geschichtswerk leisten foll: aber, wie selten dies Merkmal bei den bisherigen Bearbeitungen der Geschichte des neuen Frankreichs gefunden werde, ist dem Kenner dieses Gebiets der historischen Literatur nicht zweifelhaft. Es ist in der That nur wenigen Geschichtschreibern Frankreichs im RevolutionĞgeitalter darum zu thun gewesen, die einfache, Unverhållte Wahrheit der Verkündung oder Bekämpfung von Ideen: Des Zeitgeistes, dem Prunke schönrednerischer Declamation und dem Reize pikanter Zeichnung vorzu= zieheu. : Puch ist die Aufgabe einer durchweg beglaubigten, mit unbefangenem Geiste und ohne Parteiinteresse zu schreibenden Geschichte in diesem, unserer Zeit und unserem Interesse fo nahe liegenden, Gebiete welthistorischer Erscheinungen nicht minder schwer zu lösen, als bei andern großen historischen Fragen, wo Entlegenheit des Zeitalters die Zeugenprüfung erschwert. Niemals ist so viel und so unverschämt gefabelt, und das Gefabelte so willig geglaubt, so eifrig wiedererzählt worden, als in Begleitung und Folge der französischen Staatsumwål= zung; nie ist der Geist der Parteiung geschäftiger gewe= sen zur Erfindung und Verbreitung der Lüge: und der: felbe, verbrüdert mit dem im menschlichen Geiste immer regen Wohlgefallen an Berichten von Skandal, Frevel und Gräuel, hat bewirkt, daß bis auf heutigen Tag eine Wuchersaat falscher Angaben und Vorstellungen fort: dauert. Dem Ursprunge der Fälschung auf die Spur

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zu kommen, wird aber nicht eben durch die kaum über: sehbare Masse liter irischer Vorråthe erleichtert. Den= noch richtet fich an den Geschichtschreiber zuvorderst die Forderung, daß er mit jener bekannt sei, daß er auch das Unbrauchbare als solches erkannt habe und auch in nichtsnußigem Wuste Blåtter der Wahrheit aufzufinden bemüht gewesen sei. Mas dem Verfasser zur Hand gewesen ist, ergibt fich aus den Citaten; an Vollständigkeit des Mas terials ist nicht zu denken; dessen werden sich auch noch so reichlich damit ausgestattete französische Geschichtschreiber des Revolutionszeitalters nicht rühmen, wenn sie aufrichtig sind; daß dem Verfasser aber wenige von den bedeutendern Schriften fremd geblieben sind, verdankt er der zuvorkommenden Gefádigkeit, mit welcher die Herten Vorsteher der bedeutendsten norddeutschen Bibliotheken ihn unterstügt haben. Ein bibliographisch genaues Berzeichniß der von ihm benugten Schriften wird dem legten Bande angehängt werden, eine Charakteristik einzelner erheblicher Werke gelegentlich ihre Stelle finden. Eines von diesen aber ist hier vorzugsweise zu gedenken, um die vielfältige Benußung desselben zu rechtfertigen. Es ist Buchez et Roux, Histoire parlementaire de la révolution française. Bas an dem Buche sei, ist in der neunten Beilage zu diesem Bande dargelegt worden.

Daß bei Anführungen aus den Quellen meistens die Originalsprache beibehalten ist, namentlich in den Beilagen, glaubt der Pf. vollkommen verantworten zu können. Schwerlich ist ein Leser seines Buchs des Franzófischen so unkundig, daß er jene Stellen nicht verftånde; bei einer übersegung aber würde nicht selten der

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