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felben zu jenen remuneratorischen Schenkungen bewogen fanden.

Ich verharre ehrerbietigst

Frankfurt Graf von Benzel Sternau. den 28. Dec. 1813.

XXII.

S dh reiben der Deputirten der israelischen Gemeinde zu Frankfurt am Main, an den königlich-preussischen ersten Herrn BevoUmächtigten, Fürsten von Harden: berg, wegen Erhaltung des von dem Großherzog von Frankfurt jener Gemeinde bewiligten Rechtszustandes;

datirt Mien den 12. Mai 1815.

Durchlau chtigster Fürst,

gnådigster Fürst und Herr! Die unterzeichneten Bevollmächtigten der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main, haben bereits ihre unterthänigste Bitte, um gnädigste Bestå tigung des, in Gefolg allgemeiner LandesOrganisation unterm 6. Aug. 1810, mit dem damaligen Souverain und Landesherrn, dem Großherzog von Frankfurt errichteten förmlis chen Vertrags, vermöge dessen ihren Glaubensgenossen zu Frankfurt, das dortige Bürgerrecht ertheilt, und auch (chon damals in seiner vollen Wirkung eingeräumt wors den war, sammt einer Abschrift dieses Vertrags selbst, welcher diese unsere titulo oneroso erworbenen Rechte begründet, bei dem hohen Congreß einzureichen die Ehre gehabt.

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Da inbessen, so lange der zwar im Recht und der Vernunft liegende Grundsax: daß spåterhin eins getretene, rein politische Ereignisse unmöglich auf früher erworbene Rechte zurückwirken können, nicht auch wirklich ausgesprochen worden ist, bei allen Glauben an die höchste Gerechtigkeit der Häupter des hohen Congresses, dennoch in der That, in der Lage unserer Glaubensgenossen so durch ihren Vertrag nicht etwa Vorzüge gegen die übrige Bürgerschaft von Frankfurt, sondern blosse Gleichstellung mit derselben erhalten – und besonders in gegenwärtigem neuem Krieg bis zur endlichen Regulirung der teuts schen Angelegenheiten, ein Zustand der Ungewißheit zurückbleiben würde, welcher auf dieselbe in allen ihren bürgerlichen Verhältnissen fehr nachtheilig wirken müßte ; po glauben die Unterzeichneten, ges stůgt auf die hohe Liberalitåt Euer Hochfürstlichen Durchlaucht, und vorzüglich auf das grosse Beispiel, welches Preussen in dieser Hinficht unter Euer Hoch: fürstlichen Durchlaucht weisen Führung, dem übrigen Teutschland gegeben hat, mit Zuversicht gnådigs ster Erhörung die unterthänigste Bitte wagen zu dúrfen:

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daß Euer Hochfürstliche Durchlaucht, so viel das hohe Interesse Sr. Königlichen Majeftåt von Preussen bei dem hohen Congresse betrifft, diese für uns so wichtige Angelegenheit gnådigst be: sonders zu beherzigen, und darüber nach dem nåmlichen Geist hoher Liberalitåt, welche Höchstderoselben wahrhaft våterliche Regierung bes zeichnet, die Confirmation des fraglichen Vertrags vom 28. December 1811 in höchster Gnade zu ertheilen geruhen mögen.

Die wir diese höchste Gnade lebenslänglich verehren werden.

Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht Orien

unterthänigste den 12. Mai 1815.

Iacob Baruch.
G. G. Uffenheim.

XXIII.

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Antwort Sr. Durchlaucht, des Fürsten von Hardenberg, auf vorstehendes Schreiben; datirt Wien den

18. Mai 1815. Uuf Ihre Vorstellung vom 12. 0. M. Namens der jüdischen Einwohner der Stadt Frankfurt am Main, nehme ich nicht Unstand Ihnen zu erwiedern: daß es in Rucks ficht der Gerechtsame, welche die jüdischen Einwohner der Stadt Frankfurt aus einem besondern mit dem vorigen Landesherrn am 28. December 1811 errichteten, und von ihrer Seite erfüllten Vertrage geltend zu machen berechtigt sind, der preussischen Intercession bei dem Congreß gar nicht bedarf, indem die Verhältnisse der frankfurter Judenschaft als geseh- und rechtmäßig feststehend, nicht bezweifelt werden können.

