Page images
PDF
EPUB
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

Er vertrieb die Sachsen, die schon Prag besetzt bielten, aus Böhmen (Ende Mai), vereinigte sich dann mit dem baierischen Heere, was Gustav Adolf, der von Memmingen heranzog, nicht hatte verhindern können, und traf vor Nürnberg ein, wo beide Heere, das Wallenstein'sche und das schwedische, mehrere Monate einander gegenüber in verschantzter Stellung verstreichen liessen. Des Königs Absicht, die Reichsstadt, durch einen Vertrag dauernd an seine Politik zu fesseln, sie zur Theilnahme an einem Kriege mit dem evangelischen Fürstenthum, den er voraussah, 1) zu pressen, und sie bei der Verfolgung des noch dunklen Planes, ein deutsches Reich mit neuen Voraussetzungen zu begründen, im Dienst zu nehmen, konnte durch das Erscheinen eines Gegners, der sich mit verwandten Projekten trug, vereitelt werden. Auf die Nachricht, dass Wallenstein abgezogen, was falsch war, und dass nur wenige Regimenter in seinem Lager (zwischen den Dörfern Stein und Dombach) zurückgeblieben, fasste Gustav Adolf den Entschluss, die hochgelegenen Positionen des Gegners zu stürmen. Vergebens waren alle seine Anstrengungen, gegen welche die Natur mit der Kriegskunst der Belagerten verbündet kämpfte. Hunger und die Rücksicht auf die Stadt Nürnberg bestimmten den König, nach diesem blutigen Tage (24. Aug.), seine Stellung zu verlassen. Er zog, ohne angegriffen zu werden, an Wallenstein's Lager vorbei nach Fürth ab (8. Sept.). Es war einer andern Gegend vorbehalten, die Erinnerung an eine Entscheidung zu verewigen, die doch eigentlich nur eine Frage der Zeit war. Fünf Tage später zog auch Wallenstein ab, in der Richtung nach Forchheim. In Thüringen, nach der Einnahme des Coburger Schlosses, trennte sich, auf die Nachricht, dass Gustav Adolf Ingolstadt bedrohe, der Kurfürst; Wallenstein brach, während Jenen das Heimweh nach dem Süden zog, über Plauen (9. October) in Kursachsen ein. Auf diese Nachricht liess der Schwede von seiner Absicht auf Ingolstadt ab, und eilte, von dem Kurfürsten über seine Bedrängniss benachrichtigt, von Neuburg am 8. October aufbrechend, über Nördlingen beran. Beide Gegner zogen ihre Streitkräfte zusammen, Wallenstein den Pappenheimer, Gustav Adolf den Herzog Bernhard. Uebrigens dachte Jener weit weniger daran, dass noch im Spätherbste eine Schlacht geliefert werden sollte, als daran, während des Winters

[ocr errors]
[ocr errors]

1) Vgl. die Aeusserung, die der Kanzler Oxenstjerna 1644 vor versammeltem Reichsrath that, bei Geijer Gesch. v. Schweden, III, 296.

[ocr errors]
[ocr errors]

Sachsen auszubeuten, und den Kurfürsten von dem Bündnisse mit den Schweden abzuziehen. An dem Tage, als sich ihm Leipzig ergab, vollzogen Gustav Adolf's Truppen ihre Verbindung mit Bernhard von Weimar bei Arnstadt bei Erfurt (22. October). Als Wallenstein, den die Nähe seines Gegners in Erstaunen gesetzt batte, erfuhr, dass derselbe sich bei Naumburg stark verschanze, glaubte er, es werde sich die gegenseitige Beobachtung, wie bei Nürnberg, wiederholen, und dem Plane , die Winterquartiere zu organisiren, Nichts im Wege stehen. Am 5. Nov., als der König die Nachricht, dass Wallenstein nach Lützen und Umgegend, Pappenheim nach Halle abgerückt sei, bestätigt fand, wurde beschlossen, diese Gunst der Umstände zu benutzen. Er liess auf Lützen rücken, wo Wallenstein noch Zeit gehabt hatte, durch Eilboten Pappenheim zurückzurufen. Noch in der Nacht ordnete er seine Reihen. Am 6. Nov. wurde in der Ebene von Lützen gekämpft, die erste Schlacht, seit Wallenstein das Obercommando hatte, deren Entscheidung sich erst gegen ihn erklärte, als seine Pulverwagen in die Luft gingen, und eine Panik unter die Reiterei brachte. Aber er hielt in der Hauptsache Stand bis zum Abend. Kein Theil verstand ganz zu siegen, noch ganz besiegt zu werden. Abends kam Pappenheim's Fussvolk an, als Wallenstein schon den Rückzug angetreten hatte, und versuchte die Bewegung aufzuhalten. Vergebens !

Am Tage darauf sammelte sich das kaiserliche Heer um Leipzig, und erhielt dann Befehl nach Böhmen zu ziehen.

