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Bartolome Christian Graaf,
weiland Stönigl. Striegsrathe und Stontrolleur der Regierung8s Haupts

Staffe zu Stettin.

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V o r w o r t.

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as Finanz-Verwaltung$-System hat in dem legten Jahr. gehend, nachdem auf eine bewegte Zeit, auf eine schwankende politische Existenz, ein dauernder Zustand von Ruhe und Sicherheit eingetreten ist, in welchem allein das Gute gedei: het, und nüßliche Einrichtungen in das Leben gerufen, genährt, gepflegt und, durch Erfahrung geprüft, immer mehr verbessert werden können, überall, besonders aber im preußischen Staate, an Ausbildung gewonnen, und, bei veränderten Zeit: Umständen und Zeit - Bedürfnissen veränderten Grundfäßen sichern Schritts folgend, zu erfreulichen Resultaten geführt. Sie befriedigen in staatswirthschaftlicher Beziehung, und wür: den, wenn gleich nicht verkannt, wer könnte auch die überall sichtbare Ordnung in unserm Finanz - Wesen, den immer mehr steigenden Kredit des Staats als natürliche Folge der gewissenhaftesten Erfüllung übernommener Verbindlichkeiten verkennen? — doch mehr gewürdigt werden, wenn nicht für Handel und Gewerbe seit Jahren die Konjunkturen po un günstig gewesen, und Viele, von einseitigen Ansichten ausgehend, verleitet worden wären, daß Uebel in diesen oder jenen FinanzEinrichtungen zu suchen, wo es doch nur in äußern, von

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keiner Regierung zu beseitigenden Umständen gefunden werden fann.

Das Staffen- und Rechnungs-Wesen ist ein integrirender Theil der Finanz-Veripaltung, die Grundlage einer guten Wirthschaft, in sofern es darauf ankommt, die Mittel zum Zweck kennen zu lernen, sie zu prüfen, zu ordnen, ihre inten: five Kraft zu erforschen, sie hiernach im Ganzen wie im Einzelnen zu übersehen und zu benußen. Manches großartige, an sich zweckmåßige Unternehmen ist gescheitert, weil es für Nes bensache gehalten wurde, die Ermittelung, Herbeischaffung und Benugung der dazu erforderlichen Mittel einer gründli: chen Prüfung zu unterwerfen, und besonders der Nothwendigfeit, diese Mittel rechtzeitig und mit dem davon zu machenden Gebrauch gleichmåßig Schritt haltend sicher zu stellen, einige Aufmerksamkeit zu widmen.

Wenn nun Mißgriffe solcher Art erfahrungsmåßig zu Verwirrungen führen, und überhaupt nur Unkundige in der Meinung stehen können, daß die Staats-Einnahme ohne wei. tere Rücksicht lediglich von der Ausgabe bedingt sen, wiewohl e$ flar ist, daß jeder Haushalter bei Einrichtung eines regelmåßigen, auf Fortdauer berechneten Haushalts fich nach seinen Einnahmen, das heißt, nach seinen Mitteln zu richten, und bei Collisionen die Ausgaben jedenfalls zu beschrånken vers pflichtet ist, so ergiebt sich von selbst, wie wichtig für jede Finanz-Verwaltung es seyn muß, dem Kaffen und Rechnungs- Wesen solche Formen und Einrichtungen zu geben, daß fie dem höheren Zwecke überall zu entsprechen im Stande und geeignet sind, auf dem kürzesten und sichersten Wege die Kräfte des Staats kennen zu lernen, auf die Duellen der Einnahmen zurückzugehen, die Ergiebigkeit derselben, den Vors theil des Staats und das Wohl der Unterthanen gleich bes ' rücksichtigend, mit Umsicht zu prüfen und zu befördern.

Man kann es nicht verhehlen, daß das Kaffen und Rechnungs-Wesen früher sehr stiefmütterlich und untergeord: net behandelt und seine wahre Stellung in der Staats-Wirth, fchaft nicht hinreichend erkannt worden ist. Man beschränkte sich auf Einrichtungen, welche mehr für die nächsten Bedürfnisse

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und Zwecke als für eine höhere Tendenz, mehr für Drdnung in den einzelnen Theilen als für die Verbindung derselben zum Ganzen berechnet waren; es mangelte daher an Einfach heit, Klarheit, Bestimmtheit und Zusammenhang, und man fühlte, daß man mit Weitläuftigkeiten und Unbequemlichkeiten zu kämpfen hatte, und doch nicht überall zu übersichtlichen und ganz zuverlässigen Resultaten gelangen konnte.

Den Unkundigen, der von einer Staats- Kassen-Wirth. schaft im größeren Umfange nur oberflåchliche Begriffe hat; und in der Verwaltung einer Rendantur weiter nichts als ein mechanische Geschick, auf der einen Seite die Ein: nahme und auf der andern die Ausgabe richtig niederzuschreis ben und durch Subtraktion dann das Saldo zu finden, ers kennt, qualifizirtere Anforderungen aber für eine Ueberschåßung der Sache hålt, muß es freilich sehr befremden, daß solche Mångel in der Wirklichkeit existiren können; der Sachkundige hingegen wird zugestehen, daß es reine eigenen Schwierigkeiten hat, jene Resultate durch ein wohlgeordnetes, allen Bedürfniss sen entsprechendes System zu gewinnen, und daß mehr als bloße Rechen-Exempel dazu gehören, die Aufgabe erschöpfend zu lösen. Diese Behauptung, die Andeutung von Schwierigs keiten bei Aufstellung eines folchen Systems, muß Jenen noch mehr befremden; sie gründet fich jedoch überall lediglich auf Erfahrung, und so wie in unserm Staate fortwährend an der Vervollkommnung desselben und an Beseitigung der bald hier bald dort mehr oder weniger hervortretenden Mängel gearbeitet wird, so ist in den meisten europåischen Staaten das Bedürfniß und das Bestreben, den Staatshaushalt auf ein wohlgeregeltes und übersichtliches Kassen- und RechnungsSystem zu stüşen, mehr als jemals vorherrschend geworden, und erst vor einiger Zeit sprach sich das britische Parlaments. Mitglied Hume in einer Sigung des Unterhauses laut dahin aus, daß ein System angenommen werden möge, die Staats. Rechnungen zu vereinfachen und endlich einmal verständlich zu machen.

Die preußische Finanz-Verwaltung hat in ihrer fortschrei: tenden Ausbildung und im Geiste der angenommenen Grunds

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