In so weit jedoch die jüdischen Einwohner der Stadt Frankfurt, den Umfang ihrer bürgerlichen Rechte noch über den Vertrag mit dem vorigen Lans desherrn hinaus zu erweitern wünschen, ersus che ich Sie, die Bestimmungen des . Congresses über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Deutsch land abzuwarten, und sich dabei der diesseitigen Una terstúkung um so mehr versichert zu halten,

als

Preussen durch ein besonderes Gesetz zu Gunften seiner júdischen Unterthanen bereits vorgegangen ist. Wien den 18. Mai 1815.

C. F. von Hardenberg.

XXIV.

E r 1 à B des kaiserlich - ó streich i ch ischen ersten Bevollmächtigten und CongreßPråsidenten, Herrn Fürsten von Metternich, an die Deputirten der is: raelitischen Gemeinde der Stadt Frankfurt am Main, als Untwort auf die von diesen bei dem Congreß eingereichte Bittschrift; datirt Wien

den 9. Iun. 1815. (Vergl. unten Bd. IX. S. 334.) Uuf die am 10. Oct. 1814, von den israelitis fchen Deputirten der Stadt Frankfurt am Main bei dem hohen Congreß eingereichte Bittschrift, um die Confirmation des mit dem ehemaligen Großherzog von Frankfurt unterm 28. December 1811 abgeschlossenen Vertrags über das Bürgerrecht der jüdischen Glaubensgenossen, wird denenselben zu erkennen gegeben, daß in dem Selbstståndigkeits Act, der für die freie Stadt Frankfurt unterm 9. dieses ausgefertigt worden ist, dem Magistrat auferlegt worden ser, alle wohlerworbenen Rechte jeder Olaffe von Einwohnern fest zu halten, umd jede zurů & wirkende Maasregel zu vermeiden.

In dieser Verfügung, wird auch die jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main ihre Beruhigung finden, indem dadurch die Gerechtsame, welche fie

aus einem früheren Vertrage geltend zu machen berechs tigt ist, vollkommen gesichert sind.

Mien den 9. Sunius 1815. Hufschrift.

Fürst Metternich. ; Herrn Baruch von Frankfurt.

XXV.

A n mertung des Herausgebers, zu vorstehendem Erlaß an die Des putirten der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt

am Main. Der Selbftftändigkeitsuct für die freie Stadt Frankfurt, auf welche in vorstehendem Erlaß die Deputirten der ifraelitischen Gemeinde dieser Stadt, in Hins sicht auf ihre bei dem Congreß eingereichte. Bittschrift, verwiesen werden, besteht in einem Uuszug aus dem Conferenz Protocoll der Herren Bevollmächtigten der allerhöchsten verbündeten Mächte, Art. 80*), welcher wortlich übereinstimmt mit dem 46. Artikel der Haupts oder Schluß Ucte des Congresses vom 9. Sun. 1815.

Zwar wird in vorstehendem Erlaß gesagt, daß in dem genannten Selbstständigkeitsact, dem Magistrat der Stadt Frankfurt auferlegt worden sey,

,,alle wohlerworbenen Rechte jeder Claffe von „Einwohnern fest zu halten, jede zurückwir„kende Maasregel zu vermeiden.“

*) Er ist unten abgedrudt, als Beilage zu der unmittel

bar auf gegenwärtige Anmerkung folgenden fürstlichmets
ternichischen Rote an den Bevollmächtigten der freien

Stadt Frankfurt.
Acten 0. Congr. VI. Bd. 3. Heft.

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