Das Resultat der Schlacht bestand darin, dass die confessionellen Parteien, als kriegführende Mächte sich auf dem Schlacht. felde gemessen und einander ebenbürtig gefunden hatten. Aber indem der König Gustav Adolf und Pappenheim, die Opfer des Tages gewesen, war auch die Heldenzeit des Krieges bei ihrem Ende angekommen. „Von nun an nahmen die Künste der Arglist auf eine abstossende Weise überhand.“ 1)

Zweite Hälfte. Frankreichs Betheiligung: 2)
Der Rückzug Wallensteins, welcher den Schweden das Schlacht-

1) Gfrörer a. a 0. 1011.

2) Vgl. Barthold, F. W., Geschichte des grossen deutschen Krieges vom Tode Gustav Adolfs ab. 2 Bde, 1842 u. f.

feld liess, und der Tod Gustav Adolfs waren die Rettung der Reichsfürsten, die von dem zwischen und dem Kaiser zu Znaim eingegangenen Vertrag einerseits, und von den letzten Absichten der Schweden andererseits bedroht waren. Um ganz sicher zu gehen, musste Wallenstein gestürzt werden. Die Zauderpolitik, welche der kaiserliche Feldhauptmann nach Lützen während der nächsten Zeit gegen die Schweden befolgte, und die unverstanden blieb, gab seinen Feinden Ursache, seinen Sturz zu betreiben. Obersten in seinem eigenen Heere, Leute von Wälscher Abstammung, legten sie als Verrath aus. Dies gab der Partei, die sich von dem baierischen Kurfürsten und den Jesuiten leiten liess, den Gedanken an die Hand ihn unschädlich zu machen. Um die Mitte Februars 1634 wurde Wallenstein, Dank der Verfügung, Wallenstein lebendig oder todt festzunehmen, umgebracht, und so den um ihre Selbstständigkeit besorgten Reichsfürsten der letzte Stein vom Herzen gewälzt. Gallas, der die Schweden aus Baiern vertrieben, und Johann von Werth (Nachfolger Tilly's,) schlugen die Schweden im September bei Nördlingen. Darob suchten die Mitglieder des Bundes der vier oberdeutschen Kreise, welcher die Vereinigung zwischen Gustav Adolf und den Protestanten des südwestlichen Deutschland hatte fester schliessen sollen, des Heilbronner Bundes, da ihr Bundeshaupt dahin war, ein neues, in Frankreich (Nvbr.). Er, der Embryo eines protestantischen Kaiserthums, wurde dadurch die Ursache, dass die Politik Richelieu's, die schon an dem Kurfürsten von Trier einen Ableger gehabt hatte (1632), offen die Sache der deutschen Protestanten zu ihrer Angelegenheit machte, um so die Schweden, wo nicht aus dem Reiché hinauszumanövriren, so doch ins Schlepptau zu nehmen, und sie gegen das Haus Oesterreich zu verwenden. Dieser Anschluss des Heilbronner Bundes lieferte den Franzosen die festen Plätze auf dem rechten Rheinufer von Breisach, welches noch erobert werden sollte, bis Constanz und auf dem linken Elsass aus.

Erst im J. 1636 enthüllten sich die Absichten Richelieu's in ihrer grösseren Deutlichkeit. Der Kurfürst von Sachsen hatte nämlich, in Erkenntniss der Schmach, welche durch die Buhlerei mit Frankreich über das Reich gebracht wurde, Unterhandlungen mit dem Kaiser angeknüpft und auf der Grundlage, dass die Wirkung des Restitutionsediktes auf vierzig Jahre herabdatirt wurde, war noch im J. 1635 zu Prag ein Friede zu Stande gekommen, dem alle protestantischen Stände des mittleren und nördlichen

,

[ocr errors]

mien.

Deutschlands (den Landgrafen von Hessen Kassel ausgenommen) nach und nach 4) beitráten. Schmerzlich genug war die Aussicht, die Schweden durch ein deutsches Land als Ersatz der Kriegskosten, Frankreich durch das Elsass abfinden zu müssen.

Es war dadurch ein Abschluss in den seitherigen Kampf gekom

Das stimmte aber nicht zu den Ansichten Richelieus, dessen Absicht die Grösse Frankreichs unter den Bourbonen auf Kosten des Hauses Oesterreich in Deutschland war. Er liess den schwe

. dischen Kanzler durch seinen Gesandten bearbeiten und brachte im April 1636 zu Wismar einen neuen Vertrag zu Stande, kraft dessen Schweden den Krieg in den österreichischen Erblanden Böhmen und Schlesien fortzusetzen sich anheischig machte, und Frankreich im Besitz dessen blieb, was es am Rheine sich angeeignet hätte.

Dadurch wurde Deutschland aufs Neue der Schauplatz des Krieges, dem kein anderer Plan zu Grunde lag, als die Bekämpfung des gemeinsamen Feindes, nämlich des Kaisers, wie Richelieu selbst in seinen Memoiren eingesteht, ?)

und der bei der rücksichtslosen Verfolgung dieses Plans aus den schon schwer heimgesuchten Ländern, nämlich aus Brandenburg durch Banér, während im oberen Elsass u. A. zur Eroberung Breisachs Bernhard von Weimar hauste, nach dessen Tode (1639) die Officiere mit seiner Armee sich bewegen liessen, in französischem Solde zu dienen, ferner aus Sachsen durch Torstenson (nach Banér's Tode), den Sieger bei Leipzig, | endlich aus Böhmen, und nach, 1642 dem Siege bei Jankau (Jankowitz), aus den Strassen welche 1645 nach Wien führten, durch eben denselben, den, weil er kränkelte, bald Wrangel ablöste , Stätten der Verwiistung machte. Noch eine letzte Heimsuchung schien, obgleich schon alle Gaue nach Frieden lechzten, und Unterhandlungen schon im Gange waren, Oberbayern vorbehalten zu sein, indem die Franzosen, die (unter Condé und Türenne) die Baiern schon einmal geschlagen hatten (1645), vereint mit Wrangel dem Kurfürsten, den ein Waffenstillstand (1646) nicht zu einem Anschluss hatte bewegen können, bei Zusmarshausen (unweit Augsburg) eine Niederlage beibrachten.

Sie wurden bereits wieder über den Lech zurückzuziehen genöthigt, da ein fähiger Militär (Piccolomini) den Oberbefehl über die Kaiserlichen und Baiern erhalten hatte, und andererseits ver

1648

?) Als Normaljahr beantragt 1618, angenommen 1627, vgl. Ranke a. a. 0. S. 454. 2) Mémoires IX, 8.

[ocr errors]

loren die Kaiserlichen ihre Position in Prag an den General

( Königsmark), als der Abschluss des Friedens dem Kriegführen ein Ende machte (Ende Octobers).

Nur um schwere Einbussen gelang es dem deutschen Reich, in dessen Namen der Kaiser cedirte, die Schweden und die Franzosen los zu werden.) Zwar waren die letzten Pläne Gustav Adolfs

1 nach seinem Tode fallen gelassen worden; aber festen Fuss behielten sie auf deutscher Erde, indem sie ausser Rügen auch Vorpommern und einen Theil Hinterpommerns, sowie die Städte Wismar, Bremen und Verden je mit ihren Gebieten erhielten (die Lebnshoheit, die sich das Reich ausbedungen, war eine Verschleierung der beschämenden Zugeständnisse); ausserdem eine Steuer von fünf Millionen als Entschädigung! Offener und frecher, als die Schweden, die ihre Ungebührlichkeit noch durch den Hinweis auf ihren Beruf, die Schutzmacht der deutschen Protestanten zu sein, maskirten, drang Frankreich dem deutschem Reiche die Hoheitsrechte über Metz, Toul und Verdün ein, die es seit hundert Jahren unter der Lehnshoheit besessen, und dem Hause Oesterreich die Besitzungen im Elsass (den Sundgau) und die Festung Breisach als Entschädigung ab. Die Politik Richelieu's trug Frankreich noch nach dem Tode dieses ehrgeizigen Ministers (1642) lachende Früchte; der sein Werk fortsetzte, Mazarin, erndtete sie.

Die Natur dieser Erwerbungen brachte es mit sich, dass dieser Theil der Friedensbedingungen von Osnabrück und Münster nur so lange rechtliche Kraft behalten konnte, als das deutsche Reich nicht im Stande sein würde, die ihm entrissenen Lande durch vereinte Anstrengungen zurückzuerobern. Die Aussichten hierauf waren aber bei der übermässigen Aussaugung nicht blos schwach; sie wurden gerade durch die zwischen Kaiser und Reichsfürsten in Osnabrück getroffenen Vereinbarungen zu Gunsten der Landeshoheit in ihren Territorien in grosse Fernen gerückt.

Nur in kirchlicher Beziehung schien der Friede eine Lösung gebracht zu haben, indem der durch den Prager Frieden (1635) erzielte Aufschub der Wirkung des Restitutionsedikts noch um eine Generation weiter hinausgeschoben d. h. auf das Jahr 1624 normirt wurde, d. h. die Protestanten mussten verloren geben, ihnen schon vor 1624 wieder . entrissen worden; dafür erhielten

[ocr errors]

was

1) Vgl. wegen des Münster'schen Fr.-Instruments: Recueil de traités etc. par M. le comte d'Hauterive et M. le baron Ferd. de Cussy. (Paris 1834 u. ff.) Première Partie. Tome I. p. 31, wegen des Osnabrück'schen: a. a, 0. 2. P. T. I. p. 194.

« PreviousContinue »